Dienstag, 15. Dezember 2015

Unter dem Polarlicht - Elisabeth Büchle


Nachdem Chiara kurz vor Weihnachten ihren Arbeitsplatz in der Bank verloren hat, ist sie sehr erleichtert, als ihr aus heiterem Himmel ein Job angeboten wird. Sie soll für einen Bestseller-Autor, der sich die Handgelenke gebrochen hat, das Manuskript seines aktuellen Romans tippen. Was sie erst erfährt, als sie dem Zeitvertrag bereits zugestimmt hat: der Autor lebt nicht in der Schweiz, wie sie vermutete, sondern in einer einsamen Hütte in den kanadischen Rocky Mountains. Aber Chiara lässt sich so schnell nicht entmutigen und ergreift die Gelegenheit beim Schopf. Kurz entschlossen nimmt sie die weite Reise auf sich und landet bei einem mundfaulen Einzelgänger. Florian Forster ist ebenso wenig erfreut wie Chiara, dass seine Einsamkeit plötzlich durch eine Frau gestört wird.
Während der gemeinsamen Arbeit am Manuskript arrangieren sich der Autor und seine Schreibkraft mit der Zeit, und Florian merkt sehr bald, dass die eigenwillige Chiara sich nicht so leicht einschüchtern lässt, sondern ihm durchaus paroli bietet, wenn ihr etwas an dem wortkargen Mann nicht gefällt.
Je länger Chiara in dieser einsamen, verzauberten Bergwelt mit Forster lebt, umso wohler fühlt sie sich, und auch menschlich kommt sie dem Autor näher, hat sie Shakespeare, Forsters eigensinnigen Neufundländer, doch schon vom ersten Tag an für sich eingenommen.
Als Chiaras Freunde von Deutschland aus Erkundigungen über den Autor einholen, stoßen sie auf einen dunklen Punkt in dessen Vergangenheit, und sie fürchten um Chiaras Sicherheit.

Elisabeth Büchles neuester Roman unterscheidet sich in einigen Punkten von ihren bisherigen Werken. Waren diese immer dickere Wälzer, so kann man diesen Roman, mit seinen zweihundert Seiten, durchaus als ein „Büchle“ im wahrsten Sinn des Wortes bezeichnen. Außerdem ist dies der erste zeitgenössische Roman der Autorin.
Mit „Unter dem Polarlicht“ beweist die Autorin einmal mehr ihr Können, denn auch die Handlung in der Gegenwart ist absolut mitreißend und berührend. Zudem zeigt dieser Roman, dass man durchaus auch mit einem relativ überschaubaren Plot die Leserschaft begeistern kann. Den größten Teil der Handlung bestreiten nur die beiden Protagonisten Chiara und Florian, mit dem Hund Shakespeare in einer bezaubernden Nebenrolle. Zwar tauchen dazwischen noch einige Charaktere auf, aber im Grunde genommen geht es ja um die beiden Menschen, die sich in der Einsamkeit der kanadischen Berge zusammenraufen müssen. Auf so engem Raum, umgeben von der Stille frisch gefallenen Schnees in der Landschaft, bleibt nichts oberflächlich oder gleichgültig. Die beiden Hauptpersonen stehen vor dem Leser quasi wie auf einer Bühne und lassen sich bis auf den Grund ihrer Seele schauen. Da wird so manches offenbart, was schon lange in den Protagonisten schlummerte, sei es Verbitterung, Enttäuschung oder Resignation. Sowohl Chiara als auch Florian haben in der Vergangenheit Verletzungen erfahren, die erst heilen müssen, und wie sagt man so schön, um gut zu heilen, muss eine Wunde zuerst gesäubert werden. Dies trifft hier auch im übertragenen Sinn zu.
In diesem Roman kommen tiefe Gefühle zum Ausdruck, und Chiara und Florian müssen lernen, alte Schuld loszulassen und zu vergeben, um ihren eigenen Frieden zu finden.
Unter dem Polarlicht erkennen die Protagonisten ihren persönlichen Weg aus all ihrer Gewissens- und Seelennot. Aber auch wenn es um ernste Themen geht, so ergeben sich im Verlauf der Handlung zwischendurch viele heitere, humorvolle Momente, die das Herz wärmen. So ganz nebenbei erfährt man auch einiges über die tiefere Bedeutung der Candy Canes, denn die süßen Zuckerstangen spielen ebenfalls eine wichtige, symbolische Rolle.
Wie bei allen Romanen der Autorin spielt auch hier der christliche Glaube eine wichtige Rolle, dabei wird dieses Thema stets sehr behutsam und dezent umgesetzt. Die Handlung wird getragen von den sympathischen Protagonisten und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen. Man taucht ein in diese Geschichte, wie in den watteweichen Schnee der Bergwelt, und man begleitet die Protagonisten und möchte sie am liebsten gar nicht mehr aus den Augen lassen, bis sie ihr ganz persönliches Weihnachtswunder erfahren.

Dieses schöne Buch ist nicht nur für einen selbst eine Bereicherung, sondern es eignet sich auch sehr gut als kleines Weihnachtsgeschenk für einen lieben Menschen, mal so als Tipp für alle, die noch kurzfristig vor dem Fest ein schönes, herzliches und persönliches Präsent suchen.




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