Mittwoch, 27. August 2014

Das Rosenholzzimmer - Anna Romer


Nach dem Tod ihres Mannes Tony erhält die Fotografin Audrey Kepler die Nachricht, dass sie ein altes Haus geerbt hat. Nach einigem Zögern und Nachdenken beschließt sie, das Erbe anzutreten und mit ihrer Tochter Bronwyn in das alte Haus nach Queensland zu ziehen. Wie sich bald herausstellt, hat Thornwood House Samuel Riordan gehört, Tonys Großvater.
Schon sehr bald nach ihrem Einzug spürt Audrey oft eine ganz besondere Verbindung zur Vergangenheit, besonders wenn sie sich in Samuels Schlafzimmer mit den alten Rosenholzmöbeln aufhält. Über Samuel gibt es schlimme Gerüchte. So erfährt Audrey, dass er im Verdacht stand, kurz nach dem Krieg eine junge Frau umgebracht zu haben. Mit der Zeit findet sie heraus, dass in der Schlucht, wo damals angeblich der Mord geschah, später auch Tonys Schwester zu Tode kam, und das waren nicht die einzigen mysteriösen Todesfälle. Es scheint ein Fluch auf der Familie zu liegen, und Audrey setzt alles daran, die Wahrheit zu ergründen, denn immerhin ist es auch Bronwyns Familie, die immer wieder in düstere, bedrohliche Ereignisse verwickelt war. Bald muss Audrey erkennen, dass die Gefahr noch lange nicht vorüber ist.
Was diesen Roman angeht, bin ich etwas zwiegespalten, wenn es darum geht, wie er mir gefallen hat. Mit Audrey und ihrer Tochter Bronwyn hat die Geschichte zwei sympathische weibliche Charaktere, die sich in dem geerbten alten Haus ein neues Leben aufbauen möchten, denn in der Vergangenheit mussten sie einige bittere Erfahrungen machen. Audreys Angst, sich erneut auf eine Bindung einzulassen, konnte ich gut nachvollziehen, denn ihre Beziehung zu Tony, Bronwyns Vater, war nicht von langer Dauer und endete enttäuschend. Das Tony nun tot ist, macht wiederum Bronwyn sehr zu schaffen, denn sie hing sehr an ihrem Vater.
Rätselhaft sind die Umstände seines Todes, und Audrey kann es nicht begreifen, wieso er seine Tochter verlassen hat. Die offene Art, wie sie in ihrer neuen Heimat die Nachforschungen über Tonys Familie und die Umstände der unglücklichen Ereignisse der Vergangenheit anstellt, hat mir gut gefallen, obwohl sie gerne ein wenig über die Stränge schlägt und manchmal fast etwas zu vorwitzig und neugierig ist, was stellenweise taktlos wirkt. Die Stimmung ist sehr oft düster und beklemmend, und Audrey hat sehr lebhafte Visionen, die beklemmend real dargestellt sind, jedoch dadurch für mich nicht unbedingt glaubhaft wirken.

Die Art, wie die Autorin Thornwood House und seine Umgebung schildert, ist wunderschön. Sie malt mit Worten farbenprächtige Bilder von Flora und Fauna rund um das alte Haus, so dass man sich die Umgebung sehr gut vorstellen kann. Allerdings ist dies irgendwann ausgereizt, und ich habe mich doch häufiger dabei ertappt, unaufmerksam zu werden, weil die Schilderungen sehr üppig und ausschweifend angelegt sind. Ich hatte zeitweise den Eindruck, dass die Autorin von allem zu viel in ihren Roman einfließen lassen wollte, denn auch am Ende hat sie es fast zu gut gemeint. Die Dinge überschlagen sich, und viele Antworten auf die Fragen, die sich vorher ergeben haben, fallen meines Erachtens etwas fadenscheinig und unglaubwürdig aus. Es gibt einige Situationen, die ich so nicht nachvollziehen konnte, und manche Erklärungen haben mich richtiggehend enttäuscht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich das letzte Drittel des Buches fast am Stück gelesen habe, weil es mich doch fesseln konnte, und auch, wenn das Ende nicht in allen Punkten zufriedenstellend für mich war, so hat mir der Roman doch einige interessante und spannende Lesestunden beschert und mir dabei einen australischen Landstrich nahe gebracht, über den ich bisher kaum etwas wusste. 

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