Mittwoch, 21. Januar 2015

Schwierige Kinder gibt es nicht - Henning Köhler



Kurzbeschreibung des Verlags:
Henning Köhler: Schwierige Kinder gibt es nicht – Plädoyer für eine Umwandlung des pädagogischen Denkens

„Sehr oft stehen wir vor dem Problem, dass Eltern sich ihrer privilegierten Rolle als unersetzliche Vertrauenspersonen des Kindes gar nicht bewusst sind. Sie lassen die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, dann brachliegen.“ - Henning Köhler

Henning Köhler stellt herkömmliche Erklärungsmuster infrage und plädiert für eine am Kind statt am Willen der Erwachsenen orientierten Pädagogik. Er zeigt, dass die Schwierigkeiten der Kinder im Grunde die Probleme der Erwachsenen und die wachsende Entfremdung in unserer Umwelt sind.

Mein Eindruck:
Fast täglich erfährt man von neuen Fällen auffälliger Verhaltensmuster bei Kindern, von psychischen Störungen und verändertem Sozialverhalten, und man hat den Eindruck, dies sei alles erst in neuester Zeit entstanden. Viele halten es auch einfach für eine modische Strömung. Aber dem ist durchaus nicht so. Vieles ist die Antwort der Kinderseele auf immer stärkere Reizüberflutung und eine Lebens- und Gesellschaftsform, die einer ständigen, starken Veränderung unterworfen ist und in der es oft an Möglichkeiten mangelt, wirklich „Kind“ zu sein.

Sehr einfühlsam nähert sich der Autor diesem komplexen Thema und geht auf viele Fragen ein, die sich im Lauf der Kinderzeit wohl jedem Erwachsenen, jeder Bezugsperson, irgendwann stellen. Er bietet jedoch keine vorgefertigten Lösungen oder Modellbeispiele, sondern er gibt Denkanstöße, das eigene Wollen und Handeln zu prüfen und den wahren Bedürfnissen des Kindes anzupassen, manchmal auch unterzuordnen.

Einen Erziehungsratgeber, mit konkret anwendbaren Tipps, sollte man hier nicht erwarten. Es gibt sehr wohl Fallbeispiele, aber in diesem Buch geht es mehr um die Gesamtsituation, den Status Quo des Erziehungssystems. Das Verhältnis zwischen Erziehung und gesellschaftlichen Problemen wird offengelegt und die Ohnmacht und Hilflosigkeit vieler Erzieher und Eltern in vorgeblich „schwierigen“ Situationen thematisiert. Die philosophischen Gedanken und Betrachtungen des Autors führen den Leser, entsprechend des anthroposophischen Grundgedankens, sehr häufig zu einer spirituellen Ebene dieses Themas.
Hier geht es nicht darum, eigene Wünsche und Vorstellungen in der Erziehung durchzusetzen, sondern das Kind es selbst sein zu lassen und anzunehmen, mit all seinen Wesenszügen.


Die Schreib- und Betrachtungsweise des Autors ist sicher nicht jedermanns Sache. Lässt man sich darauf ein, wird man jedoch neue und wertvolle Erkenntnisse gewinnen können. Um zu erfahren, ob man, in der verwirrenden Vielfalt pädagogischer Publikationen, hier das Richtige für sich gefunden hat, gibt es auf der Website des Verlags eine ausführliche Leseprobe: Klick



1 Kommentar:

  1. Ich habe die Befürchtung, dass sich das auch nicht mehr ändern wird. In einer Welt, wo für Bildung immer weniger Geld ausgegeben wird, nur noch Wachstum, Wachstum geschrien wird, der Mensch immer weniger Lebensperspektiven hat, die soziale Kälte immer mehr spürbar wird, kann auch kein Kind gedeihen.
    In unserer Region musste vor kurzem ein Gericht entscheiden, dass die Kinder eines Kindergartens draußen spielen dürfen. Das sagt doch eigentlich alles.

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