Freitag, 31. Oktober 2014

Monatsrückblick Oktober 2014

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Im Monat Oktober habe ich insgesamt neun Bücher gelesen, das waren 3444 Seiten. Naja, genau genommen muss ich einige Seiten noch dem September zuschreiben, denn “Tochter der Elbe” habe ich in einer Leserunde, über mehrere Wochen verteilt, gelesen. Es waren wieder einige sehr schöne Bücher dabei.
Und das ist mein Oktober-Favorit: Nicole C. Vosselers “Zeit der wilden Orchideen”
Was mir an dem Buch so sehr gefallen hat, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen, die ich hier oberhalb in der Aufstellung verlinkt habe.
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In Sachen Neuzugänge war der Oktober (bis heute) recht ruhig, denn während dieser Zeit waren “nur” drei Bücher in mein Regal eingezogen. Heute brachte dann der Postbote das Rezensionsexemplar  “Die Heilerin und der Feuertod”. Auf das Buch warte ich schon lange, aber anscheinend ist die erste Büchersendung des Verlags auf dem Postweg verloren gegangen. Der zweite Versuch hat nun glücklicherweise geklappt.SAM_2677
Und dann war da noch das obligatorische Halloween-Wichteln bei Lovelybooks, wo ich auch wieder teilgenommen habe. Bei Lovelybooks wird meist vier mal im Jahr gewichtelt, und ich mache immer sehr gerne mit, weil die Wichtelaktionen sehr gut organisiert sind und wirklich Spaß machen. All die schönen Sachen auf dem folgenden Foto waren in einem richtig toll und halloween-mäßig dekorierten Paket. Es waren gleich vier Bücher dabei und noch viele andere schöne Dinge. 
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Womit wir schon beim Tee wären, denn auch da habe ich eine neue Sorte in meinem Wichtelpaket vorgefunden; es ist die Städte-Edition für Dortmund von Teegschwendner, und in der neuen originellen Teetasse werde ich den Tee dann demnächst genießen. Ich warte mit dem Probieren noch, bis mein Geschmackssinn wieder voll da ist, denn der ist gerade durch einen Schnupfen beeinträchtigt, und das wäre schade um das feine Aroma, das ich gar nicht wahrnehmen könnte.
In den letzten Tagen habe ich verstärkt die folgenden Tees getrunken:
  • Salbeitee aus eigener Ernte, mit viel Zitronensaft, der hilft super bei Halskratzen und –schmerzen, und ich setze ihn gerne als erste Hilfe ein, wenn mich mal eine Erkältung erwischt.
  • Einen Rest Schoko-Minz-Tee von Schuhbeck, schmeckt wie die leckeren Schokolinsen (mit rosa oder weißer Glasur), die es früher gegeben hat und
  • den Kräutertee “Spirit of Chigong”, welcher nicht spektakulär ist, sondern recht durchschnittlich schmeckt. Aber besonders abends trinke ich ihn gerne, denn er beruhigt. Bei dem Tee gilt allerdings: “Wenn weg, dann weg”, denn er wird nicht nachgekauft.
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Da momentan nicht nur meine Geschmacks- sondern auch die Geruchsnerven nur eingeschränkt ihrer Tätigkeit nachgehen, verzichte ich auch weitgehend auf Raumdüfte, denn ich würde sie ja eh nur abgeschwächt wahrnehmen. Daher duftet es bei mir lediglich nach Eukalyptusöl. Aber ich freue mich schon auf das süße Duftkerzenglas, das ich in meinem Wichtelpaket vorgefunden habe. Die Sorte “Erdbeer-Rhabarber”klingt lecker. Wenn ich sie ausprobiere, werde ich berichten.
Nun wünsche ich euch allen einen guten Start in den November, der hoffentlich nicht allzu grau wird. Aber gerade wir “Bücherwürmer” haben ja die Möglichkeit, uns in Gedanken die Welt bunt zu machen, indem wir die geeignete Lektüre lesen. Daher wünsche ich euch ein gutes Händchen, damit ihr die richtigen Bücher für den trüben Spätherbst findet.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Das geliehene Kind - Kishwar Desai


In einer Klinik in Delhi bringt eine indische Leihmutter ein Kind zur Welt. Auftraggeber und künftige Eltern sind ein Paar aus London. Als bei dem Baby festgestellt wird, dass es HIV-Positiv ist und kurz darauf die Leihmutter spurlos verschwindet, ist die Bestürzung groß. Aber dies ist noch nicht das Ende der Tragödie, denn das englische Paar kommt durch einen Unfall ums Leben. Nun hat die kleine Amelia niemanden mehr; innerhalb kürzester Zeit ist sie vom Wunschkind zum Problemfall geworden.
Simran Singh nimmt sich der Sache an und reist nach London, um eventuelle Angehörige des Elternpaars zu finden, für das Amelia bestimmt war.
Bei ihren Recherchen und ihrem dringenden Versuch, dem kranken Baby zu helfen, ist es, als würde die Sozialarbeiterin in ein Wespennest stoßen, denn sie findet ein Gewirr aus Korruption, Täuschung und Verschleierung der Abläufe, und sie scheint schlafende Hunde geweckt zu haben. Als auf sie selbst ein Anschlag verübt wird, kommt ihr die Tragweite des Falls und die Gefährlichkeit dieses Netzwerks erst so richtig zum Bewusstsein. Wem kann sie noch vertrauen und wo sitzen die eigentlichen Drahtzieher?

Bei Simran Singhs zweitem Fall habe ich mir mit dem Einstieg ziemlich schwer getan. Das lag ganz sicher nicht an der Schreibweise , denn auch dieser Roman ist wieder flüssig verfasst und sprachlich gut ausgearbeitet. Allerdings war es für mich sehr gewöhnungsbedürftig, dass die Autorin bei ihrer Erzählung sehr häufig zwischen Orten und Zeiten hin und her springt. Man bewegt sich jedoch nicht auf einigen wenigen, überschaubaren Zeitebenen, sondern die Handlung in der Gegenwart wird immer wieder von Rückblenden unterbrochen, die einmal 7 Monate, dann 8 Monate, beim nächsten Mal vielleicht 4 Monate etc. zurückführen und dabei die Ereignisse an verschiedenen Orten schildern. Ich hatte meine liebe Mühe, mit dem Tempo der Zeitsprünge mitzuhalten. Erschwerend kamen die Vielzahl an ungewohnten indischen Namen dazu. Ich muss gestehen, dass ich nach dem ersten Drittel schon fast aufgeben wollte, aber ich bin froh, es nicht getan zu haben. Ich habe mich intensiv auf die Handlung, mit all ihren Besonderheiten, konzentriert, mir die Zeiten der Kapitel notiert und so dann bis zuletzt durchgehalten. Was Simran Singh da aufdeckt, macht sprachlos, denn wie die Autorin im Nachwort versichert, sind zwar ihre Protagonisten fiktiv, die geschilderten Ereignisse jedoch leider nur allzu real.
Für mich war das Thema absolutes Neuland, denn bisher habe ich mich noch nie mit dieser Art von Erfüllung eines Kinderwunsches befasst. Dass für Leihmutterschaft inzwischen anscheinend ein starker Markt besteht und auf diesem Sektor lange nicht alles mit rechten Dingen zugeht, sondern öfter ins Illegale ausufert, ist eine Folge von Habgier und Größenwahn der Verantwortlichen. Was in westlichen Ländern verboten ist, lässt sich in ärmeren Ländern, wie Indien, anscheinend leicht verwirklichen, denn hier bietet sich gerade für die armen Familien eine Chance, auf eine bessere finanzelle Situation. Wieder einmal macht die Autorin auf einen schweren Missstand aufmerksam, der hauptsächlich die Frauen betrifft, denn deren Lage wird leider oft ausgenutzt.
Mit ihrer Protagonistin hat die Autorin zudem einen außergewöhnlichen starken Charakter geschaffen, denn Simran Singh ist ganz und gar nicht so, wie man sich eine indische Sozialarbeiterin vorstellt. Sie tritt meist burschikos auf, raucht und trinkt auch schon gerne mal einen über den Durst, und sie kann sehr hartnäckig sein, wenn sie ein Ziel verfolgt. Dabei scheut sie auch die Gefahr nicht, nur wenn sie eine Flugreise unternehmen muss, reagiert sie panisch. Ihre kleinen Schwächen machen sie sympathisch, und ich kann mir nur allzu gut vorstellen, wieso Simran Singh bei indischen Frauen mittlerweile Kult-Status erreicht hat.
Für mich sind die Romane von Kishwar Desai etwas Besonderes, denn sie liefert nicht nur fesselnde Krimikost, sondern nimmt sich auch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Gesellschaftskritik zu üben und sich mutig für die Frauen Indiens einzusetzen.


Ein tödlicher Schatz - Rebecca Michéle


Nachdem Mabel Clarence ein Versprechen gegeben hat, sich nicht mehr in polizeiliche Ermittlungen einzumischen, führt sie ein recht geruhsames Leben in Cornwall. Sie pflegt ihren geliebten Garten und führt dem eigenbrötlerischen Tierarzt Victor, der ihr mittlerweile ein guter Freund geworden ist, den Haushalt. Den Familienbesitz, das Herrenhaus Higher Barton, stellt sie häufig für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung. Nach einem schweren Unwetter, bei dem auch Higher Barton starke Schäden davongetragen hat, werden bei Reparaturarbeiten, in einem Hohlraum in der Mauer, die Knochen eines menschlichen Skeletts gefunden. Und wieder einmal gerät Mabel in den Brennpunkt des Falls, ohne es zu wollen. Ihre Cousine Abigail, die Mabel das Herrenhaus übereignet hat, als sie vor einigen Jahren nach Frankreich ging, wird als Zeugin geladen und gerät sogar unter Verdacht.

Wieder einmal verzweifelt Mabel fast an der Inkompetenz von Polizeiinspektor Warden, der wie so oft das Wesentliche übersieht und gute Ratschläge seiner Mitmenschen (besonders von Mabel) nicht annehmen möchte. Mabel sieht sich genötigt, ihr Versprechen zu brechen, tut dies allerdings diesmal mit der Zustimmung von Victor Daniels, der sie sogar bei ihren Nachforschungen unterstützt. Ihre Recherchen führen sie bei diesem neuen Fall sozusagen in die cornische Unterwelt, und sie machen erstaunliche Entdeckungen und fördern eine alte Geschichte zutage. Dabei stößt diesmal sogar Mabels Menschenkenntnis an ihre Grenzen, und es wird wieder richtig spannend und gefährlich.

Mit Kombinationsgabe, Intuition und Scharfblick gelingt es unserer couragierten Heldin auch diesmal, dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei versäumt es die Autorin nicht, auch in der neuen Folge wieder jede Menge britisches Flair zu vermitteln, denn die obligatorische Teestunde darf nie fehlen, und gerade Mabel braucht ihre Tasse Tee in allen Lebenslagen, sei es um besser denken zu können oder auch, um sich nach einem besonders aufregenden Erlebnis zu beruhigen.
Trotz der traumhaften Umgebung und der wunderbaren Atmosphäre, die den Romanen dieser Reihe eigen ist, wird jedoch nichts schöngeredet, sondern auch auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Cornwalls hingewiesen.

Mabels mittlerweile viertes Abenteuer kann man jederzeit für sich lesen, aber natürlich ist es schöner, wenn man die Vorgeschichte schon ausführlich kennt. In jedem Fall bietet auch „Ein tödlicher Schatz“ wieder jede Menge Lesevergnügen, Spannung und cornische Atmosphäre.
Mehr über die vier Romane der Cornwall-Krimi-Reihe findet man auf der Website der Autorin.

  

Sonntag, 26. Oktober 2014

Die falsche Gouvernante - Jen Turano


New York 1880: Lady Eliza Sumner steht vor dem Nichts. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie um ihr Erbe betrogen und verlor ihren Verlobten. Nun hat sie die lange Reise nach New York auf sich genommen, um den Mann zu suchen, der ihr Vermögen veruntreut hat. Da sie völlig mittellos ist, arbeitet sie als Gouvernante. Während einer Einladung begegnet sie Hamilton Beckett. Der attraktive Witwer wird gerne zu Gesellschaften eingeladen, denn so ziemlich alle Eltern einer Tochter im heiratsfähigen Alter würden ihn nur allzu gerne als Schwiegersohn in ihre Familie aufnehmen. Aber er gibt sich mürrisch, und er hat zwei kleine Kinder, die allgemein als schwierig gelten, denn sie haben bisher schon jedes Kindermädchen in die Flucht geschlagen.

Schon beim ersten Treffen spüren Eliza und auch Hamilton eine gewisse Faszination. In der Tat haben sie einiges gemeinsam, wie sich herausstellt. Sie wurden in ihrem bisherigen Leben enttäuscht und haben das Vertrauen in andere Menschen verloren. Beide hegen daher nicht den Wunsch, eine neue Beziehung einzugehen. Außerdem ist nicht nur Eliza hinter dem betrügerischen Verwalter her, der sie um ihr Erbe brachte, auch Hamilton ist einer mysteriösen Sache auf der Spur, denn jemand scheint sein Unternehmen und seine Geschäfte zu sabotieren. Bei den Bemühungen, ihre Probleme zu lösen und ihren jeweiligen Kontrahenten zu stellen, kreuzen sich ihre Wege erneut...

Man muss sie einfach gerne haben, die bezaubernde Eliza Sumner. Anfangs macht sie einen etwas tollpatschigen Eindruck, der aber durchaus beabsichtigt ist, da sie unerkannt bleiben möchte. Den attraktiven Witwer Hamilton kann sie jedoch nicht täuschen, denn er durchschaut ihre Maskerade und blickt hinter die Fassade , die sie als Schutz um sich errichtet hat.
Als die beiden erkennen, dass ihre finanziellen Probleme gewissermaßen zusammenhängen, machen sie gemeinsame Sache. Dabei kommen sie sich auch persönlich näher, und Eliza stellt zu ihrem Erstaunen fest, dass Hamilton gar nicht so mürrisch ist, wie sie vermutet hat. Bei seinen beiden kleinen Kindern könnte man wirklich sagen, es ist Liebe auf den ersten Biss. ;-) Wer erfahren möchte, was ich mit dieser Wortspielerei meine, muss den Roman aber schon selbst lesen.

Die Heldinnen des Romans sind ganz und gar nicht die angepassten, zarten Frauchen, die immer auf die Gunst ihrer männlichen Begleiter angewiesen sind und rund um die Uhr beschützt werden wollen. Eliza und die anderen weiblichen Charaktere, die im Roman eine größere Rolle spielen, sind selbstbewusst und lassen sich nicht so leicht von den Herren der Schöpfung ins Bockshorn jagen. Sie können sich durchsetzen und sind durchaus in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Somit gibt der Roman sehr schön den Zeitgeist wieder, der zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte, denn damals nahm die Suffragettenbewegung ihren Anfang, und es wurde sozusagen der Grundstein für die Emanzipation der Frauen gelegt. Eliza ist ein Kind ihrer Zeit, denn sie kann einerseits ganz als adlige, elegante Dame auftreten, aber sie hat nicht nur im übertragenen Sinn die Hosen an. Sie beweist Tatkraft und Courage, und sie ist nicht auf den Mund gefallen, was häufig zu sehr amüsanten Dialogen führt, denn sie liefert sich mit Hamilton immer wieder interessante und auch vergnügliche Wortgefechte.
Aber es gibt durchaus auch ernste Töne in diesem Buch, denn Eliza erkennt, was ihr im Leben wirklich wichtig ist. Im Bezug auf ihre Mitmenschen erlebt sie so manche Enttäuschung, aber auch einige sehr positive Überraschungen. Es ist ein langer und abenteuerlicher Weg bis Eliza ihr Vertrauen in die Menschheit und ihren Glauben zurückerlangt.

Vieles ist sicher vorhersehbar, und so manche Situation wirkt ein wenig übertrieben, aber das sehe ich durchaus nicht als Makel der Geschichte, denn die Autorin hat viele Szenen geschaffen, die von ihrer heiteren Theatralik leben. Jen Turanos Debüt ist ein spannender und sehr humorvoller historischer Liebesroman, der einerseits einen hohen Unterhaltungswert bietet, sich dabei aber auch tiefgründig mit den wahren Werten im Leben befasst. Der christliche Glaube ist durchgehend ein wichtiges Thema in der Handlung, ohne dabei jedoch allzu dominant im Vordergrund zu stehen.


Donnerstag, 23. Oktober 2014

Das Schattenhaus – Mascha Vassena

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Nach dem Tod ihrer Mutter erfährt Anna, dass diese ihr ein Haus vererbt hat. Zusammen mit ihrer Tochter Rike reist sie nach Vignano, um Simonas alte Villa in dem kleinen Bergdorf im Tessin zu verkaufen. Im Dorf erfahren sie, dass in dem Haus eine alte Frau lebt. Sie verlässt nie den Dachboden, den sie bewohnt. Anna versucht, Klarheit in die Sache zu bringen und stellt Nachforschungen an, denn sie möchte gerne mehr über die Hintergründe erfahren und wissen, was es mit dem alten Haus auf sich hat. Irgend etwas scheint vorgefallen zu sein, was ihre Mutter belastet hat, denn Simona hat bis zu ihrem Tod nie über ihre Vergangenheit gesprochen, als hätte sie etwas aus ihrem früheren Leben verdrängt.
Der Roman spielt auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Da ist einmal Annas Geschichte, wie sie mit ihrer Tochter nach Vignano fährt, um den Nachlass ihrer Mutter zu regeln. Zu Rike hat sie ein eher distanziertes Verhältnis, denn diese lebte bei Simona. Im Lauf der Geschichte erfährt man mehr über die Hintergründe, wieso Anna ihr Kind nicht selbst aufgezogen hat. Es wird ein recht typisches Eltern-Kind-Verhältnis beschrieben, denn es ist nicht immer einfach, sich mit einer Vierzehnjährigen zu arrangieren, besonders wenn man nur wenig über sie weiß. Ein weiteres, schwieriges Problem ist das mangelnde Vertrauen in dieser Familie, das sich durch alle Generationen zieht. Man erlebt die zögerliche Annäherung von Mutter und Tochter mit, die jedoch nicht frei von Rückschlägen ist, denn immer wieder kommt es zu Krisensituationen, und letztendlich lässt Anna niemanden wirklich an sich heran. Warum das so ist, wird mit der Zeit schon klar, und ich konnte auch ein gewisses Verständnis aufbringen, aber die Art, wie Anna sich anderen Personen gegenüber verhält, ist für mein Empfinden einerseits etwas unterkühlt, wenn nicht sogar gefühllos, wechselt aber schnell ins krasse Gegenteil, und diese raschen Stimmungswechsel konnte ich oft nicht so schnell nachvollziehen.
Im zweiten Erzählstrang lernt man die junge und hübsche Charlotte kennen, die 1963 mit ihren Eltern die Ferien am Comer See verbringt. Die junge Frau ist nicht nur attraktiv, sondern auch ausgesprochen verwöhnt. Der Aufenthalt im Hotel und auch ihr Verehrer, der Schweizer Reto, sind ihr mit der Zeit viel zu langweilig, und so ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf, als sie die reiche Amerikanerin Amanda kennenlernt und von ihr nach Como eingeladen wird. Nun scheinen die Ferien doch noch amüsant zu werden. In Como lernt sie Georg kennen, einen talentierten Maler, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt. Für ihn würde sie ihr bisheriges Leben aufgeben. Da ihre Eltern nie ihre Zustimmung zu dieser Verbindung geben würden, beschließt sie, mit Georg durchzubrennen. Aber dann stellt ein tragischer Unfall ihr ganzes Leben auf den Kopf.
Mit Charlotte bin ich von Anfang an nicht warm geworden, um nicht zu sagen, sie war mir total unsympathisch. Sie wird als recht egoistisch dargestellt, und sie will immer mit dem Kopf durch die Wand. Dabei reagiert sie stets impulsiv, ohne an die Folgen zu denken. Gepaart mit einer gewissen Boshaftigkeit ist das eine explosive Mischung. Ihr gedankenloses Verhalten wird ihr fast zum Verhängnis und zerstört nicht nur ihr eigenes Leben. Es ist mir nicht gelungen, ihre Handlungen und Gefühle nachzuvollziehen, und ich konnte auch kein Mitleid empfinden, denn eigentlich hat sie sich ihre Situation selbst eingebrockt, die Schuld aber immer bei anderen gesucht, nie bei sich selbst.
Wie die beiden Handlungsstränge zusammenspielen, erfährt man eigentlich erst am Schluss, allerdings ist vieles schon früh offensichtlich, und man kann sich die meisten Zusammenhänge schnell zusammenreimen. Mascha Vassenas Schreibstil ist schön und fesselnd, und auch wenn ich eigentlich keinen der Charaktere wirklich mochte, hat mir die Geschichte insgesamt gut gefallen. Es ist natürlich immer schwierig, wenn man mit keinem der Protagonisten sympathisiert, denn das nimmt doch einiges von der Spannung weg, weil dann auch kaum Empathie aufkommt. Dies sagt jedoch nichts über die Qualität des Romans aus, sondern hängt eher an meiner persönlichen Haltung den Protagonisten gegenüber.
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Sonntag, 19. Oktober 2014

Zeit der wilden Orchideen – Nicole C. Vosseler

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Singapur 1840: Die Halbwaise Georgina verbringt ihre Zeit am liebsten im wild verwucherten Teil des Gartens, der zum Haus ihres Vaters gehört und direkt ans Meer anschließt. Dort gibt es eine halb verfallene alte Laube, wo Nilam, wie das kleine Mädchen von den Einheimischen genannt wird, ihren Träumen nachhängt. Eines Tages findet sie einen verletzten Jungen in ihrem Versteck. Raharjo, vom Volk der Orang Laut, der so genannten “Meeresmenschen”, hat sich dahin geflüchtet. Georgina pflegt ihn heimlich und baut eine starke Beziehung zu dem faszinierenden Jungen auf. Jahre später begegnen sie sich erneut. Sie verbringen eine wundervolle Zeit zusammen und geben sich ein Versprechen, das sie jedoch nicht einhalten können, denn die Fügung will es so, dass die Liebenden getrennt werden. Obwohl ihre Liebe keine Zukunft hat, begegnen sie sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte immer wieder, als wäre es ihnen vorherbestimmt, aber das Schicksal meint es nicht immer gut mit ihnen.

Die Autorin malt mit Worten wunderschöne, farbenprächtige Bilder. Mit ihrem poetischen Schreibstil fängt sie den Zauber des Landes sehr gekonnt ein, und man lernt eine exotische Welt kennen, die schillernd und facettenreich beschrieben ist.
Ihre Charaktere sind vielschichtig und faszinierend. Die Beziehungen, die sie eingehen, werden sehr sensibel dargestellt und dem Leser so einfühlsam nahe gebracht, dass man selbst für die wildesten und manchmal törichten Reaktionen der Protagonisten ein gewisses Verständnis aufbringt, da man die starke Verzweiflung dahinter spürt. Man wird mitgerissen, in einem Strudel von Ereignissen und Gefühlen, die Nicole C. Vosseler so meisterhaft in Worte fasst.
Dieser Roman wirkt auf vielfältige Weise noch lange nach, einerseits durch die plastischen, bilderreichen Darstellungen der Landschaft, der Bräuche und der Atmosphäre Singapurs, aber auch durch die starken Charaktere, die sich hier dem Schicksal stellen und mit aller Kraft um ihr Glück kämpfen. Es ist eine atemberaubende Geschichte, sinnlich, dramatisch, fesselnd und wortgewaltig.

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Dienstag, 14. Oktober 2014

Dein Freund und Mörder - Mila Roth



Kurzbeschreibung, mit freundlicher Genehmigung von der Website der Autorin übernommen: http://www.mila-roth.de/html/dein-freund-und-moerder.html
Trau, schau wem!Beim Kistenpacken für ihren Umzug entdeckt Janna auf dem Dachboden eine ihr unbekannte DVD. Als sie sie mit ihrem Computer abspielt, entdeckt sie verschlüsselte Daten und den Zugang zu einem merkwürdigen Onlineportal. Aus Angst vor Viren oder Trojanern wirft sie die DVD zunächst weg.

Noch am selben Tag steht plötzlich ihr Exfreund Sander vor der Tür und erklärt ihr, dass sie durch die DVD in die virtuelle Falle einer kriminellen Organisation getappt sei. Diese hat bereits Sanders Bruder und dessen Frau auf dem Gewissen und wird nicht zögern, mögliche Zeugen zu eliminieren.

Janna bittet den Geheimagenten Markus Neumann um Hilfe, und gemeinsam mit Sander begeben sie sich auf die Fahrt zu einer Berghütte im Schwarzwald, in der Sanders Bruder wichtiges Beweismaterial versteckt hat. Doch sie werden bereits verfolgt, und ein lebensgefährlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt. 

Meine Meinung:

Auch auf die siebte Folge der literarischen "Vorabendserie" von Mila Roth habe ich mich gefreut und war gespannt, was sich die Autorin Neues für ihre Leser hat einfallen lassen. Diesmal kommt Janna ihrem Exfreund Sander zur Hilfe, der über brisantes Beweismaterial Bescheid weiß und dadurch ins Visier einer kriminellen Organisation gerät. Es handelt sich quasi um ein Vermächtnis seines verstorbenen Bruders, welches dieser in einer Berghütte im Schwarzwald versteckt hat. Nur gut, dass Janna Verbindungen zum Geheimdienst hat. Diese kommen ihr nun zugute, auch wenn Sander sehr misstrauisch ist, als er Markus Neumann kennenlernt, der wiederum sofort für Janna da ist, als sie ihn um Hilfe bittet. Nicht zuletzt ist sein Interesse geweckt, als er erkennt, dass hinter der Sache eine kriminelle Person steckt, die schon lange auf der Liste des Geheimdienstes steht. Aber auch der Agent, dem Janna nun schon bei einigen gefährlichen Aufträgen als Zivilperson zur Seite gestellt wurde, zeigt sich Sander gegenüber nicht gerade zugänglich. Als die Drei in Richtung Schwarzwald aufbrechen, ist die Spannung fast greifbar. Wüsste man nicht ganz genau, dass Jannas Verbindung mit Sander der Vergangenheit angehört und sich mit Markus Neumann auf die Zusammenarbeit beschränkt, könnte man fast meinen, es wäre Eifersucht im Spiel. 
Während ihrer Fahrt macht ihnen das schlimme Wetter zu schaffen, denn es ist sehr stürmisch in Süddeutschland, und dann geraten sie auch noch ernsthaft in Gefahr. Wie man es von Janna inzwischen schon gewohnt ist, hat sie wieder sehr originelle, dabei aber sehr zweckdienliche Einfälle, wenn es darum geht, ihre Haut und die ihrer Freunde zu retten. 
Die Story liest sich amüsant und dabei auch wieder sehr spannend. Markus und Janna haben sich für mich schon zu einem routinierten "Dreamteam" entwickelt, und ihre gemeinsamen Abenteuer haben auch in Folge 7 noch nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt, ganz im Gegenteil! Mila Roth hat erneut eine sehr ausgewogene Mischung gefunden, die genau richtig zwischen Spannung und entspannender Unterhaltung angesiedelt ist und auch den Humor nicht vermissen lässt. Mir hat es wieder sehr viel Spaß gemacht,Janna und Markus zu begleiten und bei der Gelegenheit auch Sander etwas besser kennenzulernen. Nun ist warten angesagt, bis es heißt "Janna Berg und Markus Neumann sind wieder da". Darauf freue ich mich sehr.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Ein Platz in deinem Herzen - Amy Hatvany


Seit Victors und Kellis Scheidung leben die gemeinsamen Kinder, die dreizehnjährige Ava und der siebenjährige Max, bei ihrer Mutter.
Victor hat in Grace mittlerweile die Frau fürs Leben getroffen und sich gerade erst mit ihr verlobt. Grace liebt ihren Beruf, und sie liebt Victor, aber in ihrer Lebensplanung sind keine Kinder vorgesehen, was von Victor voll und ganz akzeptiert wird, da er ja bereits aus seiner Ehe mit Kelli zwei Kinder hat. Dass Ava und Max die Wochenenden bei ihrem Vater verbringen, ist für Grace kein Problem, denn Victor zuliebe übernimmt sie gerne die Rolle der Teilzeit-Mutter.
Alles ändert sich, als Kelli plötzlich und unerwartet stirbt. Ava und Max müssen nun ganz zu ihrem Vater und Grace ziehen, und dieses neue Arrangement ist für alle Beteiligten sehr schwierig und zermürbend. Die Kinder suchen ganz unterschiedliche Ventile, um mit dem Verlust der Mutter fertig zu werden und ihre Trauer zu verarbeiten.
Grace sieht sich plötzlich in die Rolle der „Ersatzmutter“ gedrängt und weiß nicht, ob sie mit dieser Herausforderung fertig wird. Bei allem Verständnis für die Kinder und ihre Situation fällt es ihr doch schwer, manche Verhaltensweisen zu tolerieren. Es ist ein langwieriger Prozess der Annäherung, der nicht ohne Rückfälle und gegenseitige Verletzungen abläuft.

Mit großem Feingefühl werden die Ereignisse aus drei verschiedenen Perspektiven geschildert. Grace und Ava erzählen abwechselnd über ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Man erlebt ihre Unsicherheit und die Trauer. Dazwischen gibt es Rückblicke auf Kellis Vergangenheit, welche nach und nach zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge beitragen. Viele von Kellis Verhaltensweisen sieht man mit der Zeit in einem völlig anderen Licht, je mehr man über sie erfährt. Kelli hatte offensichtlich Kummer, konnte aber mit niemandem darüber sprechen. Es gab da eine Sache in ihrer Vergangenheit, die sie nie verwunden hat. Niemand ahnte etwas vom Ausmaß ihrer Verzweiflung. Zu ihren Eltern hatte sie keinen Kontakt, und weder ihrem Exmann noch ihren Kindern konnte sie sich anvertrauen.

Es ist ein sehr emotionaler Roman. Hier geht es um sehr viel mehr als nur um eine Patchwork-Familie, die sich zusammenraufen muss. Hier geht es um Verluste und Trauerbewältigung und auch um mangelndes Vertrauen. Man merkt den Protagonisten an, dass sie mit der neuen Situation zuerst völlig überfordert sind, und man fühlt mit ihnen.
Obwohl das angesprochene Thema keine leichte Kost ist, lässt sich der Roman gut und flüssig lesen. Trotz der wechselnden Blickwinkel behält man als Leser stets den Überblick. Vieles klärt sich am Ende, aber es gibt auch offene Fäden, die weitergesponnen werden wollen. Aber es ist gut so, denn das wäre wieder eine andere Geschichte.



Montag, 6. Oktober 2014

Tochter der Elbe - Ricarda Jordan

Während der letzten vier Wochen hatte ich die Möglichkeit, an einer Vorab-Leserunde, im Rahmen der Lesejury-Lieblinge, von Bastei Lübbe teilnehmen zu dürfen. Herzlichen Dank an den Verlag für das Manuskript und diese tolle Gelegenheit.



Man schreibt das Jahr 1248:
Die hübsche Hilke führt ein gut behütetes Leben in Friedrichsdorf, in der Haseldorfer Marsch. Sie ist die Tochter des Dachdeckermeisters und in den Gesellen Jens verliebt. Die beiden jungen Menschen haben sich ein Heiratsversprechen gegeben.
Sehr liebevoll kümmert sich Hilke um Hein, ihren Freund seit Kindertagen, der bei ihrem Vater in die Lehre ging und seit einem schweren Unfall gelähmt ist.
Als es am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder, zu einer verheerenden Flut kommt, wobei große Teile der Haseldorfer Marsch zerstört werden und es viele Tote zu beklagen gibt, kann Hilke wie durch ein Wunder entkommen und auch Heins Leben retten. Nicht nur Hilke hat auf einen Schlag ihr Heim und ihre Familie verloren, auch viele andere trauern um ihre Angehörigen. Manche der Überlebenden sind verbittert, dass gerade Hein, der Krüppel, überlebt hat, während sie selbst ihre Liebsten nicht retten konnten. In der Gegend gibt es keine Zukunft für Hilke, denn ihr Verlobter Jens ist auf Wanderschaft, und sie soll einen anderen Mann heiraten, den sie nicht liebt. Spontan flieht sie gemeinsam mit Hein. Sie ist fest entschlossen, Jens zu finden. Ahnungslos begeben sich die beiden auf eine beschwerliche und gefahrvolle Reise und landen mitten im Kriegsgebiet, wo sich Erik IV. von Dänemark und sein Bruder Abel erbitterte Gefechte um die Herrschaft liefern.
Für Hilke und Hein beginnt eine Zeit der Höhen und Tiefen. In ihrem Leben erfahren sie einerseits Luxus, Glückseligkeit und Anerkennung, aber auch bitteres Elend, Kummer und Mutlosigkeit. Hilke kämpft um ihr Glück und ihre Liebe und wird nicht nur einmal bitter enttäuscht. Die Prüfungen, die das Schicksal für sie bereit hält, sind demütigend und unbarmherzig, aber die junge Frau gibt nicht auf.

Ricarda Jordans neuer Roman führt den Leser geradewegs mitten ins 13. Jahrhundert. Grundlage für Hilkes fiktive Geschichte bilden mehrere bedeutende historische Ereignisse. Alles beginnt mit der zerstörerischen Allerkindleinsflut, am 28. Dezember des Jahres 1248. Hier stellen sich die Weichen für das dramatische Schicksal von Hilke und Hein. Wenig später landen die Protagonisten mitten im Brennpunkt des zermürbenden Bruderkriegs zwischen dem Dänenkönig Erik IV. und seinem Bruder Abel. Die realen historischen Vorfälle gewinnen für die schöne Hilke immer mehr an Bedeutung und beeinflussen ihr Leben in hohem Maße.
Wie Hilke für ihr Glück kämpft, ist sehr lebendig und glaubhaft beschrieben. Sie ist nicht als untadelige Heldin dargestellt, die immer alles richtig macht, aber gerade ihre Fehler und Irrtümer lassen sie sehr real und lebendig erscheinen.
Besonders lag mir auch Heins Schicksal am Herzen. In diesem Roman erfährt man sehr deutlich und ungeschönt, wie rücksichts- und verständnislos zur damaligen Zeit mit Behinderten umgegangen wurde. Das Leben und die Menschen des dreizehnten Jahrhunderts werden in dieser Geschichte sehr anschaulich und gut dargestellt. Es ist ein Roman, der einen packt und mitträgt, der nicht nur gut unterhält, sondern daneben auch jede Menge an geschichtlichen Informationen liefert. Im letzten Viertel überschlagen sich die Ereignisse, und die Story gewinnt gewaltig an Fahrt. Hier ging es mir manchmal fast zu schnell. Aber andererseits konnte ich auch nicht erwarten, den Ausgang des Romans zu erfahren, so dass ich mich gerne von diesem Tempo habe mitreißen lassen.
Für mich war es die erste Bekanntschaft mit Ricarda Jordans Romanen, und der Schreibstil sowie das Konzept haben mich überzeugt, so dass ich sicher demnächst nach weiteren historischen Romanen der Autorin Ausschau halten werde.  




Donnerstag, 2. Oktober 2014

Rückblick auf den September 2014

Nun haben wir Herbst, der September ist vorbei, und hier kommt auch schon meine Rückschau auf die Bücher, die im vergangenen Monat für mich eine Rolle gespielt haben.
Von der Menge her war es für mich ein eher durchschnittlicher Lesemonat, denn ich habe zwar 9 Bücher geschafft, aber es waren "nur" 2749 Seiten. Eigentlich habe ich schon noch mehr gelesen, aber das war für eine Vorab-Leserunde, die noch nicht beendet ist, und so werden die dafür gelesenen Seiten erst im Oktober mit einfließen.
Qualitativ betrachtet war der Monat überdurchschnittlich, denn es gab für mich keinen Flop, sondern durchwegs sehr gut oder gut bewertete Bücher.


Alle Bücher sind bereits rezensiert, und ich habe sie im Anschluss noch einmal, mit Link zur jeweiligen Rezension, zusammengestellt:
Die Entscheidung, welches denn nun mein Favorit war, ist mir wieder mal nicht leicht gefallen, und es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wie gesagt, gut waren sie alle, und ich habe meine Wahl dann danach getroffen, welche Bücher mich emotional am meisten bewegt und am längsten beschäftigt haben, und es gibt diesmal zwei Sieger, die sich den goldenen Lorbeerkranz teilen müssen. Smiley lachend
Herzlichen Glückwunsch an meine Monatssieger September! 




Tja, und nun zu meinen Neuzugängen. Wie ihr an dem Stapel unten seht, waren es nicht gerade wenige *hust*. Vier Bücher davon sind Rezensionsexemplare, und ich habe auch einige Bücher getauscht und gekauft. 


Anfang September haben wir einen Ausflug zur Wartburg gemacht. Das war schon lange mein Wunsch, und endlich hat es sich zeitlich ergeben. 
Es war wirklich beeindruckend, dort auf den Spuren Elisabeths von Thüringen zu wandeln und in dem Zimmer zu verweilen, wo Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.
Leider hatte ich vor der Führung versäumt, mir eine Fotografiererlaubnis zu besorgen, so dass ich nur Außenaufnahmen machen konnte. Aber als ich dann entdeckte, dass es Lesezeichen mit einem Bild der Lutherstube gibt, musste ich natürlich eines mit nach Hause nehmen.

Wieder daheim, habe ich mir dann spontan Sabine Weigands Roman "Die Tore des Himmels" gekauft (siehe Neuzugänge unterstes Buch), denn darin geht es um Elisabeth von Thüringen, und ich bin schon sehr gespannt auf das Buch.

Als Kossi, zusammen mit dem Teewicht, über Facebook zu einem Rezeptwettbewerb aufgerufen hat, konnte ich nicht widerstehen und habe mitgemacht. Ich habe das hübsche Set, bestehend aus einer großen Teetasse, einer Dose und Teeproben gewonnen. Der Früchtetee "Feenduft", der ayurvedische Kräutertee und der Chai waren dann auch meine Neuheiten in Sachen Tee, denn ansonsten habe ich lauter Sorten getrunken, die ich schon länger in meinem Sortiment habe, beispielsweise gab es häufig "Summer Moon" und Sencha, die ich euch bereits hier vorgestellt habe. 



Das war es auch schon wieder mit meinem Monatsrückblick auf den September. 
Ich wünsche euch allen einen goldenen Oktober, hoffentlich mit noch ein wenig Sonne, schönen Herbstspaziergängen und natürlich mit vielen tollen Büchern.


Mittwoch, 1. Oktober 2014

Das Herzfleckpony - Christa Ludwig, Katja Gehrmann (Ill.)


Jona ist sieben Jahre alt. Als er seinen Freund Yannick besucht, ist dieser traurig. Jona wundert sich, denn meist hat Yannick gute Laune und lacht. Aber der kleine Yannick ist anders als andere Kinder, und er kann nicht so gut laufen. Darum stolpert er öfter, besonders wenn es bergab geht, und nun hat er sich am Knie weh getan.
Als Jona ein Telefongespräch seiner Schwester Kaja mithört, erfährt er von einer Adresse, wo es Ponys gibt. Da hat er eine Idee, wie er Yannick eine Freude machen kann. Jona kann schon lesen, besonders wenn das Buch auf dem Kopf steht. Als sich Jona, zusammen mit Yannick, seiner Freundin Cecilia und deren Hund Bingo auf die Suche nach den Ponys macht, muss er auch lesen: Straßenschilder, und da er auch diese verkehrt herum liest, gibt es ein Problem.

Jonas Weg ins Lesen gibt es in vier Etappen. Für Leseanfänger ab 6 Jahren ist natürlich der erste Band bestens geeignet. Nach und nach, mit zunehmenden Fähigkeiten, werden auch die Texte der folgenden drei Etappen etwas komplexer, die Wörter schwieriger.
„Das Herzfleckpony“ ist die dritte Etappe auf dem Weg ins Lesen und ist für Kinder von 7 bis 9 Jahren gedacht. Auf 62 Seiten „erlesen“ die Kinder ein spannendes Abenteuer, was natürlich besonders interessant ist, weil es Gleichaltrige erleben. Die Handlung wird auf allen Seiten von liebevoll gestalteten Illustrationen begleitet. Die Bilder sind nur in den Farben Schwarz-Weiß-Rot gehalten. Das passt gut zur Geschichte, denn Rot ist Yannicks Lieblingsfarbe. Diese Farbstellung ist übrigens bei allen Jona-Büchern so. Auch wenn es hauptsächlich ums Lesen geht, spricht das Buch auch ein besonderes Thema an, denn Jonas Freund Yannick ist anders als andere Kinder in diesem Alter. Er kann nicht gut sprechen und hat Probleme mit dem Laufen, darum beschließt Jona, dass sein Freund reiten soll. Hier erfahren die jungen Leser sehr viel darüber, wie Mitgefühl und Empathie gelebt werden können.
An einer Kreuzung, bei den Straßenschildern, gibt es ein Problem, denn Jona ist sich nicht sicher, ob sie nun rechts oder links abbiegen müssen. Diese Diskussion „rechts oder links“ könnte bei Kindern zu Unsicherheiten führen, aber das Schöne an so einer Geschichte ist ja, dass sie auch zu Gesprächen mit den Eltern, Großeltern oder auch älteren Geschwistern anregt, und da kann man ja dann gemeinsam klären, wo denn nun rechts oder links ist. Insgesamt geht es nicht nur darum, lesen zu lernen und das Gelesene zu verstehen, sondern die Kinder erfahren in dieser Geschichte noch viele andere interessante Dinge, beispielsweise über Ponys und in gewissem Sinn sogar etwas über Afrika. Wie es dazu kommt, ist hier vergnüglich und unterhaltsam geschildert.

Da sich die Geschichte sehr gut für ein anschließendes Gespräch eignet, kann man das Buch natürlich auch vorlesen. Wie wäre es beispielsweise, wenn sich Erwachsene und Kinder mit dem Vorlesen abwechseln. Und anschließend kommt sicher eine lebhafte Unterhaltung in Gang, wo man sich noch einmal über das Gelesene, über die Bilder oder die kleinen Helden der Geschichte austauscht. So macht das Lesenlernen nochmal so viel Spaß.  

Hier die vier Etappen von Jonas Weg ins Lesen, in der richtigen Reihenfolge: