Dienstag, 28. Juli 2015

Der dunkle Weg - Susanne Goga


Als die Malerin Ida Martens im Februar 1912 von Hamburg aus aufbricht, um ihre Freundin Grace in Irland zu besuchen, ahnt die junge Frau noch nicht, dass diese Reise ihr künftiges Leben entscheiden und völlig verändern wird. In Dublin wird sie herzlich empfangen und ist gleich fasziniert von der schönen Stadt und ihren Menschen. Hier gibt es viele künstlerische Anreize, und schnell hat Ida eine Arbeit gefunden, in der sie aufgeht. Als sie den Arzt Cian kennenlernt, startet sie mit ihm zusammen ein Hilfsprojekt. Ida malt Bilder von Iren, die in elenden Verhältnissen leben. Mit Hilfe des so entstehenden Bildbands sollen Spenden gesammelt werden, um damit die größte Not zu lindern. Im Lauf der Zeit verliebt sich Ida in den anfangs so unnahbar und mürrisch wirkenden Arzt. Schon bald wird ihr bewusst, dass sie nicht mehr zurück nach Deutschland möchte, denn hier, in Irland, hat sie ihr Glück und ihre Bestimmung gefunden.
Viele ihrer neuen Freunde engagieren sich für die irische Freiheitsbewegung, und Ida kann ihre Motive sehr gut verstehen. Mehr und mehr werden ihr die Mentalität ihrer Wahlheimat und die Denkweise der Iren vertraut.
Diverse historische Ereignisse deuten auf Krieg hin (es ist der Vorabend des ersten Weltkriegs), und unvermittelt lebt Ida im „Feindesland“. Wo ihr bisher die Menschen mit Offenheit begegneten, wird sie, die Deutsche, nun mit Misstrauen und oft sogar mit Abneigung behandelt. Dabei ist sie in ihrem Herzen mittlerweile selbst eine Irin. Sie muss für ihre Liebe zu Cian und für ihre Ideale kämpfen.

Die Handlung dieses historischen Romans von Susanne Goga umfasst einen Zeitraum von knapp fünf Jahren. Sie beginnt im Februar 1912 und endet im Dezember 1916, ungefähr ein halbes Jahr nach dem Osteraufstand. Zwar sind Ida und Cian fiktive Charaktere, aber ein großer Teil der Personen in ihrem Freundeskreis ist authentisch, auch die gesamte Familie von Idas Freundin Grace, und die meisten der geschilderten Ereignisse haben real stattgefunden. Gerade das macht die Geschichte so beeindruckend, weil man weiß, dass vieles davon wirklich geschehen ist. Im Nachwort nennt die Autorin alle die Personen, die es wahrhaftig gegeben hat.

Die Handlung beginnt eher ruhig. Zuerst begleitet man Ida bei ihren Streifzügen durch die Stadt, wo sie viel Schönes aber auch jede Menge Elend entdeckt. Die liebenswerte Malerin hat die Gabe, den Menschen in die Seele zu schauen, und ihre Bilder sind sehr emotional und aufrüttelnd. Die Beziehung zwischen Ida und Cian entwickelt sich erst zögerlich, denn beide haben gewisse Vorbehalte dem jeweils Anderen gegenüber.
Man kann Idas innere Zerrissenheit nur allzu gut nachvollziehen, hat sie doch in Irland ihre Liebe gefunden, aber ihre Wurzeln sind in Deutschland.

Susanne Goga beschreibt ihre Protagonisten sehr glaubhaft und gründlich. Man meint fast, die Menschen in der Geschichte persönlich kennenzulernen. Es gibt viele beeindruckende, dramatische Szenen im Roman, die mich stark berührt haben, aber darüber hinaus vergisst die Autorin auch nicht, die zahlreichen Schönheiten und faszinierenden Schauplätze Irlands zu nennen und durch ihre Worte lebendig werden zu lassen. Nicht nur Idas und Cians Geschichte, sondern auch besonders das Schicksal der Rebellen hat mich emotional sehr berührt, und die bewegenden Ereignisse werden noch lange in meinem Gedächtnis nachhallen.
Viele historische Informationen, Hinweise zu weiterführender Literatur und auch einige Fotos der wichtigen Schauplätze runden den Roman in vollendeter Weise ab.  




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