Samstag, 7. Mai 2016

Wenn es Frühling wird - Janette Oke


Wenn es Frühling wird“ ist der zweite Teil von Janette Okes Kanada-Serie.
Nachdem sich im ersten Band „Wenn die Liebe siegt“ die Protagonisten kennen- und lieben gelernt haben, steht nun die Hochzeit bevor. Sie soll im Herbst stattfinden, und Elisabeth und ihre Schwägerin sind schon ganz aufgeregt mit den Vorbereitungen für das große Fest beschäftigt. Aber es kommt anders als gedacht, denn Wynn (er ist ein Mounty) soll schon in zwei Wochen eine neue Stelle, hoch im Norden Kanadas, antreten. Elisabeth will keinesfalls warten und Wynn alleine ziehen lassen. Kurz entschlossen verlegen sie die Hochzeit vor, um gleich anschließend die beschwerliche Reise in Wynns neues Dienstgebiet anzutreten.
Die Reise ist mühsam, und die Eingewöhnung in ihrer neuen Heimat fällt Elisabeth anfangs sehr schwer. Sie ist enttäuscht, keine weiße Frau in ihrem Umkreis zu finden, mit der sie sich vertraulich und freundschaftlich austauschen könnte. Aber Elisabeth gibt nicht auf; sie schließt Kontakte mit einigen Indianerinnen, und auch wenn die Kommunikation sehr schleppend verläuft und sich weitgehend auf Zeichensprache beschränkt, so stellt sich doch im Lauf der Zeit eine gewisse Nähe ein. Jeder nimmt Anteil am Schicksal der anderen.
Dass Wynn, bedingt durch seinen Dienst bei der Mounted Police, viel unterwegs ist, macht die Situation nicht einfacher, denn Elisabeth macht sich oft große Sorgen.
Je weiter der Winter voran schreitet, umso ärger wird die Not der indianischen Bevölkerung, und einige unvorhergesehene Tragödien verschärfen zusätzlich die Lage. Je länger die kalte Jahreszeit anhält, umso angespannter wird die Situation und umso sehnsüchtiger wünscht sich Elisabeth endlich den Frühling herbei.

Es ist schon sehr lange her, dass ich den ersten Band gelesen habe. „Wenn es Frühling wird“ lag zwar schon lange auf meinem SuB, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen, sodass ich nicht zum Lesen gekommen bin. Nun war es endlich soweit, und ich habe mich sehr gespannt an die Lektüre gemacht, war ich doch vom ersten Band sehr begeistert.
Nun muss ich sagen, dass mir das Buch zwar recht gut gefallen hat, dass es aber nicht an den Vorgänger herankam. Ich kann nicht sagen, woran das genau liegt, denn es könnte auch sein, dass sich mein Lesegeschmack etwas geändert hat, aber vom ersten Band her hatte ich Elisabeth anders in Erinnerung, sie erschien mir vernünftiger. Diesmal benimmt sie sich öfter wie ein kleines, verzogenes Kind, und Wynn hat seine liebe Mühe, sie von der Richtigkeit seiner Handlungen zu überzeugen. Er wird als sehr gutmütig und geduldig beschrieben, und wenn man die Situation der Beiden so beobachtet, ist seine Langmut auch vonnöten.
Sicher beruht einiges an ihrem Verhalten auf dem gängigen Lebensmuster der Frauen zur damaligen Zeit, denn die Geschichte spielt Anfangs des 20. Jahrhunderts. Aber für mich war Elisabeths Entwicklung manchmal nicht ganz nachzuvollziehen, denn sie wusste ja zumindest grob, was sie in der Wildnis erwartet, und ihr Benehmen zeugt zum Teil von großer Naivität.
Das Umfeld der Delaneys ist sehr glaubwürdig und realistisch dargestellt. Die indianische Bevölkerung wird lebendig beschrieben, und wenn Elisabeth mal wieder die Lehrerin herauskehrt, kommt es zu einigen amüsanten Begebenheiten. Allerdings muss man Elisabeth auch zugute halten, dass sie doch immer wieder einsichtig ist und ihre oft heftigen und ungerechten Reaktionen bereut. Der ganze Roman ist aus ihrer Sicht geschildert, und sie kann ab und zu sogar über sich selbst lachen. Mit der Zeit hat man auch den Eindruck, als würde sie sich an ihre neue Situation gewöhnen.
Janet Okes Romane sind alle in gewisser Weise christlich inspiriert. Auch hier ist das der Fall, wobei mir die Einbindung des religiösen Themas im ersten Band besser gefallen hat und natürlicher vorkam. Für meinen Geschmack betreibt Elisabeth in diesem Band etwas viel Bibelarbeit, dort in der Wildnis Kanadas. Zwar muss man dabei auch sehen, dass damals und gerade auch in abgelegenen Orten die Menschen allgemein religiöser waren, aber hier wurde für meinen Geschmack doch ein wenig mit der Missionierung übertrieben.

Trotzdem ist das Buch schön geschrieben und durchaus lesenswert. Ob es nun am Buch selbst oder an einer Veränderung meines Lesegeschmacks liegt, dass mir dieser Band nicht so gut gefallen hat wie der Vorgänger, möchte ich demnächst noch überprüfen, denn ich habe einen Re-Read von Band 1 geplant und hoffe, dass ich einigermaßen zeitnah dazu kommen werde. Es gibt ja noch zwei weitere Folgen, die ich auch schon hier liegen habe und die darauf warten, gelesen zu werden. Ideal wäre das natürlich gleich im Anschluss, denn dann hätte ich einen direkten Vergleich. 


Die Kanada-Serie ist nicht mehr im Buchhandel, sondern nur noch gebraucht erhältlich.

  • gelesen für die Jahreszeiten-Challenge zum Thema "Frühling",
  • gelesen für die #GoldenBacklist Challenge.

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