Dienstag, 30. August 2016

Straße der Schatten - Jennifer Donnelly


New York 1890: Josephine Montfort wächst in wohlhabenden und sehr behüteten Verhältnissen auf. Aber statt dem Wunsch ihrer Familie nachzukommen und ihren Jugendfreund Bram zu heiraten, wie es für eine junge Frau in ihrer Gesellschaftsschicht üblich ist, träumt Jo davon, Journalistin zu werden. Ihre heile Welt bricht zusammen, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt. Ein Unfall war es, durch seine eigene Waffe ist er ums Leben gekommen, so wird es zumindest der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Aber Josephine glaubt an einen Unglücksfall genauso wenig wie an Selbstmord, was es eigentlich gewesen sein soll, wie sie aus internen Berichten erfährt. Eine zufällige Begegnung mit dem attraktiven Reporter Eddie Gallagher zeigt ihr, dass sie mit ihren Zweifeln nicht alleine ist.
Gemeinsam mit Eddie möchte sie herausfinden, was wirklich geschah, wieso ihr Vater tot ist und wie er ums Leben kam. Bei ihren Nachforschungen begibt sich die junge Frau auf gefährliches Terrain, denn sie besucht Gegenden der Stadt, wo eine junge Dame ihres Stands normalerweise keinen Fuß hinsetzen sollte.

Mit ihrer Rosen-Trilogie hat Jennifer Donnelly ihre eigene Messlatte sehr hoch gesteckt, und ich war gespannt, ob die Autorin die herausragende Qualität, die man von ihr kennt und erwartet, auch bei diesem neuen Roman halten konnte.
Zwar spielt diese Geschichte in New York, aber es ist ungefähr die gleiche Zeit, und die Verhältnisse und Gesellschaftsschichten sind ähnlich wie in London, wo ja „Die Teerose“ spielt.
Jennifer Donnelly zeigt auch diesmal wieder die gesellschaftlichen Unterschiede. Einerseits kann man den Prunk und das feine Leben der begüterten Familien erleben, aber man sieht auch die Kehrseite, erhält Einblick in die Situation in den Elendsvierteln der Stadt, wo Kriminalität an der Tagesordnung ist. Der Roman spielt in einer Zeit, wo es noch nicht alltäglich war, dass Frauen aus gutem Haus einen Beruf ausgeübt haben. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird hier sehr deutlich aufgezeigt. Reiche Mädchen machten eine gute Partie, gründeten eine Familie und waren zum Repräsentieren und zum Kinder kriegen da, während die Ärmsten der Armen bis zur völligen Erschöpfung schuften mussten, um am Leben zu bleiben. Jo lernt beide Seiten kennen, wenn sie auch ihre Ausflüge in die New Yorker Unterwelt geheim halten muss, um ihre Familie nicht völlig vor den Kopf zu stoßen. Trotz ihrer anfänglichen Naivität, die ihrem bisher so behüteten Leben geschuldet ist, lässt sich Jo nicht unterkriegen und beißt sich auch bei heiklen Situationen durch, denn sie ist ein starker Charakter. Sie verfolgt hartnäckig ihr Ziel und schließt außergewöhnliche Freundschaften.
Im Charakterisieren und Beschreiben ist Jennifer Donnelly eine Meisterin. Es ist ihr auch diesmal gelungen, mich zu fesseln und mit dieser Geschichte zu faszinieren. Der Roman hat eine tolle, vielschichtige Atmosphäre und wirkt sehr authentisch. Der lockere Schreibstil, der größtenteils ernst ist, aber dazwischen auch immer mit einem Quäntchen Humor an den richtigen Stellen aufwarten kann, lädt dazu ein, immer weiter zu lesen. Man möchte sich gar nicht mehr von Jo und ihrer Geschichte lösen. Neben der jungen Heldin hat der Roman viele weitere, sehr interessante Personen zu bieten, die alle plastisch und detailreich beschrieben sind. Bis zuletzt hält sich die Spannung und baut sich ständig weiter auf, um in einem Finale zu enden, wie ich es nicht erwartet hätte.

Mich konnte auch dieser „Donnelly“ wieder restlos begeistern.




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