Donnerstag, 1. Mai 2014

Kein Gott wie jeder andere - Chris Lind


Nach über 2000 Jahren erwachen plötzlich die Götter des Olymp. In der neuen Zeit kommen sie nur schwer zurecht und suchen kompetente Hilfe.
Dabei stoßen sie auf die PR-Agentur von Dr. Cassandra Leda, von ihren Freunden Cassie genannt. Cassie hat sich, nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann, mit der kleinen Agentur selbständig gemacht und wartet bisher vergeblich auf Kunden. Auch muss sie sich zu allem Überfluss noch mit den wohlmeinenden Ratschlägen ihrer Familie herumschlagen. Das ändert sich, als eines Tages Zeus, Hades, Poseidon und Hermes in ihrem Büro auftauchen und um Beratung ersuchen, denn sie haben beschlossen, in Deutschland sesshaft zu werden. Nachdem Cassie den ersten Schreck überwunden hat, übernimmt sie die Betreuung und die Eingliederung der Stammbesetzung des Olymp, denn immerhin sind es ihre ersten Kunden! Aber der nun einsetzende Erfolg hat zwei Seiten, denn bald werden die Öffentlichkeit und die Presse aufmerksam, und der Journalist Lennart hat den Verdacht, dass mit Cassies Kunden etwas nicht stimmt.

Chris Linds neuer Roman lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken; man könnte sagen, es ist eine Mischung aus Chick Lit und Urban Fantasy, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt. Da ich normalerweise nicht der große Fan von Chick Lit Romanen bin, war ich anfangs ein wenig skeptisch, aber gleichzeitig auch neugierig, wie sich denn die griechischen Götter in so eine Story integrieren lassen. Im Nu hatte ich mich jedoch in die Geschichte eingelesen, denn diese nimmt einen von der ersten Seite an gefangen. Man stelle sich die Götter vor, wie sie nach über 2000 Jahren aus ihrem Tiefschlaf erwachen und einen etwas verwahrlosten Olymp vorfinden. Auf die PR-Agentur von Cassandra Leda werden die Olympioi wegen des Namens der Ich-Erzählerin aufmerksam. Da war doch was, damals, mit Zeus und einem Schwan…  ;-)
Mit der Betreuung ihrer göttlichen Kunden ändert sich Cassies Leben total. Sie muss nicht nur für jeden von ihnen eine vernünftige und persönlich passende Beschäftigung finden, sondern auch noch Schadensbegrenzung bei deren Eskapaden betreiben, denn es ist sicher einfacher, einen Sack Flöhe zu hüten als über das ordentliche und sozial korrekte Benehmen von Zeus & Co. zu wachen.
Auch Cassandras Privatleben, das seit ihrer Scheidung eher ruhig verlaufen ist, wird nun kräftig aufgemischt, denn plötzlich gibt es zwei Verehrer, die in einen göttlich-menschlichen Wettstreit um sie treten.
Der Schreibstil ist locker-leicht, und Cassie hat immer einen flotten Spruch parat, der einen zum Schmunzeln bringt. Über die Götter des Olymp erfährt man so ganz nebenbei sehr viel; man lernt sie, mit ihren guten und schlechten und oft sehr menschlichen Eigenschaften, sehr ausgiebig kennen. Die einzelnen Charaktere sind wunderbar treffend beschrieben. Ich habe vor Jahren ein Buch mit griechischen Göttersagen gelesen. Vieles davon habe ich im Lauf der Zeit vergessen, aber die hier im Roman geschilderten Eigenheiten haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert.
Hat man sich bisher noch nicht mit den griechischen Göttern beschäftigt, findet man hilfreiche Unterstützung im Anhang des Buches, denn dort gibt es einige aufschlussreiche Aufstellungen, über die Götter selbst und über die Affären von Zeus und Apollo. Außerdem findet man dort noch wissenswerte Erläuterungen zu den alten Mythen.

Wie man im Nachwort der Autorin erfährt, wird es nicht bei diesem einen Roman bleiben, denn anscheinend haben die Götter des Olymp die Werbetrommel für Cassies Agentur gerührt und andere Gottheiten aufmerksam gemacht. Ich denke, die Chancen stehen gut, dass wir in den Genuss weiterer „göttlich-phantastischer“ Geschichten kommen, und ich freue mich schon darauf!


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