Freitag, 19. Juni 2015

Fahr zur Hölle, Schatz! - Brigitte Kanitz



Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein, diese bittere Erfahrung muss die Ich-Erzählerin Svea machen. Ihr Freund hat sie gerade erst wegen einer anderen Frau verlassen, und nun gab es auch noch eine Überschwemmung in ihrer Wohnung, verschuldet von ihrem zerstreuten Nachbarn. Es bleibt ihr keine andere Wahl, sie muss wieder in den Schoß ihrer liebenswert-chaotischen Familie zurückkehren, denn ihre eigenen vier Wände sind bis auf weiteres unbewohnbar.
Auch zuhause, bei ihren Eltern, geht es ziemlich turbulent zu, denn ihr Vater scheint eine geheime Geliebte zu haben, was ihre Mutter dazu verleitet, reichlich dem Prosecco zuzusprechen. Währenddessen geht Oma Lina eigene Wege. Sie legt die Küchenschürze ab, steigt in ihre High Heels und präsentiert der Familie einen Verehrer nach dem anderen. Die Zwillinge, Sveas jüngere Brüder, sind in ihrem Element und schmieden berufliche Zukunftspläne. Sie beschließen, Paparazzi zu werden. Für Svea ist das alles reichlich aufregend, denn sie beschreibt sich selbst als sehr normal und vernünftig; ihr Ex-Freund hielt sie gar für langweilig.
Das ändert sich alles, als Svea ein altes Buch in die Hände fällt. Darin findet sie eine Anleitung, wie sie Wünsche erfüllen kann. Aber das ist eine heikle Sache, denn auch das Wünschen will gelernt sein, und Svea bringt sich und ihre Mitmenschen zum Teil in verzwickte Situationen.

Mit ganz viel Humor und einer guten Portion Charme erzählt Brigitte Kanitz hier ihre neueste heitere Familiengeschichte. Auch ein wenig südländisches Flair darf nicht fehlen, denn Svea hat nicht nur nordisch-kühle, sondern auch temperamentvolle italienische Vorfahren, die immer noch ein Wörtchen mitreden wollen, wenn es um Belange der Familie geht. Sveas heimliche Zwiesprache mit ihren bereits verstorbenen Urgroßeltern ist immer wieder erfrischend, und wenn es um das alte Buch geht, das Svea findet, ist immer auch ein wenig Magie im Spiel. Von wegen langweilig! Svea zeigt nun ganz andere Seiten, so dass nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre beste Freundin, ihr Ex und ihr Nachbar sichtlich überrascht sind. Wie gewohnt präsentiert die Autorin auch diesmal wieder eine Geschichte, die einen immer wieder zum Lachen bringt. Vieles muss man mit einem Augenzwinkern sehen, denn normalerweise werden einem im wahren Leben ja nicht unentwegt Wünsche erfüllt. So hat die Handlung manchmal etwas Skurriles, fast Märchenhaftes. Es sind wieder amüsante und interessante Charaktere mit von der Partie, die zum Teil absichtlich recht überspitzt dargestellt wurden, sich aber ganz hervorragend in die witzige Handlung einfügen. Manche haben etwas Liebenswert-Schrulliges an sich. Lediglich bei der beschriebenen Wandlung von Sveas Nachbarn Alexander hat mein Kopfkino kläglich versagt. So sehr ich mich bemüht habe, konnte ich mir seine Veränderung beim besten Willen nicht vorstellen. Auf jeden Fall habe ich mich wieder glänzend unterhalten gefühlt und beim Lesen immer wieder herzlich lachen müssen. Und der Titel ist so passend, wenn auch ganz anders als vermutet. Also hat auch dieser Roman seine Aufgabe wieder glänzend erfüllt.


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