Dienstag, 27. Januar 2015

Geliebter Highlander - Sharon Morgan

"Geliebter Highlander" von Sharon Morgan

Auf Wunsch ihres Vaters und um den Frieden zwischen den schottischen Clans zu bewahren, soll die schöne Beatagh MacIntosh ein Handfasting mit Ewen Cameron, dem Erzfeind der MacIntoshs, eingehen. Sie weigert sich vehement gegen diese Verbindung, und letztendlich erpresst sie ihre Cousine Marsaili, die ihr sehr ähnlich sieht, die Rollen zu tauschen.
Da es sich um eine zeitlich auf ein Jahr begrenzte Verbindung handeln soll, willigt Marsaili schweren Herzens ein. Unter Beathags Namen trifft sie sich mit Ewen und folgt ihm nach Torcastle, wo die traditionelle Verlobung stattfinden soll. Womit Marsaili nicht gerechnet hat, ist die starke Anziehungskraft, sie sich schon sehr bald zwischen ihr und Ewen entwickelt.
Marsaili weiß, dass sie ihre wahre Identität irgendwann beichten muss, aber sie schiebt es vor sich her, denn ihr ist bewusst, dass Ewen sie hassen wird, wenn er erfährt, wer sie wirklich ist.

Dies ist ein historischer Liebesroman ganz besonderer Art. Zwar geht es in erster Linie um eine wunderbare Romanze, aber beachtenswert ist hier die authentische historische Kulisse, denn Marsailis und Ewens Geschichte basiert auf realen historischen Personen. Auch die politischen Entscheidungen und die kriegerischen Ereignisse hat es damals gegeben. Man bekommt ganz nebenbei auch einen interessanten Abschnitt schottischer Geschichte nahegebracht. Inmitten dieses faszinierenden Plots, der den Leser ins 15. Jahrhundert, mitten in die schottischen Highlands entführt, entwickelt sich langsam und anfangs fast unmerklich eine zarte Liebe zwischen Marsaili MacIntosh und Ewen Cameron, eine Verbindung, die eigentlich gar nicht sein darf, da die Protagonisten verfeindeten Clans angehören. Ursprünglich war alles ganz anders geplant, und das von Alexander MacDonald von Lochalsh arrangierte Handfasting war lediglich für die Dauer eines Jahres gedacht. Aber wie das Leben oft spielt, richten sich Gefühle nicht nach Befehlen oder Verboten, und das erleben hier auch die Protagonisten.
Es ist eine mitreißende Geschichte, die mit einer Reihe sehr sympathischer Charaktere aufwarten kann und die mich besonders durch ihren starken historischen Bezug beeindruckt hat. Wie die Autorin im Nachwort schreibt, musste sie den verschiedenen Personen erst einen Charakter verleihen, denn über die meisten ist nur wenig überliefert. Aber diese Aufgabe hat Sharon Morgan ganz hervorragend erfüllt. Nicht nur die Haupt-Charaktere sondern auch alle Nebenfiguren im Roman sind nie eindimensional, sondern stets vielschichtig und interessant dargestellt. Ewen ist so, wie man sich einen schottischen Clanführer vorstellt, einerseits streng und unerbittlich, manchmal gnadenlos, aber immer gerecht und in gewissen Situationen auch herzlich und gefühlvoll. Die liebenswerte Marsaili vereint genau die richtige Kombination aus Herzlichkeit, Natürlichkeit und Mitgefühl mit Widerspruchsgeist und Eigensinn. Ihre Cousine Beathag ist von ganz anderer Wesensart, und hier haben sich bei mir manchmal Zweifel geregt, dass die beiden jungen Frauen ihr Täuschungsmanöver so einfach und so lange aufrecht halten konnten. Dass Marsailis Eltern nichts bemerkt haben, ist nicht verwunderlich, denn sie haben sich kaum um die Tochter gekümmert, so dass eine Veränderung ihnen wohl gar nicht aufgefallen wäre. Aber dass Beathag sogar Marsailis Bruder bis zu einem gewissen Punkt täusche konnte, das erschien mir doch ein wenig zweifelhaft.
Da mir der Schreibstil und auch die Handlung insgesamt sehr gefallen haben, konnte ich jedoch über so kleine Ungereimtheiten, die mir aufgefallen sind, gut hinwegsehen, auch weil diese ja dazu gebraucht wurden, die Handlung in die richtigen Bahnen zu lenken.

Noch eine Bemerkung zum Cover. Es ist dunkel gehalten und mit keltischen Ornamenten geschmückt, was mir gut gefällt. Der Mann in Großaufnahme auf dem Einband soll sicher für Ewen Cameron stehen. Da sich jeder in der eigenen Vorstellung aber ein anderes Bild macht, finde ich Buchcover mit Personenabbildungen immer ein wenig irritierend und neige dann dazu, das Buch in eine Hülle zu stecken. Mir persönlich sind grundsätzlich Coverdesigns lieber, die einen nicht so festlegen, aber das wird jeder anders empfinden.
Ich bewerte das Buch mit dicken vier Sternen, mit starker Tendenz hin zur vollen Sternzahl.

 bis 



Kommentare:

  1. Vielen, vielen Dank für die sehr ausführliche Rezension, in der auf alle Aspekte des Romans eingegangen wird. :-)

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  2. Hach, mit feurigen und leidenschaftlichen Schotten kriegst Du mich immer... aber das Cover, das finde ich so grottig schlecht, so billig, das ich das Buch nicht kaufen würde. Die leidenschaftlichen, halb bekleideten Pärchen, die sich in den Nacken beißen finde ich schon grenzwertig, aber dieser nackte Mann... Nein! Und ich liebe langhaarige Männer...das ist das, worauf ich bei Männern schaue :-D.

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    1. Hallo Maegwin, aus diesem Grund habe ich das Buch mit Umhüllung gelesen, weil ich mir im Kopf meinen eigenen Ewen erfinden wollte. Gerade das finde ich schade, dass sich viele vielleicht vom Cover leiten lassen und aus diesem Grund beschließen, das Buch nicht zu lesen, und das hat der Roman nicht verdient, denn es ist ein richtig schöner Schmöker.
      LG
      Susanne

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