Freitag, 29. August 2014

Der Duft von Zitronen - Brigitta D'Orazio


Zusammen mit ihrer Tante Annette betreibt Carolina ein kleines Café. Sie ist Konditorin mit Leib und Seele, und die Herstellung von Pralinen ist ihre große Leidenschaft. Eines Tages erfahren die zwei Frauen, dass das Haus, in dem sich ihre Wohnungen befinden und welches auch das Café Sonnenschein beherbergt, verkauft werden und einem modernen Bürogebäude weichen soll. Ausgerechnet in den Anwalt Julian, der bei diesem Immobilienverkauf die Gegenseite vertritt, hat sich Carolina verliebt. Sie fühlt sich verraten und ergreift die Flucht, vor Julian und ihren eigenen Gefühlen. Nun ist sie fest entschlossen, allen Kummer hinter sich zu lassen und sich nach Italien, auf die Suche nach ihren Wurzeln, zu begeben.

Mein erster Eindruck war, dass dies hauptsächlich ein humorvoller Roman sei, aber sehr schnell wird klar, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist, wie der Name des hübschen kleinen Cafés verspricht, wo alles beginnt. Bald merkt man, dass sich hinter Carolinas fröhlicher Maske eine nachdenkliche junge Frau verbirgt, die mit ihren Gefühlen zu kämpfen hat. Nicht nur, dass sie sich in den attraktiven Julian verliebt, auch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen sind nicht einfach. Ihre Mutter ist vor vielen Jahren gestorben, und Carolina wuchs bei ihrer Tante auf, die ihr jedoch nie die Liebe entgegenbringen konnte, die das kleine, einsame Mädchen verdient hätte. Carolina weiß nicht viel über ihren Vater; ihr ist nur bekannt, dass ihre Wurzeln irgendwo in Italien liegen.
Ihre impulsive Art, vor Problemen wegzulaufen, stürzt sie fast in ein neues Unglück. Nur gut, dass sie Fernando begegnet. Der alte Mann, der fast ihr Schwiegergroßvater geworden wäre, besitzt sehr viel Lebensklugheit und spielt auch gerne ein wenig Schicksal. Ihm hat Carolina so einiges zu verdanken, und auch Annette erkennt erst durch ihn, dass ihre Nichte ihr letztendlich viel mehr bedeutet, als sie sich eingestehen möchte.
Es ist ein sehr warmherziger Roman, in dem es um große Gefühle, um die Familie und um Italien geht. Man begegnet in dieser Geschichte vielen interessanten Charakteren, die (fast) alle auch sehr sympathisch dargestellt sind. Nicht zuletzt erobern zwei vierbeinige, bellende Helden die Herzen der Leser, denn an dem kleinen Streusel und dem großen Puccini kommt man einfach nicht vorbei.

Eigentlich ist es der perfekte Urlaubsroman, mit viel Romantik und italienischem Flair, eine prima Mischung aus humorvollen und ernsten Tönen. Mir hat er auch sehr gut gefallen. Lediglich die kleinen „übersinnlichen“ Komponenten haben mich ein wenig irritiert, denn so manch einer der Protagonisten kann Gedanken lesen, und das war mir dann, in einer Geschichte, die einerseits sehr realistisch ist, ein wenig zu viel an „besonderen Gaben“. Aber der Roman ist auf jeden Fall lesens- und liebenswert und bekommt von mir ganz dicke vier Sterne.


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