Freitag, 15. Juli 2016

Septembermeer - Gabriela Jaskulla


David und Svea wollen sich ihren Traum von einer eigenen Buchhandlung erfüllen. Zu diesem Zweck ziehen sie auf eine kleine Insel in der Ostsee. Schon ihre Ankunft wird spektakulär, denn sie geraten in einen Sturm und erleiden Schiffbruch. Erst nach und nach knüpfen sie Kontakte zu den Inselbewohnern, die den Neuen anfangs skeptisch gegenüber stehen. Zuerst gibt es einige Verwirrungen auf beiden Seiten, sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Neuankömmlingen. Man muss sich erst langsam zusammenraufen. Schon bald werden jedoch Freundschaften geschlossen, aber dann geschieht etwas, das die Menschen auf der Insel völlig aus der Bahn wirft, sowohl die Einheimischen als auch die Zugezogenen.

Liest man den Klappentext, hat man den Eindruck, dass sich dieser Roman hauptsächlich um Svea und David dreht. Diese eröffnen zwar das „Inselreigen“, aber die weiteren Kapitel handeln weitgehend auch von den anderen Menschen auf der Insel.
Es ist ein langsames Herantasten des jungen Paares, ein Einfühlen in diesen völlig neuen, anderen Lebensbereich. In den folgenden Kapiteln erfährt man von Begegnungen mit den Inselbewohnern. Da gibt es die alte Fotografin Elsbeth, die sich mit David anfreundet. Man lernt den Tierarzt Hanno und seine Frau Julia sowie die gemeinsamen halbwüchsigen Kinder Mats und Pimpy kennen.
Da gibt es die etwas andere Kneipe, wo man der Wirtin Eleonor und den zwölf Fischern begegnet. Julias Freundin Jeanette kümmert sich um Kunst und Kultur im ehemaligen Haus eines Dichters, der vor hundert Jahren auf der Insel lebte. Im kleinen Supermarkt trifft man auf die Verkäuferin Sine, und dann gibt es da auch noch den geheimnisvollen, ein wenig unheimlichen „Vogelmann“.
Von diesen und noch weiteren Inselbewohnern erfährt man Näheres im Verlauf der Geschichte.

Im Grunde genommen ist es ein Roman über die ganze Insel mit ihren Bewohnern. Hier scheint alles langsamer zu laufen. Das Leben ist geprägt von Gelassenheit und Gleichmut. Was man hier erfährt, ist für die Protagonisten ihr ganz normales Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.
Das Meer und die Insel haben die Menschen, die hier leben, geprägt, was sich in ihrer Wesensart niederschlägt. Wie die Ostsee, so kommt das Schicksal mal friedlich, mal stürmisch daher. Jeder der vorgestellten Inselbewohner nimmt den Leser mit in seine eigene Welt, sowohl in die reale als auch in die Welt seiner Gedanken und seiner gelebten, aber auch der ungelebten Träume.

Die Autorin hat die Fähigkeit, mit Worten zu malen. Ihre üppigen, poetischen Beschreibungen ließen beim Lesen brillante, schillernde Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Auch Gedanken, Stimmungen und Gefühle sind sehr intensiv dargestellt und fast visuell wahrnehmbar. Es ist, als würde man das Leben und die Menschen auf der Insel durch ein Vergrößerungsglas betrachten. Man staunt über die Nähe, die man schon nach wenigen Sätzen zu den verschiedenen Charakteren gewinnt.
Wir erfahren das Schöne, das Faszinierende aber auch das Dramatische im Alltäglichen. Hinter so mancher Idylle versteckt sich eine menschliche Tragödie, wie es sich nach und nach offenbart. Es sind Momentaufnahmen des Insellebens, normal und doch so völlig anders, manchmal melancholisch und auch ab und zu ein wenig skurril.

Ich habe die schönen Formulierungen genossen, die Art, wie die Autorin Stimmungen einfängt, wie sie mit facettenreichen Beschreibungen die Insel zum Leben erweckt.
Ich habe mit den Protagonisten gefühlt, mich mit ihnen gefreut und mit ihnen gebangt.
Wie ich erfahren habe, hat die Autorin bereits einen Roman über die kleine Insel in der Ostsee geschrieben, und es steht für mich außer Frage, dass ich auch „Ostseeliebe“ lesen möchte, wo die Vorgeschichte von Hanno und Julia erzählt wird.

Gabriela Jaskulla ist eine Neuentdeckung für mein Bücherregal und für mein Leserherz, und beides hat sie im Sturm erobert.  




1 Kommentar:

  1. Hallo!
    Das hört sich nach einer sehr schönen Geschichte an! Kommt gleich auf meinen Wunschzettel!
    LG Martina

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