Donnerstag, 4. September 2014

Das kurze Leben der Bernadette Lefthand - Ron Querry


Kurzbeschreibung:
Warum musste Bernadette Lefthand sterben? Um diese Frage kreist der Roman. Sie zieht den Leser von der ersten Seite in ihren Bann. Erzählt wird das kurze, erst glückliche, dann aber traurig sich wendende und schließlich so tragisch endende Leben der schönen, jungen Bernadette Lefthand, die sich wie keine andere Apachin auf die Kunst der traditionellen Tänze ihres Stammes versteht und so die Herzen aller gewinnt. Ihr Herz aber gehört dem jungen Navajo Anderson George, den sie aus dem Indianerinternat in Santa Fé kennt und heiratet. Ihr Glück scheint vollkommen, als sie seinen Sohn Anthony zur Welt bringt. Doch dunkle Schatten legen sich auf ihr Leben.

Mein Eindruck:
Dass die schöne Bernadette tot ist, erfährt man bereits auf der ersten Seite des Romans; sie wurde auf grausame Weise umgebracht. Der Verdacht fällt sofort auf ihren Mann Anderson George, der seit dem Mord verschwunden ist.
Immer abwechselnd aus der Sicht von Gracie, Bernadettes jüngerer Schwester uns Starr, der weißen Frau eines Countrysängers, erfährt man in Rückblicken, wie es zur Verbindung zwischen Anderson George und Bernadette Lefthand kam und wie sich alles entwickelt hat, bis zu jenem verhängnisvollen Abend, als Bernadette wieder einmal auf einem Powwow tanzte und ihr Mann sturzbetrunken war.
Es ist eine fiktive Geschichte, die jedoch sehr viel Wahrheit und realistische Einblicke in die heutige indianische Kultur enthält. Nach und nach werden die Puzzlesteine zusammengesetzt, die zu der grausamen Tat an Bernadette Lefthand führten. Bei den Schilderungen kommen weder Weiße noch Indianer einseitig gut oder schlecht weg. Ron Querry, der Autor, gehört zum Stamm der Choctaw und beschreibt das Leben und die Probleme, die sich im Reservat ergeben, sehr eindringlich. Was man erfährt, ist ernüchternd und weit entfernt von jeglicher Wildwest- oder Indianerromantik.

Letztendlich waren mir aber die Eindrücke der beiden Ich-Erzählerinnen teilweise zu ausschweifend. Besonders die sechzehnjährige Gracie verzettelt sich bei ihren Ausführungen. Im leichten Plauderton, eigentlich wie ihr der Schnabel gewachsen ist bzw. wie eine Sechzehnjährige eben redet, hüpft sie von einem Thema zu anderen, so dass ich manchmal Mühe hatte, die Verbindungen zu knüpfen. Einerseits ist mir klar, was sich der Autor dabei gedacht hat; er wollte die Geschichte möglichst authentisch darstellen. Aber für mich als Leser war es beschwerlich, die Essenz aus dem Geschriebenen zu ziehen. Trotz meiner Kritikpunkte halte ich diesen Roman für wichtig und lesenswert für alle, die sich in irgendeiner Form mit der indianischen Kultur und Geschichte auseinandersetzen.


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