Dienstag, 7. Oktober 2014

Ein Platz in deinem Herzen - Amy Hatvany


Seit Victors und Kellis Scheidung leben die gemeinsamen Kinder, die dreizehnjährige Ava und der siebenjährige Max, bei ihrer Mutter.
Victor hat in Grace mittlerweile die Frau fürs Leben getroffen und sich gerade erst mit ihr verlobt. Grace liebt ihren Beruf, und sie liebt Victor, aber in ihrer Lebensplanung sind keine Kinder vorgesehen, was von Victor voll und ganz akzeptiert wird, da er ja bereits aus seiner Ehe mit Kelli zwei Kinder hat. Dass Ava und Max die Wochenenden bei ihrem Vater verbringen, ist für Grace kein Problem, denn Victor zuliebe übernimmt sie gerne die Rolle der Teilzeit-Mutter.
Alles ändert sich, als Kelli plötzlich und unerwartet stirbt. Ava und Max müssen nun ganz zu ihrem Vater und Grace ziehen, und dieses neue Arrangement ist für alle Beteiligten sehr schwierig und zermürbend. Die Kinder suchen ganz unterschiedliche Ventile, um mit dem Verlust der Mutter fertig zu werden und ihre Trauer zu verarbeiten.
Grace sieht sich plötzlich in die Rolle der „Ersatzmutter“ gedrängt und weiß nicht, ob sie mit dieser Herausforderung fertig wird. Bei allem Verständnis für die Kinder und ihre Situation fällt es ihr doch schwer, manche Verhaltensweisen zu tolerieren. Es ist ein langwieriger Prozess der Annäherung, der nicht ohne Rückfälle und gegenseitige Verletzungen abläuft.

Mit großem Feingefühl werden die Ereignisse aus drei verschiedenen Perspektiven geschildert. Grace und Ava erzählen abwechselnd über ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Man erlebt ihre Unsicherheit und die Trauer. Dazwischen gibt es Rückblicke auf Kellis Vergangenheit, welche nach und nach zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge beitragen. Viele von Kellis Verhaltensweisen sieht man mit der Zeit in einem völlig anderen Licht, je mehr man über sie erfährt. Kelli hatte offensichtlich Kummer, konnte aber mit niemandem darüber sprechen. Es gab da eine Sache in ihrer Vergangenheit, die sie nie verwunden hat. Niemand ahnte etwas vom Ausmaß ihrer Verzweiflung. Zu ihren Eltern hatte sie keinen Kontakt, und weder ihrem Exmann noch ihren Kindern konnte sie sich anvertrauen.

Es ist ein sehr emotionaler Roman. Hier geht es um sehr viel mehr als nur um eine Patchwork-Familie, die sich zusammenraufen muss. Hier geht es um Verluste und Trauerbewältigung und auch um mangelndes Vertrauen. Man merkt den Protagonisten an, dass sie mit der neuen Situation zuerst völlig überfordert sind, und man fühlt mit ihnen.
Obwohl das angesprochene Thema keine leichte Kost ist, lässt sich der Roman gut und flüssig lesen. Trotz der wechselnden Blickwinkel behält man als Leser stets den Überblick. Vieles klärt sich am Ende, aber es gibt auch offene Fäden, die weitergesponnen werden wollen. Aber es ist gut so, denn das wäre wieder eine andere Geschichte.



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