Sonntag, 24. Januar 2016

Blut und Seide - Marita Spang



Deutsches Reich zur Mitte des 13. Jahrhunderts:
Schon als kleines Kind verliert Simon von Monfort seine Eltern bei einem brutalen Überfall. Wie durch ein Wunder überlebt er, und Johann von Sponheim, der beste Freund seines Vaters, nimmt ihn als Ziehsohn auf. Von klein auf ist Simon den Schikanen von Johanns jüngeren Bruder Heinrich ausgesetzt, der keine Gelegenheit auslässt, den Kleinen zu drangsalieren.
Jahre später verliebt sich Simon ausgerechnet in Christina von Katzenelnbogen, denn diese ist Heinrich schon seit ihrer Kindheit versprochen. Obwohl Christina sich ebenfalls zu Simon hingezogen fühlt und sich vor einer Ehe mit dem gewalttätigen, unsympathischen Heinrich fürchtet, ist ihr Vater, Eberhard von Katzenelnbogen, nicht gewillt, von dem damals geschlossenen Verlöbnis zurückzutreten. Der frustrierte Simon sucht sein Heil im Kampf und dient sich dazu unterschiedlichen Herren an. Dabei gerät er immer wieder zwischen die Fronten der Herrschenden. Es war eine unruhige Zeit der Kriege und Fehden, und man erlebt, durch Simons Augen, die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Rudolf I. von Habsburg und dem böhmischen König Ottokar mit. Als Ritter von Ehre ist sich Simon nicht sicher, welcher Seite er dienen soll, denn beide Könige stellen sich als unberechenbar und korrupt heraus und handeln nicht immer politisch korrekt, sondern sind in erster Linie auf ihre eigenen Interessen bedacht. Auch die Suche nach dem Mörder seiner Eltern bringt den jungen Ritter in so manche bedrohliche Situation, wäre da nicht sein treuer Knecht und zugleich bester Freund Michel, der ihn in seinem Kummer tröstet und berät und so manches Eisen für Simon aus dem Feuer holt.
Und immer wieder kommt es zu schicksalhaften Begegnungen mit dem verhassten Heinrich.

Grundstock für Marita Spangs zweiten historischen Roman bilden die geschichtlich Gegebenheiten rund um Kreuznach im 13. Jahrhundert, welche ihren legendären Höhepunkt, im Jahr 1279, in der Schlacht bei Sprendlingen finden. Dabei fließen sehr viele reale Geschehnisse in die Handlung ein, und man begegnet auch zahlreichen historischen Persönlichkeiten von damals.
In Gegensatz zu den fiktiven Charakteren Christina und Simon hat es den Metzgersohn Michel wirklich gegeben, und er ist eigentlich die heimliche Hauptperson der Geschichte. Was es mit ihm auf sich hat und wie sich sein Schicksal erfüllt, erfährt man im letzten Teil des Buches.
Egal ob fiktiv oder real, die Charaktere dieses großartigen Romans sind allesamt sehr ausdrucksstark und vielschichtig gezeichnet. Auch die sympathischen Figuren, wie beispielsweise Christina oder Simon, sind nicht tadellos oder unfehlbar, sondern haben ihre Schwächen und treffen so manche falsche Entscheidung, aber genau darum wirken sie so realistisch, eben einfach menschlich. Man kann ihre Gedankengänge und Beweggründe manchmal nur schwer nachvollziehen, da sie sich oft grundlegend von unserer eigenen heutigen Einstellung unterscheiden. Immer wieder stellt man fest, wie wenig eine Frau damals galt und in der Gesellschaft zu sagen hatte, das wird gerade an Christinas Beispiel in erschütternder Weise deutlich.
Die Autorin schenkt ihren Protagonisten nichts; sie verlangt ihren Helden viel ab, und mit ihrer lebhaften, authentischen Erzählweise und der auf die Zeit angepassten Sprache schafft sie eine reale, bildhafte Atmosphäre.

Der Roman hat Suchtcharakter, und ich war so gefesselt, dass ich ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Hand genommen und die über 800 Seiten innerhalb weniger Tage fertig gelesen habe. Der realistische Blick auf ein Kapitel deutscher, mittelalterlicher Geschichte, ist einfach großartig, und die hier geschilderten Ereignisse und Schicksale werden mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.




Kommentare:

  1. Liebe Susanne!
    Schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat wie mir! Einfach ein richtiger Pageturner und wahnsinnig gut geschrieben! =)
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Ja, das ist wahr liebe Martina, man fliegt nur so durch die Seiten.
      LG
      Susanne

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