Sonntag, 10. August 2014

Der Mann in Nachbars Garten - Elke Becker


Gerade hat sich die Grafikerin Eva ihren Traum erfüllt, in ihrer Lieblingsstadt London zu leben und zu arbeiten, als es in ihrem Privatleben einige unschöne Ereignisse gibt. Ihr Freund Sascha, der eigentlich zu ihr nach London ziehen wollte, überlegt es sich plötzlich anders. Dabei hat er nicht einmal den Mut, über die Trennung mit ihr persönlich zu sprechen, sondern er fertigt sie eiskalt am Telefon ab.
Als Eva dann auch noch erfährt, dass ihre Eltern einen schweren Autounfall hatten und ihre Hilfe brauchen, gerät ihre Karriere ins Wanken, denn sie muss zurück nach Deutschland, um sich um ihren Vater zu kümmern. Das ist nicht so einfach, denn der alte Herr ist etwas eigen, was seine regelmäßigen Mahlzeiten angeht. Selbst kleinste Handgriffe wurden ihm bisher von seiner Frau abgenommen. Eva muss so manchen Disput mit ihm ausfechten, den Haushalt versorgen und zwischendurch ihren kleinen Neffen hüten. Dabei darf sie ihre beruflichen Verpflichtungen nicht vernachlässigen, denn sie arbeitet nun von Deutschland aus für die Agentur und möchte die an sie gestellten Erwartungen unbedingt erfüllen. Dann läuft ihr auch noch ein attraktiver Mann über den Weg und das ausgerechnet im Nachbarsgarten ihrer Eltern. David sieht nicht nur gut aus, er ist auch sehr sympathisch, aber die Sache hat einen Haken: er wohnt nicht allein im Nachbarhaus, sondern er hat Frau und Sohn.

Eines haben Elke Beckers Romane gemeinsam, sie handeln alle von starken, selbstbewussten und sympathischen Frauen, die an ihren Problemen wachsen und ihren individuellen Weg finden. Auch Eva gehört zu dieser Gattung. Sie muss sich mit einem unaufrichtigen, feigen Freund herumärgern, der ihr die Wahrheit nicht ins Gesicht sagen möchte, sie soll daneben ihren eigenwilligen, störrischen Vater versorgen, und sie muss sich so ganz nebenbei beruflich behaupten, denn ihr neuer Job steht auf dem Spiel, wenn sie versagt. Aber auch starke Frauen dürfen ab und zu schwach werden, in diesem Fall wird Eva es immer, wenn sie dem sympathischen Nachbarn David begegnet...

Von der englischen Großstadtmetropole zurück ins deutsche Landleben; Eva empfindet den Unterschied sehr krass, als sie in ihren alten Heimatort Holzhausen zurückkehrt. Alles dort wirkt so piefig auf sie.
Evas schwierige Gratwanderung zwischen Beruf und Privatleben wird sehr lebendig und mit viel Herz beschrieben. Alles, was sie erlebt und ihre neuen Erfahrungen sind so richtig aus dem prallen Leben gegriffen.
Evas Vater ist schon ein Unikum, hat aber nicht mit ihrer Hartnäckigkeit gerechnet, wenn es darum geht, ihre Interessen zu wahren. Solche Charaktere gibt es durchaus, gerade in ländlichen Regionen, und trotz seiner Macken wirkt der Senior auf seine Art liebenswert. Überhaupt gelingt es der Autorin, fast jedem ihrer Protagonisten etwas Positives abzugewinnen, ohne dabei einseitig zu wirken oder an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, sondern blitzt immer wieder vorwitzig durch.

Schon wenn man das Cover betrachtet, kommt Vorfreude auf, und diese wird nicht enttäuscht. Die weitgehend positive Stimmung, die vielfältigen, sympathischen Charaktere und die turbulente Handlung machen diesen Roman zu einer unterhaltsamen, amüsanten Sommerlektüre, in der natürlich auch die Liebe nicht zu kurz kommt.



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