Mittwoch, 7. Januar 2015

Die Könige von Köln - Tilman Röhrig

Tilman Röhrig: Die Könige von Köln
Pendo Verlag
ISBN: 978-3-86612-333-5
Herbst 1794: Köln droht die französische Besatzung; die feindlichen Truppen rücken immer näher. Einige besorgte Bürger, allen voran der Geistliche und Gelehrte Ferdinand Franz Wallraf, fürchten um die Kunstschätze der Stadt. Besonders den kostbaren Dreikönigsschrein, mit seinen wertvollen Reliquien, sehen sie in Gefahr. Schnell ist der Beschluss gefasst, die Schätze in ein Versteck, auf der anderen Rheinseite, zu bringen. Als Wallraf den Tagelöhner Arnold Klütsch kennenlernt, ist auch die leidige Transportfrage geklärt, denn Arnold ist ein wahrer Herkules, von großer Statur, mit Kräften wie ein Bär. Arnold ist der Stadt Köln mit Leib und Seele verbunden, und er hilft Wallraf nach Kräften, die wichtigsten Kunstschätze der Stadt in Sicherheit zu bringen. Aber nicht nur der Einmarsch der Franzosen macht ihm Sorgen, sondern er hat auch Liebeskummer, denn Walburga, seine „schönste Heimlichkeit“, ist seinem besten Freund bereits so gut wie versprochen.

Einige Passagen des Romans, immer wenn es um aktuelle historische Ereignisse geht, sind im Präsens verfasst. Dies rückt den Leser noch stärker ans Geschehen; man kann sich ein sehr lebendiges Bild der damaligen Situation machen, wie es den Kölnern unter französischer Besatzung erging. Das Schicksal der 3-Königs-Reliquien zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, und rund um die geschichtlichen Tatsachen hat Tilman Röhrig einen detailreichen, bildhaften und fesselnden Roman verfasst. Ich mag die Art, wie der Autor schreibt. Mit wenigen, wohl gesetzten Worten fängt er intensive Stimmungsbilder ein.
Die Charaktere, auch die der Nebenfiguren, sind allesamt sorgsam und lebhaft ausgearbeitet. Das Personenverzeichnis im Anhang gibt genau Auskunft, bei wem es sich um eine reale, historische Persönlichkeit oder um eine literarische Figur handelt.
Es sind besonders die kleinen, so überaus treffenden Bemerkungen, die mir gefallen, weil sie das historische Geschehen abrunden und dem Roman seine Lebendigkeit verleihen.
Bildhafte Bemerkungen setzen markante Akzente. Hier möchte ich nur ein kleines Beispiel von vielen zitieren: „In der Küche schmeckte die Luft nach allem, was im Topf war.“

Das Buch hat alles, was ich von einem guten historischen Roman erwarte: eine schöne Sprache, plastische Charaktere, authentische Atmosphäre, historisches Wissen und eine mitreißende Handlung. Geistreiche Dialoge (hier möchte ich besonders die Gespräche zwischen Wallraf und seinem Freund Franz Pick nennen) sowie der feine Humor, der immer wieder durchblitzt, tun ein übriges, das Lesen zu einem wahren Genuss zu machen.



1 Kommentar:

  1. Auch das will ich unbedingt lesen, die Bücher von Tilman Röhrig mochte ich bis jetzt sehr gerne.

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