Samstag, 23. August 2014

Himmelfahrt - Richard Dübell



Den Landshutern steht im wahrsten Sinn des Wortes das Wasser bis zum Hals, denn weite Teile der Stadt sind überschwemmt, und die Bevölkerung ist rund um die Uhr auf den Beinen, um die eigenen Keller oder die ihrer Freunde leer zu schöpfen. Ein Mord passt gar nicht ins Konzept, denn auch die Polizei ist im Dauereinsatz. Zudem hat Hauptkommissar Peter Bernward auch noch private Probleme, denn seine Kollegin Flora hat die private Beziehung beendet. Als die Leiche eines bekannten Bauunternehmers gefunden wird, übergibt der Polizeichef Flora den Fall, denn er traut der Zusammenarbeit des bisher so erfolgreichen Teams, wegen privater Befangenheit, nicht mehr über den Weg. Peter Bernward ermittelt inzwischen „undercover“ und entdeckt einige Zusammenhänge zwischen dem jetzigen Toten und dem Fall, mit dem er selbst gerade beauftragt ist. Der aktuelle Mord an dem Bauunternehmer scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein, denn die Ursachen reichen weit in die Vergangenheit zurück.

Zu diesem Krimi gibt es bereits einen Vorgänger, denn schon in „Allerheiligen“ hat der Landshuter Kommissar Peter Bernward ermittelt. Auch ohne die Vorgeschichte gelesen zu haben, findet man sich bestens zurecht, denn die wichtigsten Ereignisse werden erwähnt. Im ersten Band scheint sich das Verhältnis zu Flora Sander angebahnt zu haben. Nun ist das Paar getrennt, nicht nur privat, sondern auch beruflich, wobei die Situation beide Seiten ziemlich belastet, denn sowohl Flora als auch Peter weilen in Gedanken sehr oft beim ehemaligen Partner, besonders wenn es bei den Ermittlungen kritisch wird. Man merkt sehr deutlich, dass dies ein Team war, wo sich einer auf den anderen verlassen konnte, und die Erinnerungen sind immer von einem Hauch Schwermut überschattet. Obwohl Flora inzwischen einen anderen Mann kennengelernt hat, ist sie unsicher, wie sie sich letztendlich entscheiden soll.

Sowohl die Entwicklung des Kriminalfalls als auch die privaten Details der Beziehung Bernward/Sander sind sehr detailliert und tiefsinnig beschrieben. Die beiden Beteiligten sind mit ihren Gedanken nicht bei der Sache, was sich auch auf die Arbeit auswirkt, denn jede Bemerkung des Anderen wird auf die Goldwaage gelegt. Die Problematik ist gut erfasst, denn das Ende einer Beziehung, die sich nicht auf den privaten Bereich beschränkte, sondern auch in den Beruf übergreift, macht besonders dünnhäutig.
Einerseits kann ich nachvollziehen, worum es Flora geht und wieso sie Peter verlassen hat, was sehr viel mit dem Verhalten ihres ersten Mannes zu tun hat, allerdings ist ihre Reaktion schon etwas extrem, und das eigentliche Problem ist die Sprachlosigkeit zwischen den Parteien. Vieles würde sich ganz sicher mit einem klärenden Gespräch bereinigen lassen, aber dazu ist Flora (noch) nicht bereit, und so fragt sich Peter Bernward, wieso diese Beziehung sprichwörtlich „baden gegangen“ ist.
Das nasse Element spielt durchgehend eine große Rolle im Roman, wobei es jedoch alles andere als feuchtfröhlich zugeht.
Neben Peter und Flora hat der Roman noch einige sehr interessante Charaktere zu bieten. Blättert man ganz ans Ende des Buches, findet man dort eine detaillierte Personenaufstellung, mit kurzen aber sehr treffenden Beschreibungen der einzelnen Beteiligten.
Die Story entwickelt sich rasant und sehr spannend und ist für so manche überraschende Wendung gut. Ganz nebenbei kriegt man auch viel vom Landshuter Flair vermittelt, auch wenn der Charme der Stadt zum beschriebenen Zeitpunkt sehr unter den Wassermassen leidet. Obwohl die Lage insgesamt sehr ernst ist, blitzt von Zeit zu Zeit Humor auf, wenn auch oft mit einem leicht sarkastischen Unterton.
Auf jeden Fall bekommt man hier allerbeste Krimikost, mit viel Lokalkolorit geboten.

Eine Besonderheit ist mir noch aufgefallen. Unter anderem lernt man auch Peter Bernwards Vater kennen, der sich ausgiebig mit Ahnenforschung beschäftigt und herausgefunden hat, dass ein Vorfahr der Familie, der im Mittelalter lebte, ebenfalls Peter Bernward hieß.

Schaut man sich die Tuchhändler-Reihe des Autors an, wird man feststellen, dass es hier um eben diesen Peter Bernward in der Vergangenheit geht. Richard Dübell hat also eine sehr geschickte Verbindung zwischen seinen historischen Romanen und den Krimis geknüpft und damit gleich mein Interesse geweckt, denn ich mag derartige Zusammenhänge. Demnächst werde ich mir wohl nicht nur „Allerheiligen“ besorgen, sondern auch diese historische Romanreihe einmal näher ansehen.


Mein Dank für das Rezensionsexemplar geht an Blogg-dein-Buch und den Ullstein Verlag, wo das Buch auch direkt bezogen werden kann: Klick


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