Samstag, 18. Juni 2016

Das Eisrosenkind - Michael E. Vieten


Eigentlich hat Kommissarin Christine Bernard frei und genießt gerade eine Aufführung des Sinfonie-Orchesters aus dem Saarland in der Europahalle Trier, als sie direkt aus dem Konzertsaal geholt und zu einem Fall gerufen wird. Die achtjährige Rosalia Lemke wird vermisst, und Christine muss die verzweifelte, allein erziehende Mutter befragen.
Am nächsten Morgen wird am Moselufer die gefrorene Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Der Gedanke liegt nahe, dass es sich um die vermisste Rosalia handelt. Auf Kommissarin Bernard und ihre Kollegen wartet ein schwieriger Fall, der mit aufwändigen Ermittlungen einher geht und dabei fast aussichtslos scheint, denn die Beweislage ist dünn.

Dies ist schon der zweite Fall für Kommissarin Christine Bernard, denn bereits vor einem Jahr wurde Michael E. Vietens erster Band mit dem Titel „Der Fall Siebenschön“ veröffentlicht. Für mich war es ein erstes Kennenlernen der Romane dieses Autors.
Michael E. Vieten beschreibt alle Charaktere sehr plastisch und ausführlich, so dass man sich schnell ein gutes Bild machen kann. Die Hauptperson, Christine Bernard, war mir von Anfang an sehr sympathisch, denn sie vereint in sich die ideale Mischung aus Scharfsinn, Hartnäckigkeit, wenn sie eine Spur verfolgt und Sensibilität. Die junge Kommissarin muss einiges aushalten. Der Krimi gibt gute Einblicke in die Polizeiarbeit und die kriminalistischen Ermittlungen, und die Schilderungen erscheinen dabei alle sehr realistisch. Die Handlung wirkte auf mich glaubwürdig, nicht reißerisch, obwohl manche Ereignisse und Situationen durchaus etwas Bizarres haben. Aber derartige Erfahrungen gehören wohl auch wirklich zum realen Alltag der Kriminalpolizei.
Für das, was sie hier erlebt und zu sehen bekommt, braucht Kommissarin Bernard starke Nerven. Die hat sie auch, und doch ist sie nicht abgebrüht, sondern fühlt sehr stark mit den Opfern und ihren Hinterbliebenen mit und schämt sich auch ihrer Tränen nicht. Gerade dieses Menschliche in so einem harten Beruf macht die junge Frau so liebenswert.
Auch wenn Christine Bernard sehr schnell einen Verdacht hat und sich mit einer gewissen Sturheit in die Ermittlungen verbeißt, war für mich nicht absehbar, wie die Geschichte endet. Zwar gab es auch Momente, wo ich die Kommissarin gerne mal aufgerüttelt hätte, weil sie sich, für den Leser offensichtlich, in eine Sache verrannt hatte und nicht sah, nicht sehen WOLLTE, dass dies unweigerlich in eine Sackgasse führt.

Faszinierend fand ich auch das im Buch erwähnte Schicksal der kleinen Rosalia Lombardo aus dem Jahr 1920, von dem die Kommissarin erfährt. Den Namen „Rosalia“ für das vermisste Mädchen hat der Autor sicher nicht zufällig, sondern ganz bewusst und in Anlehnung an diese Geschichte gewählt. Mir ging dieser Krimi ganz besonders unter die Haut, nicht zuletzt, weil es hier um Kinder geht. Da mich dieses Buch von Michael E. Vieten absolut mitgerissen und überzeugt hat, werde ich mir auf jeden Fall auch den ersten Band besorgen.



1 Kommentar:

  1. Eines meiner nächsten Bücher....irgendwie habe ich im Moment viele Krimis und Thriller hier....da muss ich immer abwechslen mit der Lektüre ;)
    Liebe Grüße
    Martina

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