Montag, 3. Oktober 2016

Luther und der Pesttote - Birgit Jasmund


Wittenberg 1517:
Almuth Gronenberg ist erschüttert, als sie vom Tod ihres Verlobten Tamme Redecker erfährt. Der Student soll an der Pest gestorben sein. Almuth kann es einfach nicht glauben. Tief in ihrem Innern ist sie sicher, dass Tamme noch lebt, denn seine Leiche hat niemand wirklich gesehen. Aber ihre Nachforschungen bleiben erfolglos, und von Tammes Stiefvater erhält sie keine Hilfe, ganz im Gegenteil, denn Georg Herkner weist ihr die Tür!
Zur gleichen Zeit kämpft Dr. Martin Luther gegen den Ablasshandel, denn immer mehr Menschen kommen nicht mehr zur Beichte, sondern besorgen sich einen solchen Brief, der ihnen alle ihre Sünden erlässt, und das Geschäft des Ablasspredigers Johann Tetzel blüht. Luther verfasst 95 Thesen gegen den Ablass, und durch einen Zufall werden diese schneller veröffentlicht als geplant.
Im Roman kreuzen sich die Wege von Almuth und dem Professor für Bibelkunde, und wie sich zeigt, können sie sich gegenseitig bei ihren Problemen von Nutzen sein.

Wie es zur Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel kam, dazu gibt es heute unterschiedliche Theorien. Birgit Jasmund hat ihre glaubwürdige Version der Ereignisse hier sehr lebendig dargestellt und in einen spannenden Roman verwoben. Was Tammes Schicksal angeht, war ich anfangs skeptisch, aber wie die Autorin im Nachwort beschreibt, beruht es auf einer wahren Begebenheit, die sich in Wittenberg zugetragen hat. Solche realen Hintergründe machen für mich einen Roman viel lebendiger und greifbarer. Die Charaktere sind sehr plastisch dargestellt, und die ganze Geschichte macht auf mich den Eindruck, auf einer soliden und ausführlichen Recherche zu basieren. Man fühlt sich regelrecht in die alte Stadt Wittenberg versetzt, so detailliert werden die Schauplätze geschildert.
Die Spannung hält bis zuletzt an, und die Handlung hält den Leser durchgehend in Atem, denn es gibt keine Längen und keine unnötigen Ausführungen. Lediglich eine Sache hat sich mir logisch nicht erschlossen, und das war die Geschichte mit Herkners finanziellen Verpflichtungen. Die Geldnöte von Tammes Stiefvater spielen im Roman eine wichtige Rolle, allerdings wurde nicht recht klar, wer hier die Hintermänner sind. Herkners Gläubiger treten sehr fordernd auf und wirkten auf mich kriminell. Im weiteren Verlauf der Handlung scheint dies aber dann nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen und sich quasi in Luft aufzulösen. Auch kommt hier der Name eines bekannten damaligen Malers ins Spiel, der jedoch nur kurz in Erscheinung tritt und dann plötzlich nicht mehr zur Erwähnung kommt. Dieser Teil der Handlung wirkte auf mich etwas undurchsichtig, und ich musste schon ein Auge zudrücken, um die angebotene Lösung, die mir etwas fadenscheinig vorkam, zu akzeptieren. Hier gab es zwar ein paar Zweifel meinerseits, was aber generell den Unterhaltungswert des Romans in keiner Weise schmälert.




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