Montag, 30. Mai 2016

Taxi Gourmet - Layne Mosler


Klappentext:
„Eat Drive Love“
Als ihr Traum vom eigenen Restaurant zerplatzt, begibt sich die junge Amerikanerin Layne Mosler auf die Suche: nach gutem Essen, nach Abenteuer und nach ihrem Platz im Leben. Ihre Reise führt sie über Buenos Aires, wo sie dem Tango verfällt, New York, wo sie als Taxifahrerin im Big Apple überlebt, schließlich nach Berlin. Dort findet sie nicht nur die Antworten auf ihre Fragen, sondern auch ihre große Liebe.

Meine Meinung:
Das Buch ist autobiographisch geschrieben. Layne Mosler bloggt seit einigen Jahren regelmäßig über die Erfahrungen, die sie während ihrer Reisen und Aufenthalte in Buenos Aires, New York und Berlin gemacht hat. Da ihr Blog sehr gut angenommen wurde und mittlerweile Kult ist, hat sie die Inhalte nun in einem Buch zusammengestellt.
Layne schreibt, wie sie nach Buenos Aires und dort zum Tango kam. Sie verfällt diesem leidenschaftlichen Tanz, aber er bringt sie auch an ihre Grenzen, und eines Tages, nach vielen wertvollen, zum Teil aber auch schmerzlichen Erfahrungen, über die sie berichtet, ist es an der Zeit, zu etwas Neuem aufzubrechen. Es zieht sie nach New York. Was schon in Buenos Aires durch Zufall begann, führt sie auch in NY fort: sie fragt die Taxifahrer, die ihr begegnen, nach ihrem Lieblingsrestaurant. In Buenos Aires hat das wunderbar geklappt, und Layne konnte viele gute und interessante Tipps über gutes Essen sammeln. In New York gestaltet sich alles schwieriger. Um sich weiterhin die Taxifahrten leisten zu können, muss sie sich eine zusätzliche Tätigkeit suchen, und da kommt sie auf die Idee, selbst Taxi zu fahren. Aber irgendwie fühlt sich Layne nie so richtig heimisch in NY, und schon ist sie dabei, sich einen neuen Erfahrungskreis zu suchen. Die Stadt ihrer Wahl ist Berlin, und im Buch beschreibt sie sehr schön und ausführlich, wie es dazu kommt. Ihre erste Ankunft in Berlin war vor sechs Jahren, und laut ihrer Personenbeschreibung lebt Layne Mosler inzwischen dauerhaft in dieser Stadt. Daher gehe ich schwer davon aus, dass sie dort gefunden hat, was sie suchte, nämlich eine Stadt, in der sie sich heimisch und wohl fühlt.

Layne schreibt sehr temperamentvoll und kurzweilig, und ich habe sehr gerne über ihre Abenteuer in den großen Städten dieser Welt gelesen. Wie sie den Bogen zwischen dem Tangotanzen und dem Taxifahren spannt, ist sehr außergewöhnlich, aber durchaus nachvollziehbar. Es ist ein sehr persönliches Buch, denn es handelt von den individuellen Erfahrungen der Autorin, und sie gibt sehr viel von sich preis. Insgesamt empfand ich „Taxi Gourmet“ als sehr interessant und lesenswert. Layne Mosler vermittelt in ihrem Buch nicht nur den Appetit auf diverse internationale Gerichte aller Art, sondern auch den Geschmack von Freiheit und Abenteuer, denn der schwebt über all ihren Geschichten. Ich schätze Layne als eine Lebenskünstlerin ein, und ich denke, sie sieht sich selbst auch so, das wird an einer Stelle im Buch sehr deutlich.
Teilweise merkt man jedoch, dass die Texte ursprünglich für ein Blog geschrieben wurden, und ich finde, ein Blog liest sich anders als ein Buch. So gibt es doch an manchen Stellen Wiederholungen oder Ähnlichkeiten, die einem wohl hauptsächlich auffallen, wenn man alle Texte am Stück in einem Buch liest, was beim Lesen eines Blogs, das ja eher in Etappen und über längere Zeiträume stattfindet, gar nicht auffällt. Ein zweiter Punkt, der mich ab und zu ein wenig aus dem Konzept gebracht hat, ist die Tatsache, dass öfter ein gewisses Insiderwissen vorausgesetzt wird, denn Layne lässt so manchen Begriff unerklärt stehen. Ich habe die Angewohnheit, Dinge, die ich nicht verstehe, nachzuschlagen, und bei „Taxi Gourmet“ war ich ziemlich beschäftigt, nebenbei Google zu befragen, weil ich mir die genannten Gerichte, Lokale und sonstigen Örtlichkeiten gerne bildlich vorstellen wollte. Dieses häufige Nachschlagen hat mich des öfteren in meinem Lesefluss ausgebremst.
Wem es ähnlich geht, dem kann ich nur wärmstens raten, Laynes Blog einen Besuch abzustatten, denn dort findet man nicht nur ihre Geschichten, sondern auch reichlich Fotomaterial, das mein Bild von all den Schauplätzen vervollständigt hat.



Sonntag, 29. Mai 2016

Radieschenheim - Meta Friedrich


Margreta Mai ist Gärtnerin aus Leidenschaft und Inhaberin des Gartenlokals „Radieschenheim“, das zur gleichnamigen Kleingartenanlage in der Nähe Lübecks gehört.
Eines Morgens findet Margreta eine Leiche mitten in ihrem Kräuterbeet. Es handelt sich um den zweiten Vorsitzenden des Kleingartenvereins. Kommissar Jan Knutsen, der mit dem Fall beauftragt wird, verwehrt Margreta zu ihrem Entsetzen den Zutritt zu ihrem eigenen Garten, wegen der noch nicht abgeschlossenen Spurensicherung. Doch nicht nur durch diesen Mordfall hat Greta in nächster Zeit mehr mit Knutsen zu tun, auch privat treffen sie sich zwangsläufig öfter, denn Knutsen wird in Kürze der Schwiegervater von Margretas Tochter Marjolein, und die Hochzeitsvorbereitungen, in die auch die Eltern des Brautpaares einbezogen werden, sind in vollem Gang. Obwohl sie sich daher gut kennen, ist Knutsen nicht bereit, seine Ermittlungsfortschritte in der Mordsache „Radieschenheim“ mit Greta zu teilen. Daraufhin recherchiert diese auf eigene Faust und verursacht dadurch so einigen Wirbel.

Gartenkrimis sind eine relativ neue Unterkategorie der beliebten Regionalkrimis, und mit „Radieschenheim“ habe ich dieses Genre nun für mich entdeckt. Schon der knackig-frische Einband, der total nach Frühling aussieht, hat mir gleich Lust gemacht, den Krimi zu lesen. Der Roman von Meta Friedrich ist einer der ersten Bände dieser dekorativen Reihe des Gmeiner Verlags. Es sind Hardcover-Büchlein in einem hübschen, kleinen und handlichen Format und in liebevoller Ausstattung, bei der auch ein Lesebändchen nicht fehlen darf. Schon äußerlich sind diese Krimis also in jeder Hinsicht etwas Besonderes und kleine Schmuckstücke im Bücherregal.
Margreta, die Hauptperson, habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Sie ist eine sympathische, tatkräftige Person, und ganz nach meinem Geschmack. Wie sie mit dem etwas knurrigen Jan Knutsen umgeht, ist sehr amüsant beschrieben. Gut gefallen hat mir insgesamt die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere. Man lernt so einige Kleingarteninhaber kennen und auch solche, die es werden wollen. Natürlich kommt auch Gretas Familie immer wieder ins Spiel, denn immerhin steht eine Hochzeit an, die geplant werden möchte. Und dann gibt es da auch noch die Kinder des Verstorbenen. Greta macht ihre eigenen Studien, als sie diese kennenlernt.
Die Atmosphäre des Krimis hat etwas Heimeliges, schon bedingt durch die Kulisse der Schrebergartenanlage. Lesegenuss bietet nicht nur der verzwickte Kriminalfall , der hier gelöst werden will, sondern auch das ganze Drumherum ist sehr gut und zum Teil auch recht humorvoll beschrieben und lässt Freude beim Schmökern und Rätseln aufkommen. Da ich Pflanzen und Gärten liebe, hat mir die Lektüre dieses Büchleins besonders viel Spaß gemacht. Auch passt die Story perfekt in den Frühling. Aber das Handlungsumfeld beschränkt sich nicht nur auf die Kleingartenanlage, sondern führt den Leser auch direkt nach Lübeck hinein. Man hat hier also einen Regionalkrimi vom Feinsten, dessen Lösung auch meines Erachtens nicht so leicht vorhersehbar ist.
Mir hat dieser neue Gartenkrimi nicht nur Lust auf Radieschen gemacht, sondern ich werde diese hübsche und interessante Reihe ganz sicher im Auge behalten. „Radieschenheim“ ist eher ein Krimi der „gemütlichen“ Sorte. Hier geht es nicht blutig oder brutal zu, sondern die Geschichte zeichnet sich durch interessante Charaktere aus, die besondere Wege beschreiten, um bei ihren Ermittlungen ans Ziel zu kommen. Alles in allem ist dies ein sehr unterhaltsames und lesenswertes Buch aus der Feder einer Autorin, die ich künftig im Auge behalten werde, denn wie ich sehe, hat sie vorher auch schon historische Krimis geschrieben.



Sonntag, 22. Mai 2016

Weil wir zusammengehören - Anouska Knight


Gerade haben Amy und James die freudige Nachricht erhalten, dass sie ein Baby adoptieren können, als Amy ihren Lebensgefährten bei einem Seitensprung ertappt. Von einem Moment auf den anderen wird ihr Traum von einer kleinen Familie zerstört. Wütend und enttäuscht trennt sie sich von James.
Bei einem Arbeitsprojekt lernt sie Rohan kennen, einen Kunden der Firma, für die sie tätig ist. Der attraktive, abenteuerliche und auch ein wenig geheimnisvolle Mann löst widersprüchliche Gefühle in ihr aus.
Während sich Amy in die Arbeit kniet, um ihre Enttäuschung über James' Fehltritt zu überwinden, kommt dieser zu ihr und gesteht ihr, dass er sie immer noch liebt. Er bittet sie, ihm seinen Fehler zu vergeben. Wie soll sie sich entscheiden?

Was Amy hier erlebt, stelle ich mir wahnsinnig schwer vor. Da ist sie kurz davor, sich ihren sehnlichsten Wunsch von einer eigenen Familie, von einem Baby zu erfüllen, als ihre Träume wie Seifenblasen zerplatzen. So enttäuscht sie auch ist, nach all der Mühe und Sorge nun auf diese Weise zu scheitern, sie kann trotzdem nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Es geht um viel mehr als nur um einen unbedachten Seitensprung. Amy muss erkennen, dass in ihrer Beziehung schon länger nicht mehr alles perfekt war.
Um sich von ihren Problemen abzulenken, stürzt sie sich in die Arbeit. Es wartet ein interessantes Projekt auf sie. Nur mit dem Auftraggeber hat sie so ihre Schwierigkeiten. Von der ersten Begegnung an mit Rohan kommt es zu Missverständnissen. Sie wird nicht schlau aus dem attraktiven und waghalsigen Mann, der anscheinend vor keiner Gefahr zurückscheut.
Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin hier zwei Menschen, die von ihrem Wesen her grundverschieden sind, sich aber doch in gewisser Weise zueinander hingezogen fühlen. Probleme ergeben sich, weil beide einen Schutzpanzer um ihre verletzte Seele aufgebaut haben und sich nach außen hin anders geben, als sie in Wirklichkeit sind. Erst langsam, nachdem sie mehr voneinander erfahren, beginnen sie, Verständnis für den jeweils Anderen zu empfinden und sich näher zu kommen. Aber sie scheitern immer wieder daran, dass sie so grundverschiedene Vorstellungen vom Leben und von der Zukunft haben. Es gibt wenig Hoffnung, einen gemeinsamen Nenner zu finden, und da gibt es ja auch noch eine wichtige Frau in Rohans Leben, die Amy nicht so einfach ignorieren kann.

Mir hat dieses Buch sehr gefallen, es hat mich gefesselt und mitgerissen. Ich konnte mich sehr gut und intensiv in Amy hinein versetzen, und obwohl Rohan zuerst ziemlich viel unternimmt, um unsympathisch zu erscheinen, ich möchte ihn trotzdem von Anfang an und ganz unabhängig davon, wie die Geschichte für ihn und Amy ausgeht. Der Roman hat noch einige interessante und sympathische Charaktere zu bieten. Da ist einmal Phil, Amys beste Freundin, und sie ist ein Mensch, den man nur allzu gerne als Freundin hätte. Auch Carter, ein guter Freund von Rohan, ist auf seine Weise liebenswert und sicher einen zweiten Blick wert. Und dann ist da auch noch Lily, ein ganz bezauberndes kleines Mädchen, das mein Herz (und nicht nur meines!) im Sturm erobert hat.
Anouska Knight hat einen tollen Schreibstil. Sie erzählt die Geschichte sehr sensibel und mit vielen Zwischentönen. Da ist nicht alles schwarz und weiß, sondern alle Charaktere haben viele Schattierungen, und ihre Entwicklung ist schön und glaubhaft dargestellt. Dazwischen wird es auch schon mal romantisch, aber stets ohne kitschig zu wirken.
Es ist ein Buch, das man am liebsten immer weiter lesen würde, und man möchte sich von den liebenswerten Figuren gar nicht mehr trennen. Auch die Kulisse, in der sich die Handlung weitgehend abspielt, hat ein ganz besonderes Flair, das mich fasziniert hat und das die Autorin sehr detailliert und bildhaft beschreibt.
Den Namen Anouska Knight werde ich mir merken, denn dieser Roman schreit förmlich nach mehr in seiner Art! Da mich dieses Buch begeistern konnte, habe ich mir auch gleich den Debütroman der Autorin besorgt, und ich hoffe, dass mich „Am Horizont ein Morgen“ ebenfalls nicht enttäuschen wird. Von der Covergestaltung passen beide Bücher sehr gut zusammen. Das Design, das ein wenig an einen Scherenschnitt erinnert, gefällt mir gut, und es ist auch sehr stimmig. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Werke der Autorin.




Samstag, 21. Mai 2016

Sturm im Paradies - Elisabeth Büchle


Die 26-jährige Sanitäterin Rebecca arbeitet bei der Luftrettung. Während der Weihnachtstage 2003 bargen sie und ihr Team einen schwer verletzten US-Amerikaner, der auf einer verschneiten Bergstraße im Schwarzwald einen schlimmen Autounfall hatte.
Nach seiner Genesung bedankt sich der reiche Marty bei seinen Rettern auf ganz eigene Weise und lädt sie zu seiner Hochzeit ein, die ungefähr ein Jahr später in Thailand stattfinden soll. Nach reiflichen Überlegungen sagt Rebecca zu. Sie verbindet die Reise gleich mit einem längeren, wohlverdienten Urlaub und fliegt bereits zwei Wochen vor der Feier nach Khao Lak. In einem wunderschönen Strandhotel trifft sie auch Lukas wieder, einen guten Freund von Marty, der ebenfalls zur Hochzeit eingeladen ist. Über den gemeinsamen Freund hatten sie sich bereits in Deutschland kennengelernt, und nun, während ihres Urlaubs, verbringen sie mehr Zeit miteinander. Dabei entdecken beide ihre Sympathie füreinander. In der paradiesischen Umgebung Thailands entwickelt sich eine zarte Romanze zwischen Lukas und Rebecca.
Bis hierher meint man, einfach eine gut geschriebene und wundervolle Liebesgeschichte zu lesen. Zwar lernt Rebecca auch Malee kennen, eine sympathische junge Thai, deren Cousine verschwunden ist. Rebecca hilft ihr bei der Suche nach Alaya und wird dabei mit einem ganz anderen Gesicht Thailands konfrontiert, denn in diesem wunderschönen Land blüht der Sextourismus, und viele junge einheimische Mädchen sehen ihre einzige Chance darin, als Prostituierte zu arbeiten.

Wovon in Khao Lak noch niemand etwas ahnt, das erfährt der Leser schon nach und nach zwischen den Kapiteln, denn dort werden in kurzen, sachlichen Abschnitten die Vorboten,  geographische Veränderungen in Form von schweren Seebeben, erwähnt, und einen Tag nach der Hochzeit ereignet sich die Tragödie. An diesem 26. Dezember 2004 bricht die größte Naturkatastrophe aller Zeiten über die Küste Thailands herein und verwandelt das malerische Paradies in eine todbringende Hölle. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr wie es war. Die bis dahin so fröhlichen, glücklichen und sympathischen Protagonisten geraten in eine verhängnisvolle Lage. Sie verlieren sich aus den Augen, und jeder muss für sich mit dieser dramatischen Situation fertig werden, ohne zu wissen, wie es den Freunden oder der Familie geht. Ab dem Zeitpunkt, als der furchtbare Tsunami über Khao Lak hereinbricht, ändert sich alles.
Für die Autorin war es eine Gratwanderung, aber sicher auch eine große Herausforderung, diesen Roman zu schreiben, denn es ist wahrlich nicht einfach, über derart tragische Ereignisse zu berichten. Das Bedrückende daran ist ja, dass die Charaktere zwar fiktiv sind, die Kulisse und das Geschehen jedoch der Wirklichkeit entsprechen und diese Tragödie wirklich passiert ist. Am Bild ihrer Protagonisten zeigt Elisabeth Büchle Beispiele auf, die für viele wahre Schicksale stehen. Es ist bedrückend, wie authentisch sie alles beschreibt, und doch erscheint in all dem Elend auch so manches Licht, denn es entwickelt sich eine große Hilfsbereitschaft zwischen den Betroffenen. Menschen, die sich bisher nicht kannten, übernehmen plötzlich die Verantwortung füreinander. Viele wachsen in ihrem Einsatz für andere über sich hinaus und gehen hart an ihre Grenzen.
Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie nahe Glück und Leid beieinander liegen, wie sich das Schicksal von einem Moment auf den anderen wenden kann, zum Guten wie zum Schlechten.
Dieser Roman ist bewegend, erschütternd und mitreißend. Ich muss gestehen, dass ich mir mit Rebeccas und Lukas' Geschichte eine ganze Nacht um die Ohren geschlagen habe und das Buch erst aus der Hand legen konnte, als ich bei der letzten Seite angelangt war. Es ist der Wahnsinn, wie viele unterschiedliche Emotionen man hier zwischen zwei Buchdeckeln findet und wie es einen mitnimmt, zumindest mir ist es so ergangen.
Die Geschichte ist so eindringlich, vielschichtig und auch realistisch, dass ich sie sicher so schnell nicht vergesse.


Samstag, 14. Mai 2016

Das stille Gift - Nicola Förg

Es gibt wieder einen neuen Fall für die Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl.
Eines Tages stürzt ein völlig aufgebrachter Tourist in Irmis Büro. Er verströmt einen Geruch wie ein ganzes Güllefass und gibt zu Protokoll, dass er von einem ungehobelten Landwirt mit Gülle besprüht wurde, auf einem Wanderweg, wo Miller schon in all den Jahren, seit er in Garmisch Urlaub macht, mit seiner Frau spazieren gegangen sei. Irmi sieht diesen Vorfall zuerst nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich, bis Miller angibt, dass ihm bei der Gülle-Attacke auch ein Metallteil um die Ohren geflogen sei. Der Tourist sieht dies als tätlichen Angriff. Eine Untersuchung ergibt, dass es sich bei dem Metallstück um die künstliche Hüfte eines Landwirts handelt, der einige Jahre zuvor spurlos verschwunden war. Kilian Schwaiger und seine Familie ereilte damals ein schweres Los. Zuerst kam Schwaigers behinderter kleiner Sohn ums Leben, dann stand seine Existenz auf dem Spiel, weil seine Kühe nach und nach an einer seltsamen und rätselhaften Krankheit zugrunde gingen. Schwaiger war sich sicher, dass sein verendetes Vieh Opfer der „Agrarmafia“ geworden war. Seine Kühe starben an Botulismus, ausgelöst durch kontaminiertes Futter. Die Zuständigen verneinten einen Zusammenhang und warfen Schwaiger unsauberes Arbeiten auf seinem Hof vor. Kilian Schwaiger sagte der Agrarwirtschaft mit ihren dunklen Machenschaften den Kampf an. Er besuchte Demonstationen, trat aber quasi gegen Windmühlenflügel an und zog letztendlich den Kürzeren bzw. er verschwand spurlos. War er einigen der „Großen“ im Weg, wurde er gar umgebracht? Der Tatsachenbestand lässt diesen Schluss zu, und schon ist Schwaiger sehr wohl ein Fall für die Mordkommission.

Irmi und Kathi ermitteln wieder in gewohnt forscher Weise. So verschieden wie die beiden Frauen sind, so unterschiedlich gehen sie auch an den neuen Fall heran, jede auf ihre persönliche Art, und sie ergänzen sich dabei perfekt. Was sie da aufdecken, sieht ganz nach einem Giftskandal aus. Es geht in diesem Krimi nicht nur um einen Mordfall, sondern man lernt ganz nebenbei so einiges dazu. Da liest man über Botulismus, über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, über Biogasanlagen und andere umweltrelevante Probleme. Die Autorin hat wieder sehr gründlich recherchiert, und man spürt hinter jedem Wort Nicola Förgs kritischen Einsatz für die Umwelt. So ist dies ein Alpen-Krimi ganz besonderer Art, denn mit „gemütlichen“ Regionalkrimis kann man ihn wahrlich nicht vergleichen. Zwar lernt man durch Irmis Augen auch diesmal wieder die guten Seiten ihrer Heimat kennen, aber die Schönheit von Natur und Landschaft wird überschattet von den Problemen und Schäden, die durch Raubbau in der Landwirtschaft an Pflanzen, Tieren und damit auch an Menschen entstehen.
Das stille Gift“ ist ungemein fesselnd geschrieben, und die persönlichen Belange der Protagonisten bringen auch immer ein wenig frischen Wind und Aufmunterung in die Geschichte, beispielsweise wenn über Kathis Sorgen mit ihrer halbwüchsigen Tochter berichtet wird. Aber da gibt es auch sehr nachdenkliche Passagen, wenn beispielsweise Irmi, die selbst aus einer Bauernfamilie stammt und ihrem Bruder auf dem Hof hilft, über Sinn und Unsinn der Milchkuhhaltung nachdenkt.
Es ist nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte, sondern zudem ein sehr kritisches Buch, dessen Anspruch weit darüber hinaus geht, die Leser nur gut zu unterhalten.
Wieso gebe ich nur vier Sterne? Insgesamt kann ich sagen, dass mir auch dieser Krimi wieder ausgesprochen gut gefallen hat. Aber es gibt einige Vorkommnisse in der Geschichte, die leider nicht zur Auflösung kommen, und das hat mich ein klein wenig enttäuscht, denn hier war ich gespannt, wie das alles ins Bild passen würde. Ich kann dazu nicht mehr ins Detail gehen, denn dann würde ich zu viel von der Handlung verraten.
Auf jeden Fall ist „Das stille Gift“ sehr lesenswert, ungemein fesselnd und dazu auch noch sehr lehrreich. So vieles, was hier beschrieben wird, trifft den Nagel auf den Kopf, ist aber viel zu wenig bekannt. Und wir sollten alle wissen, wie es um die Natur, die Umwelt und auch um unsere Nahrung bestellt ist!



Donnerstag, 12. Mai 2016

Neuzugänge im Mai 2016, erste Monatshälfte

Der Monat ist noch nicht einmal zur Hälfte um, und es gab schon wieder einige Neuzugänge. 

Fünf Bücher davon sind Rezensionsexemplare. Die drei oberen Bücher waren mit dem Verlag, "Das Shakespeare Geheimnis" mit der Autorin abgesprochen; es sind alles historische Romane. "Das Spiel der Anderen" kam für mich völlig überraschend.
Generell kann das ganz spannend sein, ein Buch völlig unerwartet zu erhalten und zu lesen, aber in diesem Fall habe ich meine Zweifel, ob mir der Plot liegen wird, denn da geht es um vier Polit-Aktivisten und die Manager einer internationalen Großbank. Man wird sehen...


"Verführung" von Tanja Kinkel habe ich anlässlich einer Buchverlosung zum Welttag des Buches gewonnen. Ich freue mich sehr über diesen schönen Gewinn, denn schon das Cover ist etwas Besonderes, denn es hat eine Klappe über dem Schnitt, wie ihr sehen könnt. Außerdem ist das Buch von der Autorin signiert und somit ein Schätzchen für meine Sammlung signierter Bücher. Und es spielt in Italien, zur Zeit des Rokoko und entführt uns in die Welt Giacomo Casanovas.

Außerdem habe ich mich an einem Wanderbuch-Paket teilgenommen, und das Paket kam letzte Woche bei mir an. Die folgenden beiden Bücher habe ich herausgenommen. Beide sind mir in letzter Zeit häufiger "begegnet", und ich habe viele gute Kritiken darüber gelesen. Also war klar, dass die beiden Bücher bei mir einziehen und zwei bereits gelesene Bücher aus meinem Bestand dafür weiterziehen. Ich finde solche Wanderbuch-Pakete immer sehr spannend. In diesem Fall war auch die Teilnehmer-Runde recht überschaubar, so dass das Paket nicht allzu lange unterwegs sein wird. 


Acht neue Bücher, da muss ich mich sputen, dass ich mit dem Lesen etwas in die Gänge komme. Bisher kann ich mich aber nicht beschweren, denn der Mai begann für mich doch recht "lesereich". Ich hoffe, es geht so weiter; ihr erfahrt es spätestens beim Monatsrückblick.
Ich wünsche euch weiterhin einen schönen Mai, mit hoffentlich auch so schönen Neuzugängen, wie ich sie habe. Das Pfingswochenende soll ja vom Wetter her gesehen nicht so toll werden, also gibt es sicher reichlich Zeit zum Schmökern.

Die Fettlöserin - Nicole Jäger


Nicole Jäger, 33 Jahre alt, wiegt knapp 170 Kilo und ist Abnehmcoach. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, denn mit ihrem Gewicht ist Nicole vermutlich die dickste Vertreterin ihres Berufsstandes. Berücksichtigt man jedoch, dass sie sich innerhalb der letzten ca. 7 Jahre quasi halbiert hat, ist man durchaus der Meinung, dass sie die Richtige dafür ist, denn wenn jemand weiß, wie man am besten abnimmt, dann die Autorin des Buches „Die Fettlöserin“,und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass eine gertenschlanke, dynamische und super-sportliche Abnehmberaterin nicht unbedingt glaubwürdig ist, da sie vermutlich schon immer so war und noch nie mit den Pfunden kämpfen musste (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel!).
In ihrem Buch bzw. Hörbuch beschreibt die Autorin den langen, steinigen Weg, den sie bis heute gehen musste. Schon als Kind war sie immer mollig bis übergewichtig, und durch wiederholte Diäten sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen hatte sie sich im Lauf der Jahre, mit kräftiger Hilfe des Jojo-Effekts, bis zu ihrem Spitzengewicht von ca. 340 kg hoch gefuttert. Wie sie es geschafft hat, aus diesem Teufelskreis von Diäten, Heißhunger und ständigen Zu- und Abnahmen auszubrechen und gewichtsmäßig den Rückweg anzutreten und das ganz ohne Operationen oder sonstige medizinische Eingriffe, schildert sie sehr anschaulich. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt sich ihren Unmut von der Leber weg, denn wie sie zu berichten weiß, hatten ihre Mitmenschen immer jede Menge an pseudo-hilfreichen Ratschlägen und Lebensweisheiten für sie parat. Sie sagten ihr, was sie falsch machen würde und wie sie ihr Leben richtig in den Griff kriegen könnte und das alles, ohne sie eigentlich zu kennen. Diese anmaßende Art ärgert sie, denn die meisten Ratschläge, die man auf solchen Wegen erhält, sind wenig hilfreich und zeugen von einer gewissen Voreingenommenheit. Weit verbreitet scheint beispielsweise die Annahme, Übergewichtige würden sich grundsätzlich von Bergen an Chips, Pommes und dazu literweise Cola ernähren.
Nicole Jäger geht in ihrer Eigenschaft als Abnehm-Coach andere, neue Wege. Sie hilft ihren Kund(inn)en, indem sie sie an der Hand nimmt und Trost spendet, wenn sie es brauchen, ihnen wirklich kompetente Ratschläge gibt, sie aber auch schon mal in den Hintern tritt, wenn es nötig sein sollte, denn aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Abnehmen nie ein einfacher oder geradliniger Weg ist, sondern immer ein Hindernislauf mit vielen Hürden und Steinen auf dem Weg, und der innere Schweinehund lauert an jeder Ecke. Ihr Buch sieht Nicole Jäger nicht als Ernährungs- oder Diätratgeber, denn sie verrät dort nicht, wie man abnimmt. Aber sie bringt Licht in den Dschungel der Wissenschaften rund um unsere Ernährung und die Reaktion unseres Körpers auf alles, was wir zu uns nehmen.
Manche Kritiker der „Fettlöserin“ zweifeln die Glaubwürdigkeit von Nicoles Geschichte an. Sie machen ihre Skepsis an diversen Fragen fest, beispielsweise wie man ein Leben mit 340 kg Körpergewicht denn überhaupt finanzieren könne. Meiner Meinung nach gehen derartige Fragen zu sehr in die Privatsphäre und haben mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun.
Dass ihre Darstellung, was ihr Körpergewicht und die Abnahme betrifft, der Wahrheit entspricht, belegen diverse Bilder, die man überall im Netz findet.
Nicole Jäger ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, Klartext zu sprechen. Sie geht auch mit sich selbst ziemlich hart ins Gericht und bezeichnet sich als „fette Frau“. Aber sie wehrt sich entschieden dagegen, als Mensch lediglich auf ihre Körperausmaße reduziert zu werden, denn sie hat nicht nur jede Menge Pfunde zu bieten, sondern auch Köpfchen, eine starke Persönlichkeit und ein sympathisches Wesen, soweit ich dies beurteilen kann. Das Hörbuch wird von ihr selbst gesprochen, und sie bringt darin viel Kritisches zum Ausdruck, manches, was sie sagt, ist ziemlich sarkastisch (wen wundert's!), aber sie kann auch sehr gut über sich selbst lachen. Ihr einzigartiger Humor macht dieses Hörbuch nicht nur zu einem beeindruckenden Lebensbericht, sondern zu einem besonderen Hörvergnügen, denn so manches, was Nicole von sich gibt, ist herzerfrischend vergnüglich, trotz des eigentlich ernsthaften Themas.
Ich gebe zu, dass ich auch nicht als Elfe durchs Leben schwebe, sondern so manches Pfund zu viel auf den Hüften habe, und obwohl ich nicht einmal die Hälfte des aktuellen Gewichts der Autorin habe, kann ich vieles, was sie übers Abnehmen und Übergewichtigsein erzählt, durchaus unterschreiben. Egal was man wiegt, es gibt immer Menschen, die einem sagen wollen, wo es lang geht und was man falsch macht im Leben. Aber Gewicht und Abnehmen sind sehr individuelle Themen, die jeder für sich persönlich und jeder auf seine eigene Art angehen muss. Die Geschichte der Autorin macht Mut, denn wenn sie es geschafft hat, sich zu halbieren, so kann jeder ebenfalls das erreichen, was er sich vorgenommen hat.



Dienstag, 10. Mai 2016

Das Pfirsichhaus - Courtney Miller Santo



Kurzbeschreibung bzw. Klappentext:
Die 30-jährige Lizzie steckt in einer handfesten Lebenskrise. Als sie erfährt, dass das Haus ihrer verstorbenen Grandma Mellie abgerissen werden soll, will sie das nicht einfach hinnehmen. Gemeinsam mit ihren gleichaltrigen Cousinen Elyse und Isobel beschließt sie, ein paar Monate am Mississippi zu verbringen und das verwinkelte Haus zu renovieren. Dabei findet sie nicht nur zu sich selbst sondern entdeckt auch ein paar Dinge, die sie auf die Spur eines gut gehüteten Familiengeheimnisses bringen ...

Meine Meinung:
Manchmal entscheidet das Auge mit, ob ein Buch bei mir einziehen darf, und im Fall vom Pfirsichhaus war ich ein richtiges „Cover-Opfer“, denn die Einbandgestaltung finde ich sehr gelungen. Aber das Bild auf dem Einband verspricht auch eine romantische Geschichte aus alter Zeit. Gut, in frühere Zeiten tauchen die Protagonisten sehr wohl auch ab, denn es gibt da so einige Geheimnisse, denen sie auf die Spur kommen wollen. Das Haus der Großmutter, das die drei Cousinen besetzen und später renovieren, ist auch alt, aber irgendwie konnte ich mir kein sehr gutes Bild davon machen, trotz ausgiebiger Erklärungen. Worauf der deutsche Titel hinweist, ist mir schon klar, denn in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses scheint es eine Zeitlang Obstverarbeitungsfabriken gegeben zu haben, und laut der Erzählung entströmt dem Boden rundum immer noch der Geruch nach vergorenem Obst.
Beschreibungen findet man allgemein sehr viele und ausführliche im Buch, wobei sich meiner Meinung nach die Autorin auch oft zu stark mit unwichtigen Details verzettelt hat. Andererseits werden oft Situationen, die mir wichtig erschienen, mit nur wenigen kurzen Sätzen abgehandelt.
Der Roman teilt sich in drei große Abschnitte, wobei es in jedem dieser Teile vorherrschend um eine der drei Cousinen geht. Lizzie, Elyse und Isobel sind sehr unterschiedliche junge Frauen, aber keine von ihnen konnte mich überzeugen, faszinieren oder auf irgend eine Art berühren. Sie sind mir leider fremd geblieben. Auch die Menschen in ihrem Umkreis blieben für mich blass und gesichtslos bzw. waren von ihrer Art her nicht sympathisch.

So leid es mir tut, denn eigentlich hatte ich mich so auf dieses Buch gefreut und mir viel davon versprochen, aber ich habe mich beim Lesen gelangweilt, das muss ich ganz ehrlich sagen. Vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt oder ich habe die falschen Erwartungen in die Geschichte gesetzt. Ich werde dem Buch irgendwann eine neue Chance geben bzw. werde mir erst einmal das erste Buch der Autorin „Der Olivenhain“ näher ansehen, denn das liegt schon länger auf meinem Sub, und auch da ist das Cover so wunderschön und verheißungsvoll. Vielleicht ist es aber auch eine Sache der Übersetzung, denn besonders die Dialoge im Pfirsichhaus erschienen mir oft ein wenig lieblos. Da wäre es natürlich interessant, mit dem Originaltext zu vergleichen, denn ich habe schon häufig die Erfahrung gemacht, dass ich mit dem Original zurecht komme, obwohl mir eine Übersetzung nicht gefällt. Woran es genau liegt, werde ich wohl nicht ergründen können, aber Tatsache ist, dass mir „Das Pfirsichhaus“ nicht gefallen hat. Daran lässt sich nichts beschönigen. 




Montag, 9. Mai 2016

Eine Liebe im Schatten der Krone - Bettina Pecha


Der Roman spielt in Schottland und beginnt im Jahr 1561. Mary Stuart kehrt als 18-jährige Witwe aus Frankreich zurück. Die junge Adlige Fiona Fraser und der Laird Duncan Sanderton sind im Begriff zu heiraten. Schon kurz nach ihrer Hochzeit wird das frisch gebackene Ehepaar an Marys Hof gerufen. Die Königin möchte Fiona als Hofdame bei sich haben. Auch ihr Mann Duncan findet eine Anstellung beim Halbbruder der Königin.
Wer sich schon einmal mit Mary Stuart beschäftigt hat, dem sind die historischen Ereignisse nicht fremd. Königin Mary verliebt sich in den jungen, attraktiven Henry Darnley und heiratet ihn, trotz aller Einwände ihrer Berater und der englischen Königin Elisabeth. Die Ehe erweist sich schnell als Fehler, denn nach der Hochzeit verändert sich der bis dahin charmante Darnley sehr zu seinem Nachteil. Er benimmt sich arrogant und machtgierig, und das Ehepaar entfremdet sich sehr schnell voneinander, zieht Darnley doch bald die Gesellschaft seiner Höflinge und diverse Eskapaden in Wirtshäuser und Bordelle dem Zusammensein mit seiner königlichen Gemahlin vor. Er ist unzufrieden mit seinem Stand, denn das Parlament weigert sich, ihn zum König eigenen Rechts zu machen. Sein Unmut wendet sich bald tätlich gegen David Rizzio, den Sekretär und Vertrauten der Königin. Darnley beteiligt sich an einer Verschwörung gegen Rizzio, den er verdächtigt, der heimliche Liebhaber Marys zu sein. Rizzio wird vor den Augen seiner Königin von den Verschwörern umgebracht. Diese Ereignisse und die weitere Entwicklung werden aus der Sicht Fionas geschildert. Sie erlebt das ganze Drama um Mary und ihre unglückliche Liebe hautnah mit. Um ihre eigene Ehe mit Duncan steht es ebenfalls nicht zum Besten, denn sie bleibt auch nach Jahren noch kinderlos.
Bettina Pecha hat auch in ihrem neuen Roman wieder meisterhaft die wahre Geschichte mit den Schicksalen ihrer fiktiven Helden und Heldinnen verknüpft. Man wird mitgenommen, hinein in das Leben und Treiben am schottischen Königshof. Obwohl mir die historischen Tatsachen bekannt waren und ich bei vielen Szenen schon wusste, was auf die Königin und ihr Umfeld zukommt, war es doch faszinierend, denn aus Fionas Sicht wirken die Ereignisse zum Teil wieder neu und fesselnd. Dazu kommt das eigene Schicksal der jungen Hofdame, das ja von der Autorin erdacht wurde und für den Leser noch so einige Überraschungen parat hat. Diese gekonnte Melange aus bekannten Tatsachen und fiktiven Ereignissen ist flüssig und mitreißend geschrieben, und an so manchem bekannten Charakter kann man hier auch wieder neue Seiten entdecken. Bettina Pechas Sichtweise auf die schottische Historie fügt dieser wieder neue Aspekte und Facetten hinzu und lässt diese alte Zeit regelrecht aufleben. Für mich als Leserin war es ein Genuss, daran teilzuhaben.
Wer sich ein plastisches, noch klareres Bild von den damaligen Personen und ihrer Umgebung machen möchte, ist gut beraten, ein wenig auf der Website der Autorin Bettina Pecha zu stöbern, denn dort gibt es ergänzend reichlich Bildmaterial zu betrachten.

Mir wurde dieses eBook von Blogg deinBuch und dem Verlag Books2read zur Verfügung gestellt. Der Roman ist u.a. beim Verlag direkt bestellbar: Books2read - Eine Liebe im Schatten der Krone

Samstag, 7. Mai 2016

Wenn es Frühling wird - Janette Oke


Wenn es Frühling wird“ ist der zweite Teil von Janette Okes Kanada-Serie.
Nachdem sich im ersten Band „Wenn die Liebe siegt“ die Protagonisten kennen- und lieben gelernt haben, steht nun die Hochzeit bevor. Sie soll im Herbst stattfinden, und Elisabeth und ihre Schwägerin sind schon ganz aufgeregt mit den Vorbereitungen für das große Fest beschäftigt. Aber es kommt anders als gedacht, denn Wynn (er ist ein Mounty) soll schon in zwei Wochen eine neue Stelle, hoch im Norden Kanadas, antreten. Elisabeth will keinesfalls warten und Wynn alleine ziehen lassen. Kurz entschlossen verlegen sie die Hochzeit vor, um gleich anschließend die beschwerliche Reise in Wynns neues Dienstgebiet anzutreten.
Die Reise ist mühsam, und die Eingewöhnung in ihrer neuen Heimat fällt Elisabeth anfangs sehr schwer. Sie ist enttäuscht, keine weiße Frau in ihrem Umkreis zu finden, mit der sie sich vertraulich und freundschaftlich austauschen könnte. Aber Elisabeth gibt nicht auf; sie schließt Kontakte mit einigen Indianerinnen, und auch wenn die Kommunikation sehr schleppend verläuft und sich weitgehend auf Zeichensprache beschränkt, so stellt sich doch im Lauf der Zeit eine gewisse Nähe ein. Jeder nimmt Anteil am Schicksal der anderen.
Dass Wynn, bedingt durch seinen Dienst bei der Mounted Police, viel unterwegs ist, macht die Situation nicht einfacher, denn Elisabeth macht sich oft große Sorgen.
Je weiter der Winter voran schreitet, umso ärger wird die Not der indianischen Bevölkerung, und einige unvorhergesehene Tragödien verschärfen zusätzlich die Lage. Je länger die kalte Jahreszeit anhält, umso angespannter wird die Situation und umso sehnsüchtiger wünscht sich Elisabeth endlich den Frühling herbei.

Es ist schon sehr lange her, dass ich den ersten Band gelesen habe. „Wenn es Frühling wird“ lag zwar schon lange auf meinem SuB, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen, sodass ich nicht zum Lesen gekommen bin. Nun war es endlich soweit, und ich habe mich sehr gespannt an die Lektüre gemacht, war ich doch vom ersten Band sehr begeistert.
Nun muss ich sagen, dass mir das Buch zwar recht gut gefallen hat, dass es aber nicht an den Vorgänger herankam. Ich kann nicht sagen, woran das genau liegt, denn es könnte auch sein, dass sich mein Lesegeschmack etwas geändert hat, aber vom ersten Band her hatte ich Elisabeth anders in Erinnerung, sie erschien mir vernünftiger. Diesmal benimmt sie sich öfter wie ein kleines, verzogenes Kind, und Wynn hat seine liebe Mühe, sie von der Richtigkeit seiner Handlungen zu überzeugen. Er wird als sehr gutmütig und geduldig beschrieben, und wenn man die Situation der Beiden so beobachtet, ist seine Langmut auch vonnöten.
Sicher beruht einiges an ihrem Verhalten auf dem gängigen Lebensmuster der Frauen zur damaligen Zeit, denn die Geschichte spielt Anfangs des 20. Jahrhunderts. Aber für mich war Elisabeths Entwicklung manchmal nicht ganz nachzuvollziehen, denn sie wusste ja zumindest grob, was sie in der Wildnis erwartet, und ihr Benehmen zeugt zum Teil von großer Naivität.
Das Umfeld der Delaneys ist sehr glaubwürdig und realistisch dargestellt. Die indianische Bevölkerung wird lebendig beschrieben, und wenn Elisabeth mal wieder die Lehrerin herauskehrt, kommt es zu einigen amüsanten Begebenheiten. Allerdings muss man Elisabeth auch zugute halten, dass sie doch immer wieder einsichtig ist und ihre oft heftigen und ungerechten Reaktionen bereut. Der ganze Roman ist aus ihrer Sicht geschildert, und sie kann ab und zu sogar über sich selbst lachen. Mit der Zeit hat man auch den Eindruck, als würde sie sich an ihre neue Situation gewöhnen.
Janet Okes Romane sind alle in gewisser Weise christlich inspiriert. Auch hier ist das der Fall, wobei mir die Einbindung des religiösen Themas im ersten Band besser gefallen hat und natürlicher vorkam. Für meinen Geschmack betreibt Elisabeth in diesem Band etwas viel Bibelarbeit, dort in der Wildnis Kanadas. Zwar muss man dabei auch sehen, dass damals und gerade auch in abgelegenen Orten die Menschen allgemein religiöser waren, aber hier wurde für meinen Geschmack doch ein wenig mit der Missionierung übertrieben.

Trotzdem ist das Buch schön geschrieben und durchaus lesenswert. Ob es nun am Buch selbst oder an einer Veränderung meines Lesegeschmacks liegt, dass mir dieser Band nicht so gut gefallen hat wie der Vorgänger, möchte ich demnächst noch überprüfen, denn ich habe einen Re-Read von Band 1 geplant und hoffe, dass ich einigermaßen zeitnah dazu kommen werde. Es gibt ja noch zwei weitere Folgen, die ich auch schon hier liegen habe und die darauf warten, gelesen zu werden. Ideal wäre das natürlich gleich im Anschluss, denn dann hätte ich einen direkten Vergleich. 


Die Kanada-Serie ist nicht mehr im Buchhandel, sondern nur noch gebraucht erhältlich.

  • gelesen für die Jahreszeiten-Challenge zum Thema "Frühling",
  • gelesen für die #GoldenBacklist Challenge.

Sonntag, 1. Mai 2016

Gewinnspiel zum Welttag des Buches - die Gewinner

Zum Welttag des Buches gab es auf meinem Blog ein kleines Gewinnspiel, bei dem die folgenden beiden Bücher gewonnen werden konnten.


Ich bat die Teilnehmer, mir ihr bisheriges Jahres-Highlight zu verraten. Für die rege Teilnahme bedanke ich mich ganz herzlich, und ich werde mir die empfohlenen Bücher alle einmal näher ansehen. Es sind viele interessante Romane dabei, ein Buch wurde mir besonders häufig empfohlen, darum ist es auch umgehend auf meine Wunschliste gewandert, und vielleicht interessiert es euch auch: es ist "Black Rabbit Hall" von Eve Chase. Nachdem ich bisher so viel Gutes über diesen Roman gehört und gelesen habe, wird das Buch definitiv demnächst bei mir einziehen, daran komme ich nun einfach nicht mehr vorbei.
Wohl gemerkt, die Tipps zu euren Favoriten waren für mein persönliches Interesse, hatten aber keine direkte Auswirkung auf die Gewinnchancen.
Zehn Teilnehmer bekamen eine doppelte Gewinnchance, weil sie extra noch beim Blogbeitrag kommentiert hatten.
Nun möchte ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen und endlich die beiden Gewinner bekannt geben. Es sind:

Elke H. für "Die Rache der Heilerin" und
Susi T. für "Mac Tiger".

Herzlichen Glückwunsch den beiden Gewinnerinnen. Ich mache die beiden Bücher reisefertig und schicke sie morgen ab.

April 2016 - mein Monatsrückblick

Hallo ihr Lieben, es ist wieder Zeit für meinen Monatsrückblick auf den April 2016.




Ich habe 6 Bücher gelesen, das waren 2760 Seiten.
Flop gab es nicht, dafür kann ich zwei Highlights vermelden, die sich den Siegerkranz teilen müssen. Es sind völlig unterschiedliche Bücher, aber jedes konnte mich auf seine Art sehr fesseln.


Auch Neuzugänge habe ich zu vermelden.

Ein Rezensionsexemplar: Das Eisrosenkind von Christine Bernard


Gewonnen: Bei Lovelybooks, anlässlich des Welttags des Buches, ein signiertes Exemplar von Tom Finnek


Ertauscht und gekauft sowie ein Buch aus meiner Facebook-Überraschungsgruppe ("Laqua" rechts unten): 



Manch eine(r) wird es vermutlich gar nicht vermissen, andere werden sich fragen, ob ich denn im April gar keinen Tee getrunken habe. Doch, habe ich, aber nicht nur Tee. Nach langem Überlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, meine Tee-Beiträge umzusiedeln, denn ich denke, sie passen besser auf meinen Test-Blog "Mit Herz und Nieren". 
Nun habe ich mir gedacht, dort nicht nur monatlich einen "Aufgebraucht-Beitrag" für Kosmetik zu machen, sondern auch etwas in ähnlicher Form für das Thema "Food & Drink". Ich werde also künftig dort einen Monats-Beitrag posten, in dem ich Tees vorstelle, die ich bevorzugt getrunken (bzw. aufgebraucht) habe und meine Meinung dazu äußern. Aber ich möchte das nicht auf Tee beschränken, sondern auch andere Produkte zum Thema vorstellen, die ich entdeckt und ausprobiert habe. Es wird im Prinzip ähnlich laufen wie beim Thema "aufgebrauchte Kosmetik".
Nun hoffe ich, dass ihr mit dieser Änderung einverstanden seid. Ich freue mich auch auf Kommentare von euch, falls ihr euch andere Beiträge oder Änderungen wünscht.

Für heute wünsche ich euch einen wunderschönen Mai.