Sonntag, 26. Oktober 2014

Die falsche Gouvernante - Jen Turano


New York 1880: Lady Eliza Sumner steht vor dem Nichts. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie um ihr Erbe betrogen und verlor ihren Verlobten. Nun hat sie die lange Reise nach New York auf sich genommen, um den Mann zu suchen, der ihr Vermögen veruntreut hat. Da sie völlig mittellos ist, arbeitet sie als Gouvernante. Während einer Einladung begegnet sie Hamilton Beckett. Der attraktive Witwer wird gerne zu Gesellschaften eingeladen, denn so ziemlich alle Eltern einer Tochter im heiratsfähigen Alter würden ihn nur allzu gerne als Schwiegersohn in ihre Familie aufnehmen. Aber er gibt sich mürrisch, und er hat zwei kleine Kinder, die allgemein als schwierig gelten, denn sie haben bisher schon jedes Kindermädchen in die Flucht geschlagen.

Schon beim ersten Treffen spüren Eliza und auch Hamilton eine gewisse Faszination. In der Tat haben sie einiges gemeinsam, wie sich herausstellt. Sie wurden in ihrem bisherigen Leben enttäuscht und haben das Vertrauen in andere Menschen verloren. Beide hegen daher nicht den Wunsch, eine neue Beziehung einzugehen. Außerdem ist nicht nur Eliza hinter dem betrügerischen Verwalter her, der sie um ihr Erbe brachte, auch Hamilton ist einer mysteriösen Sache auf der Spur, denn jemand scheint sein Unternehmen und seine Geschäfte zu sabotieren. Bei den Bemühungen, ihre Probleme zu lösen und ihren jeweiligen Kontrahenten zu stellen, kreuzen sich ihre Wege erneut...

Man muss sie einfach gerne haben, die bezaubernde Eliza Sumner. Anfangs macht sie einen etwas tollpatschigen Eindruck, der aber durchaus beabsichtigt ist, da sie unerkannt bleiben möchte. Den attraktiven Witwer Hamilton kann sie jedoch nicht täuschen, denn er durchschaut ihre Maskerade und blickt hinter die Fassade , die sie als Schutz um sich errichtet hat.
Als die beiden erkennen, dass ihre finanziellen Probleme gewissermaßen zusammenhängen, machen sie gemeinsame Sache. Dabei kommen sie sich auch persönlich näher, und Eliza stellt zu ihrem Erstaunen fest, dass Hamilton gar nicht so mürrisch ist, wie sie vermutet hat. Bei seinen beiden kleinen Kindern könnte man wirklich sagen, es ist Liebe auf den ersten Biss. ;-) Wer erfahren möchte, was ich mit dieser Wortspielerei meine, muss den Roman aber schon selbst lesen.

Die Heldinnen des Romans sind ganz und gar nicht die angepassten, zarten Frauchen, die immer auf die Gunst ihrer männlichen Begleiter angewiesen sind und rund um die Uhr beschützt werden wollen. Eliza und die anderen weiblichen Charaktere, die im Roman eine größere Rolle spielen, sind selbstbewusst und lassen sich nicht so leicht von den Herren der Schöpfung ins Bockshorn jagen. Sie können sich durchsetzen und sind durchaus in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Somit gibt der Roman sehr schön den Zeitgeist wieder, der zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte, denn damals nahm die Suffragettenbewegung ihren Anfang, und es wurde sozusagen der Grundstein für die Emanzipation der Frauen gelegt. Eliza ist ein Kind ihrer Zeit, denn sie kann einerseits ganz als adlige, elegante Dame auftreten, aber sie hat nicht nur im übertragenen Sinn die Hosen an. Sie beweist Tatkraft und Courage, und sie ist nicht auf den Mund gefallen, was häufig zu sehr amüsanten Dialogen führt, denn sie liefert sich mit Hamilton immer wieder interessante und auch vergnügliche Wortgefechte.
Aber es gibt durchaus auch ernste Töne in diesem Buch, denn Eliza erkennt, was ihr im Leben wirklich wichtig ist. Im Bezug auf ihre Mitmenschen erlebt sie so manche Enttäuschung, aber auch einige sehr positive Überraschungen. Es ist ein langer und abenteuerlicher Weg bis Eliza ihr Vertrauen in die Menschheit und ihren Glauben zurückerlangt.

Vieles ist sicher vorhersehbar, und so manche Situation wirkt ein wenig übertrieben, aber das sehe ich durchaus nicht als Makel der Geschichte, denn die Autorin hat viele Szenen geschaffen, die von ihrer heiteren Theatralik leben. Jen Turanos Debüt ist ein spannender und sehr humorvoller historischer Liebesroman, der einerseits einen hohen Unterhaltungswert bietet, sich dabei aber auch tiefgründig mit den wahren Werten im Leben befasst. Der christliche Glaube ist durchgehend ein wichtiges Thema in der Handlung, ohne dabei jedoch allzu dominant im Vordergrund zu stehen.


Kommentare:

  1. Hört sich interesant an!
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe ihn auch gelesen, allerdings ein bisschen mehr gekrittelt. Insgesamt aber nicht schlecht und sympathische Charaktere. Ich denke, die Autorin wird sich noch steigern.

    AntwortenLöschen