Sonntag, 13. September 2015

Schwiegermutter all'Arrabbiata - Brigitte Jacobi



Henrike ist Marzipanbäckerin aus Leidenschaft und betreibt ihre eigene kleine Manufaktur in der Lübecker Altstadt. Leider steht es mit ihrem Geschäft nicht zum Besten, denn es mangelt an Aufträgen, auch soll die Miete fast auf den doppelten Betrag erhöht werden, und Henrike hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Zu allem Überfluss erreicht sie eine SMS von ihrem Freund Dario, der ohne sie in seine Heimat nach Kalabrien gefahren ist. Nun schreibt er ihr, er sei entführt worden. Voller Sorge entschließt sich Henrike, ihn zu suchen. Mit ihrem Vater im Schlepptau macht sie sich auf die weite Reise nach Süditalien, um ihren Dario zu retten.
Am Ziel ihrer Reise geraten Vater und Tochter mitten in einen lautstarken Familienzwist.
Darios Mutter, die energische Mamma Lucia, verfolgt ihre Interessen temperamentvoll, lautstark und mit Tatkraft. Muss sie sich doch gegen ihre Rivalin Donatella zur Wehr setzen und versuchen, das Herz ihres geliebten Ehemanns Gennaro Serravalle zurückzugewinnen, der sie verlassen hat.
Darios älterer Bruder Massimo verfolgt eigene Interessen und wird von großen Stimmungsschwankungen heimgesucht.
Großmutter Amelia und Tante Benedetta nehmen sich Henrikes Vater, des überkorrekten Lübecker Professors, an, um ihn von seiner chronischen Bronchitis zu kurieren. Aber alle sind sich einig: Henrike ist hier nicht willkommen. Und Dario bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

Wieder einmal nimmt die Autorin ihre Leser mit auf eine vergnügliche Reise nach Süditalien. Wie man es von ihren Romanen gewohnt ist, wird es auch diesmal wieder ziemlich turbulent, wenn steife Hanseaten auf temperamentvolle Süditaliener treffen. Die Sache um Dario gestaltet sich recht geheimnisvoll, und Henrike erhält keine Antworten auf ihre Fragen. Darios Familie gibt sich ihr gegenüber verschlossen. Auf ihren Vater kann sie nicht bauen, denn der wird von Darios Tante und Großmutter mit Beschlag belegt, und so macht sich Henrike allein auf die Suche nach ihrem geliebten Dario. Dabei sorgt sie für einige Verwirrung.
Darios Verschwinden gibt nicht nur Henrike, sondern auch dem Leser allerhand Rätsel auf, wobei das Ende für mich kaum vorhersehbar war, sondern einige Überraschungen barg. Mit italienischem Ambiente, viel Humor und einer guten Portion Spannung habe ich mich wieder einmal prima unterhalten gefühlt. Die einzelnen Personen sind lebhaft charakterisiert, und man kann sich besonders Henrikes Vater, den steifen norddeutschen Professor mit seinem übersteigerten Hygienefimmel, richtig bildlich vorstellen. Aber nicht nur ihr Vater, sondern auch Henrike selbst hat einen Tick. Immer wenn sie aufgeregt ist, fängt sie an zu hüpfen. Hier muss ich sagen, dass ich mir das beim besten Willen nicht recht vorstellen konnte, denn sie ist eine erwachsene Frau, die eigentlich weiß, was sie will. Die hüpfende Henrike hat immer ein etwas seltsames Kopfkino bei mir ausgelöst.


Insgesamt jedoch ist die Geschichte wieder bestens gelungen, und der lockere Schreibstil macht den Roman zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, das einem so manches Schmunzeln entlockt.


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