Sonntag, 31. Juli 2016

Das Shakespeare-Geheimnis - Christiane Lind


Stratford-upon-Avon im Jahr 1587: Schon als Kind ist die Kaufmannstochter Alice Harcourt vom Theater begeistert, und als ihr der Besuch einer Aufführung erlaubt wird und sie die Gelegenheit erhält, mit den Schauspielern in Kontakt zu treten, gerät sie vor Freude völlig aus dem Häuschen.
Einige Jahre später, im Jahr 1592, fasst die junge Frau den Entschluss, ihrer unglücklichen Ehe mit dem gewalttätigen Stephen Compton zu entgehen. Nachdem sie lange Zeit seine brutalen Angriffe erduldet hat, sieht sie keinen anderen Ausweg. Als Mann verkleidet flieht sie nach London. Dort begegnet sie dem Dichter Christopher Marlowe. Mit seiner Hilfe gelingt es ihr, Schauspieler am Rose Theatre zu werden. Sie lebt in ständiger Angst, von ihrem bösartigen Gatten gefunden zu werden, außerdem befürchtet sie auch, in ihrer männlichen Verkleidung enttarnt zu werden, denn das würde das Ende der Auftritte für sie bedeuten, da Frauen damals die Schauspielerei verboten war. Andererseits ist sie am Theater so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben, und dann findet sie auch noch die Liebe ihres Lebens. Aber im Hintergrund lauern ständig die Schatten ihrer Vergangenheit, denn sie ist immer noch in ihrer Ehe gefangen.

Dieser historische Roman ist aufgebaut wie ein Theaterstück in drei Akten. Christiane Lind nimmt ihre Leser diesmal mit in die faszinierende Welt des Theaters. Wir begleiten Alice auf der Flucht vor ihrem Ehemann und erleben mit ihr zusammen die Schönheiten des Lebens in London, aber auch die negativen Seiten und die Probleme, die sich für die Theaterleute ergeben, werden nicht außer Acht gelassen. Alice ist ein starker Charakter, und sie wirkt vom ersten Moment an sehr sympathisch. Es ist fesselnd beschrieben, wie verbissen sie um ihr Glück kämpft und letztendlich dem Ziel ihrer Wünsche nahe kommt, immer mit der Gefahr im Nacken, entdeckt zu werden. Neben der liebenswerten Protagonistin lernt man noch viele weitere interessante Charaktere kennen. Da ist einmal Alices Familie, wobei hier die meisten Personen eher Randfiguren bleiben. Lediglich ihr Bruder John und ihre Amme Milli spielen eine größere Rolle im Verlauf der Geschichte. Nicht zu vergessen ist Stephen, Alices unsympathischer und sadistischer Ehemann, der ihr das Leben zur Hölle macht.
In London kommen dann einige illustre Charaktere ins Spiel. Besonders hat mir die Einbindung diverser historischer Persönlichkeiten in die Handlung sehr gefallen. So war es für mich fesselnd und interessant, über den Dichter und Spion Christopher Marlowe zu lesen. Um diesen geheimnisvollen Mann ranken sich diverse Gerüchte und Thesen, die von der Autorin hier in sehr packender Weise verarbeitet und umgesetzt wurden. Auch der berühmte William Shakespeare hat eine nicht unerhebliche Gastrolle in der Geschichte. Die Bücher der Autorin haben ein besonderes „Markenzeichen“, denn ein Roman von Christiane Lind wäre für mich undenkbar, wenn nicht wenigstens eine Katze darin vorkommen würde. Diesem Anspruch trägt die Autorin auch hier Rechnung, denn Kit Marlowes eigenwilliger Kater Achates erfüllt seine Rolle absolut brillant.
Ansprechend und sehr gelungen ist auch das ganze Beiwerk, das den Roman ergänzt. Da gibt es nicht nur ein ausführliches Personenverzeichnis, in dem fiktive und historische Personen in chronologischer Reihenfolge aufgeführt sind und man genau erkennen kann, welche der Charaktere tatsächlich gelebt haben, auch ein kleiner Stadtplan Londons und eine mutmaßliche Rekonstruktion des Globe Theaters sind vorhanden. Am Ende des Buches werden im Glossar diverse Begriffe erklärt. Auch findet man dort ergänzende Erklärungen zu den historischen Hintergründen des Romans sowie weiter führende Literaturhinweise.
Alles in allem ist dieser Roman mit dem ansprechenden Cover sehr gelungen, denn er bietet einen faszinierenden historischen Hintergrund, markante Charaktere, eine abenteuerliche Geschichte mit einem guten Spannungsbogen und auch eine gewisse Portion Romantik, die der Geschichte eine perfekte Abrundung verleiht, wie ein gutes Gewürz einem schmackhaften Gericht.


  

Freitag, 15. Juli 2016

Septembermeer - Gabriela Jaskulla


David und Svea wollen sich ihren Traum von einer eigenen Buchhandlung erfüllen. Zu diesem Zweck ziehen sie auf eine kleine Insel in der Ostsee. Schon ihre Ankunft wird spektakulär, denn sie geraten in einen Sturm und erleiden Schiffbruch. Erst nach und nach knüpfen sie Kontakte zu den Inselbewohnern, die den Neuen anfangs skeptisch gegenüber stehen. Zuerst gibt es einige Verwirrungen auf beiden Seiten, sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Neuankömmlingen. Man muss sich erst langsam zusammenraufen. Schon bald werden jedoch Freundschaften geschlossen, aber dann geschieht etwas, das die Menschen auf der Insel völlig aus der Bahn wirft, sowohl die Einheimischen als auch die Zugezogenen.

Liest man den Klappentext, hat man den Eindruck, dass sich dieser Roman hauptsächlich um Svea und David dreht. Diese eröffnen zwar das „Inselreigen“, aber die weiteren Kapitel handeln weitgehend auch von den anderen Menschen auf der Insel.
Es ist ein langsames Herantasten des jungen Paares, ein Einfühlen in diesen völlig neuen, anderen Lebensbereich. In den folgenden Kapiteln erfährt man von Begegnungen mit den Inselbewohnern. Da gibt es die alte Fotografin Elsbeth, die sich mit David anfreundet. Man lernt den Tierarzt Hanno und seine Frau Julia sowie die gemeinsamen halbwüchsigen Kinder Mats und Pimpy kennen.
Da gibt es die etwas andere Kneipe, wo man der Wirtin Eleonor und den zwölf Fischern begegnet. Julias Freundin Jeanette kümmert sich um Kunst und Kultur im ehemaligen Haus eines Dichters, der vor hundert Jahren auf der Insel lebte. Im kleinen Supermarkt trifft man auf die Verkäuferin Sine, und dann gibt es da auch noch den geheimnisvollen, ein wenig unheimlichen „Vogelmann“.
Von diesen und noch weiteren Inselbewohnern erfährt man Näheres im Verlauf der Geschichte.

Im Grunde genommen ist es ein Roman über die ganze Insel mit ihren Bewohnern. Hier scheint alles langsamer zu laufen. Das Leben ist geprägt von Gelassenheit und Gleichmut. Was man hier erfährt, ist für die Protagonisten ihr ganz normales Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.
Das Meer und die Insel haben die Menschen, die hier leben, geprägt, was sich in ihrer Wesensart niederschlägt. Wie die Ostsee, so kommt das Schicksal mal friedlich, mal stürmisch daher. Jeder der vorgestellten Inselbewohner nimmt den Leser mit in seine eigene Welt, sowohl in die reale als auch in die Welt seiner Gedanken und seiner gelebten, aber auch der ungelebten Träume.

Die Autorin hat die Fähigkeit, mit Worten zu malen. Ihre üppigen, poetischen Beschreibungen ließen beim Lesen brillante, schillernde Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Auch Gedanken, Stimmungen und Gefühle sind sehr intensiv dargestellt und fast visuell wahrnehmbar. Es ist, als würde man das Leben und die Menschen auf der Insel durch ein Vergrößerungsglas betrachten. Man staunt über die Nähe, die man schon nach wenigen Sätzen zu den verschiedenen Charakteren gewinnt.
Wir erfahren das Schöne, das Faszinierende aber auch das Dramatische im Alltäglichen. Hinter so mancher Idylle versteckt sich eine menschliche Tragödie, wie es sich nach und nach offenbart. Es sind Momentaufnahmen des Insellebens, normal und doch so völlig anders, manchmal melancholisch und auch ab und zu ein wenig skurril.

Ich habe die schönen Formulierungen genossen, die Art, wie die Autorin Stimmungen einfängt, wie sie mit facettenreichen Beschreibungen die Insel zum Leben erweckt.
Ich habe mit den Protagonisten gefühlt, mich mit ihnen gefreut und mit ihnen gebangt.
Wie ich erfahren habe, hat die Autorin bereits einen Roman über die kleine Insel in der Ostsee geschrieben, und es steht für mich außer Frage, dass ich auch „Ostseeliebe“ lesen möchte, wo die Vorgeschichte von Hanno und Julia erzählt wird.

Gabriela Jaskulla ist eine Neuentdeckung für mein Bücherregal und für mein Leserherz, und beides hat sie im Sturm erobert.  




Neuzugänge in der ersten Julihälfte


Meine Neuzugänge an Büchern in der ersten Julihälfte halten sich in Grenzen. Vier Bücher sind bei mir eingezogen, und vier Bücher habe ich bisher in diesem Monat schon gelesen, bleibt also unterm Strich ausgeglichen. Das ist gut so, denn mein SuB ist enorm groß, und ich muss ihn nicht unbedingt noch weiter ausbauen. Ideal wäre, wenn ich mehr Bücher lese als ich im Monat dazu bekomme, denn sonst kriege ich irgendwann ein Platzproblem. Also gut, bisher hat es im Juli prima geklappt. 
Wie ihr seht, sind meine Neuen sehr "historien-lastig". Alle vier eingezogenen Bücher sind historische Romane.
  • Astrid Fritz: Unter dem Banner des Kreuzes (Rezensionsexemplar)
    In diesem Buch geht es um den Kinderkreuzzug 1212
  • Daniel Wolf: Das Gold des Meeres (Rezensionsexemplar)
    Das ist der dritte Band der Fleury-Serie, die ich bisher schon mit Begeisterung gelesen habe. Der Roman führt uns in die fiktive Stadt Varennes-Saint-Jacques in das Jahr 1260
  • Rita Maria Fust: Die Gunst der Königin (ertauscht)
    Dies ist ein historischer Krimi, der uns in das Jahr 1804, in die Zeit von Königin Luise von Preußen, entführt.
  • Sabine Ebert: 1813 Kriegsfeuer (Überraschungsbuch aus der Facebook-Gruppe)
    Ein sehr dicker Roman, in dem es u.a. um die Völkerschlacht bei Leipzig geht.
Rita Maria Fust war mir bisher noch nicht bekannt, und ich bin gespannt auf ihren Krimi. Die anderen drei Autoren kenne und schätze ich schon seit Jahren, und ich denke und hoffe, dass mich auch diese Bücher von ihnen nicht enttäuschen werden.

Ein Brief, der mich in der vergangenen Woche erreicht hat, bezieht sich auf einen kürzlich von mir gelesenen Roman: "Körbchen mit Meerblick" von Petra Schier. Im Nachlass ihrer Großtante findet die Protagonistin ein Rezept für Wattwurmkekse, und sie versucht, sie nachzubacken. Das Rezept wurde extra von Petra Schier für diesen Roman entworfen, und in dem Brief hat sie mir eine Rezeptkarte dazu geschickt, über die ich mich sehr gefreut habe, denn die Wattwurmkekse möchte ich unbedingt ausprobieren.


Dienstag, 12. Juli 2016

Im Spiegel ferner Tage - Kate Riordan

London 1932: Nach einer kurzen Affäre mit einem verheirateten Mann ist die 21-jährige Alice schwanger. Ihre Mutter ist auf den Ruf der Familie bedacht und arrangiert für die kommenden Monate einen Aufenthalt auf Fiercombe Manor im malerischen Gloucestershire. Dort wird Alice die Zeit bis zur Geburt ihres Kindes verbringen, welches anschließend zur Adoption freigegeben werden soll.
Bei ihrer Ankunft ist Alice gleich fasziniert von dem alten Anwesen. Schon bald entdeckt sie Spuren der früheren Besitzer, und ihre neugierigen Nachforschungen konfrontieren sie mit dem Schicksal der vormaligen Gutsherrin Elizabeth. Auf eigenartige Weise fühlt sich Alice mit der unbekannten Frau verbunden, als sie deren altes Tagebuch findet.


Die Handlung dieses Romans verläuft parallel in zwei Zeitsträngen. So verfolgt man einmal die Ereignisse zur Zeit von Alice, die 1932 auf Fiercombe Manor ankommt und einige Monate dort verbringt. Die Rückblicke führen den Leser ungefähr 34 Jahre in die Vergangenheit, zum Ende des 19. Jahrhunderts, als Elizabeth mit ihrer Familie dort lebte. Aus deren Tagebucheinträgen geht hervor, dass auch sie schwanger war, und unwillkürlich zieht Alice Vergleiche zu damals. Sie möchte gerne mehr über Elizabeth und ihr Schicksal erfahren.
Die Atmosphäre des alten Hauses wird recht unheimlich geschildert, und Alice hat so einige Erlebnisse, die auf mich jedoch irgendwie gestellt wirkten, um dem Anwesen einen gewissen Gruselfaktor zu verleihen. Es ist nicht recht klar, ob die Phänomene wirklich passieren oder ob Alice sie sich einbildet bzw. zu viel in Zufälle hinein interpretiert.
Ansonsten passiert nichts Aufregendes, und ich muss gestehen, dass sich die erste Hälfte des Romans für mein Empfinden ziemlich in die Länge zog. Später wird die Handlung etwas interessanter, und im letzten Drittel des Buches haben mich die Ereignisse dann doch packen und zumindest streckenweise mitreißen können.
Das Thema, welches hier im weiteren Sinn behandelt wird, ist ja eigentlich auch recht interessant. Es geht hauptsächlich um die Situation der Frauen zur Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gerade diversen besonderen Befindlichkeiten in der Schwangerschaft und danach wurde damals ein falsches oder oft auch gar kein Verständnis entgegengebracht. Was uns heute als Wochenbettdepression bekannt ist und wovon viele Frauen nach der Geburt betroffen sind, wurde als ein Anfall von Wahnsinn angesehen, kam damals fast einer Katastrophe gleich und hinterließ einen Makel, der nicht nur auf dem Ruf der betroffenen Frau lastete, sondern auch auf dem der ganzen Familie. Die Behandlungsmethoden waren nicht dazu angetan, es den Betroffenen leichter zu machen oder ihren Zustand zu bessern.

So richtig nahe bin ich den Protagonisten aus dem älteren Zeitstrang leider nicht gekommen. Sie blieben für mich blass und irgendwie seelenlos. Besonders Elizabeths Mann fand ich sehr irritierend, denn einerseits war er übertrieben eifersüchtig, dann wieder hatte ich den Eindruck, dass ihm eigentlich gar nichts an seiner Frau liegt, sondern dass er nur auf einen männlichen Nachfahren hoffte. Ganz und gar nicht nachzuvollziehen war für mich der letzte Satz des Klappentextes, nach dem Alice bei ihrer Spurensuche eine große Liebesgeschichte und einen schlimmen Verrat entdeckt. Beides habe ich vergeblich gesucht.

Mit der Gesamtbeurteilung dieses Romans tue ich mir ein wenig schwer, denn die Abschnitte um Elizabeth konnten mich so gar nicht überzeugen. Hier kommt noch dazu, dass es viele Zeitsprünge gibt und man oft nicht weiß bzw. erst wieder überlegen muss, in welcher Reihenfolge sich die Ereignisse abgespielt haben könnten.
Mit Alice und ihrer Geschichte erging es mir besser. Sie konnte ich gut verstehen, lässt man so einige unvernünftige Aktionen außer Acht, die meiner Meinung nach nur eingeflochten wurden, um die Geschichte mit mehr Spannung zu versorgen. Die Erzählung in diesem Zeitstrang erfolgte chronologisch nachvollziehbar, aber auch hier plätscherte die Handlung weitgehend gleichförmig dahin; es war nicht allzu viel geboten.

Der Schreibstil ist flüssig und eingängig, so dass sich das Buch eigentlich leicht lesen lässt. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich durch einen großen Teil des Buches mehr schlecht als recht hindurch geschleppt habe, weil es kaum Höhepunkte gab. Die letzten Abschnitte haben mich dann wieder ein wenig mit dem Roman versöhnt, aber insgesamt hat er mir allenfalls mittelmäßig gefallen.




Freitag, 8. Juli 2016

Körbchen mit Meerblick - Petra Schier


Melanie, Wahl-Kölnerin, überzeugte Singlefrau und erfolgreich in ihrem Beruf, ist völlig überrascht, als sie einen Brief des Nachlassverwalters Alex Messner erhält und erfährt, dass sie von ihrer Großtante als Haupterbin eingesetzt wurde. Tante Sibylla verbrachte ihr Leben in dem kleinen Städtchen Lichterhaven an der Nordseeküste und verstarb im Alter von 84 Jahren. Melanie kann sich nur noch düster an sie erinnern, denn es ist schon mindestens zwanzig Jahre her, dass sie während der Sommerferien in Lichterhaven zu Besuch war.
Wie sie erfährt, ist die Erbschaft an bestimmte Bedingungen geknüpft, auf die Melanie in keinem Fall eingehen möchte. Das würde nämlich für sie bedeuten, nach Lichterhaven zu ziehen und dort das Geschäft der Großtante weiterzuführen. Aber neben dem gut eingeführten Laden und Sibyllas Haus gehört auch noch ein Hund zur Erbschaft! Gezwungenermaßen muss Melanie nach Lichterhaven reisen und sich um die Angelegenheit kümmern. Zu ihrer Überraschung hat sie schon nach kurzer Zeit nicht nur die Labradorhündin Schoki in ihr Herz geschlossen, sondern sich auch mit einigen Menschen in Lichterhaven angefreundet. Nicht zuletzt der Nachlassverwalter Alex ist ihr gleich sehr sympathisch. Ein Urlaub und ein Flirt in Lichterhaven sind für Melanie okay, aber für immer in den kleinen Ort an der Küste ziehen, um die Erbschaft anzunehmen und dafür ihr gewohntes Leben in der Großstadt und ihre gute Arbeitstelle aufgeben? Das kommt für die absolut nicht in Frage! Oder etwa doch? Bei Tee und Wattwurmkeksen muss Melanie eine Entscheidung treffen, die ihr nicht leicht fällt.

Wie nicht anders zu erwarten, hat sich Petra Schier auch mit diesem luftig-leichten Sommerroman wieder in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Das tut sie regelmäßig mit ihren Büchern, völlig unabhängig von der Jahreszeit und dem Genre. Insofern war es für mich gar keine Überraschung, dass mir auch der neue Roman wieder außerordentlich gut gefallen hat. Die Art, wie die Autorin Land und Leute beschreibt und Verbindungen knüpft, wie sie ihre Protagonisten darstellt und besonders, wie sie auch die Vierbeiner, in diesem Fall die junge Hündin Schoki „zu Wort kommen“ lässt, das alles ist einfach zauberhaft. Man taucht ein in die kleine Welt von Lichterhaven, und man fühlt sich gleich pudelwohl (was in diesem Fall wohl eher „labradorwohl“ heißen sollte). Das Leben in der kleinen Stadt wird einem gleich richtig schmackhaft gemacht, und obwohl man vor den Lichterhavenern nichts geheim halten kann, sie sich gerne mal einmischen, dabei aber eine gute Portion Toleranz mitbringen, sind sie einem durchweg sympathisch. Na ja, manchmal schießen sie schon ein wenig übers Ziel hinaus und kümmern sich etwas zu ausgiebig um recht delikate Angelegenheiten, aber so sind sie eben! Eigentlich sind das ja recht menschliche, reale und weit verbreitete Eigenschaften, und wenn man diesen Roman liest, wünscht man sich, dass Klatsch und Tratsch auch im wahren Leben immer mit so viel Humor und Herzenswärme gepaart wären wie in Melanies Geschichte.
Die erprobten Rezepte für Tante Sibyllas Wattwurmkekse und ihre erfrischende Zitronenlimonade werden mit der Geschichte übrigens gleich mitgeliefert, so dass man sich beim Lesen Geschmack holen und die Atmosphäre von Sibyllas Haus ganz stilgerecht nachempfinden kann.

Eigentlich bin ich rundum glücklich mit der Geschichte, auch wenn sich, im Vergleich zu den früheren „Hundebüchern“, mit dem Wechsel des Verlags, einiges geändert hat. Zwar liefen auch die früheren Hunde-Weihnachtsromane von Petra Schier im weitesten Sinn schon unter dem Begriff „Liebesroman“, aber innerhalb des Genres hat sich nun eine Verschiebung abgezeichnet, die sich durch mehr Erotik bemerkbar macht. Das ist für die erwachsenen Leser sicher kein Problem, aber ich vermute, die weihnachtlichen Hundebücher hatten auch viele jüngere, minderjährige Fans. „Körbchen mit Meerblick“ könnte vom Titel her und vom Coverbild auch das Interesse von größeren Kindern wecken, denn hier hat man den Eindruck, eine heitere Familien- und Tiergeschichte vorzufinden, was es ja im Prinzip auch ist, aber das ist eindeutig ein Roman für Erwachsene, denn hier geht es ohne Umschweife häufig direkt zur Sache. So manche Szene im Buch ist meiner Meinung nach nicht ganz jugendfrei. Dass ich dies erwähne, ist keine Kritik an der Geschichte, sondern nur ein kleiner Denkanstoß für Eltern, dass sie sich die Lektüre ihrer Lütten schon mal etwas genauer ansehen, wenn diese nicht extra als Jugendliteratur ausgewiesen ist, auch wenn das Cover noch so süß aussieht.



Montag, 4. Juli 2016

Die Lausitzer Musen - Ivonne Hübner

Nach zweieinhalb Jahren Wanderschaft kommt der Müllergeselle Jakub zu einem kleinen Dorf an der preußisch-sächsischen Grenze. Als er hungrig und durstig einkehren möchte, findet er das Wirtshaus geschlossen vor. Alle Dorfbewohner sind auf dem Friedhof, um der Müllerstochter das letzte Geleit zu geben. Henriette wurde das Opfer eines Unglücks, das vermuten die Dörfler, denn sie wurde aus dem Wasser der Löbau gezogen; unterm Mühlrad hat man sie ertrunken gefunden. Als wenig später die Magd Gertrude Baumert das gleiche Schicksal erleidet, kommen einige Zweifel auf, ob es wirklich ein Unfall oder vielleicht Freitod der jungen Frauen war?
Jakub glaubt nicht daran, und diese Einschätzung teilt er mit Dr. Cornelius Waldeck, dem Landarzt. Auch die Magd Mathilde kann nicht glauben, dass ihre Freundin Gertrude absichtlich ins Wasser gegangen sein soll. Zusammen versuchen die drei Skeptiker, das Geheimnis um die rätselhaften Todesfälle zu lüften. Jakub und Cornelius fällt diese Zusammenarbeit nicht leicht, denn sie sind Rivalen, wenn es um die Gunst der schönen Magd Mathilde geht.


Die Kulisse dieses historischen Krimis ist eher beschaulich, wären da nicht die mysteriösen Todesfälle. Glaubt man bei der Müllerstochter noch an einen Unfall, so wird spätestens beim Tod von Gertrude Baumert klar, dass mehr hinter der Sache steckt.
Der Schreibstil dieses Romans hat mir sehr gut gefallen. Das damalige Landleben wird mit all seinen schönen Momenten, aber auch mit seiner Mühsal, lebendig und farbig dargestellt. Die Menschen im Dorf sind plastisch und mit Liebe zum Detail beschrieben. Neben der Dorfgemeinschaft lernt man auch den Gutsherrn der Gegend, Graf Adrian von Gersdorf und seine Familie kennen. Die adligen Herrschaften spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Roman. Hier ist auch gut zu erkennen, dass es kaum Gemeinsamkeiten oder Verbindungen zwischen dem Adel und der Landbevölkerung gab. Das Verhältnis zwischen diesen so verschiedenen Gesellschaftsschichten und die wenigen Berührungspunkte, die es gab, sind in der Geschichte sehr schön ausgearbeitet.

Auch eine gewisse Spannung ist in der Handlung gegeben, wenn man auch diese Geschichte, die Anfang des 19. Jahrhunderts spielt, nicht mit einem Krimi der Gegenwart vergleichen kann. Die Einstellung der Menschen war eine andere als heute, und es fehlten die Kenntnisse, die moderne Ermittler haben, um rätselhafte Todesfälle aufzuklären. Die damaligen Mittel waren begrenzt, und die Protagonisten, die sich ausführlicher mit der Angelegenheit befassen, sind völlig unkundig, wenn es darum geht, einer Spur nachzugehen. Dafür stellen sich Jakub und Cornelius aber gar nicht so übel an, denn sie haben so manchen Verdacht. Ob es auch der richtige ist? Das kann ich natürlich hier nicht verraten!
Die doch eher primitiven Ermittlungsmethoden entbehren nicht einer gewissen Faszination, kommt der geneigte Leser doch hier in den „Genuss“ der detaillierten Beschreibung einer Exhumierung und einer Obduktion.
Alles in allem hat mir dieser Krimi aus alter Zeit sehr gut gefallen. Dass ich keine fünf Sterne vergebe, liegt an einem Punkt, der mich zuletzt enttäuscht hat, denn eine Angelegenheit, die sich die ganze Handlung hindurch weiter entwickelte und bei mir eine gewisse Spannung hinterließ, wie die Sache wohl ausgehen würde, verlief letztendlich ungeklärt im Sande. Die Autorin überlässt es ihren Lesern, die Geschichte weiter zu spinnen, was ich von Zeit zu Zeit ja auch gerne tue, aber hier hätte ich mir eine Auflösung direkt im Buch gewünscht, denn für dieses offene Ende war mir der ungeklärte Punkt im Verlauf der Handlung zu präsent.

Die schöne Umschlaggestaltung möchte ich nicht unerwähnt lassen, denn sie ist meiner Meinung nach sehr gelungen und passt perfekt zur Geschichte. Das Coverbild, das eine alte Mühle zeigt, findet seine Wiederholung auf dem Buchrücken, auf den inneren Buchdeckeln und auf einem beiliegenden Lesezeichen.
Alles in allem ist dies eine schöne, runde Geschichte, die mir, mit nur ganz kleinen Abstrichen, wirklich gut gefallen hat.