Freitag, 30. Mai 2014

Ist da jemand? Gott und meine Zweifel - Beatrice von Weizsäcker

Ist da jemand? Gott und meine Zweifel
Beatrice von Weizsäcker
Piper Verlag, 320 Seiten
ISBN: 349230415X


In diesem, ihrem neuesten Buch, äußert sich die Autorin zu ihrem persönlichen Standpunkt in Glaubensfragen. Sie macht es sich nicht einfach, wenn es um religiöse Themen geht. Ihre Sichtweise ist einerseits geradlinig, aber viele ihrer Erkenntnisse hat sie erst nach mühevollen Umwegen errungen. Was in der Bibel steht, ist von Menschenhand geschrieben, und mit Vorsicht zu genießen, denn man muss berücksichtigen, dass die Menschen damals ein völlig anderes Weltbild hatten, das mit dem heutigen Wissen oft kaum noch übereinstimmt, und dementsprechend haben sie auch ihre Schriften verfasst. So enthält die Heilige Schrift nicht Gottes Wort, sondern die Worte von Menschen, die damals gelebt haben. Genauso verhält es sich mit der Kirche und ihren Regeln. Auch dieses Gefüge stammt von Menschenhand, und nicht alles, was im Namen der Religion geschah oder geschieht, ist zugleich auch Gottes Wille. Manch einer mag diese Sichtweise für provokativ halten, aber es ist nun mal eine Tatsache. Mit ihrer Sicht der Dinge spricht mir Frau von Weizsäcker aus dem Herzen. Auch wenn ich nicht all ihre Gedanken und Überlegungen für mich annehmen kann, so stimme ich ihr in vielen Dingen zu. Glauben ist eben etwas sehr Individuelles, und jeder muss sich seinen eigenen Weg suchen.
Hierzu liefert die Autorin eine Fülle von Denkanstößen. Sie zweifelt und hinterfragt, und doch glaubt sie, denn ihrer Meinung nach ist ein Glaube ohne Zweifel nicht zu haben. Das ist tröstlich, denn man ist nicht gleich ein Ungläubiger oder ein schlechter Christ, nur weil man nicht allem zustimmt, was in der Bibel steht oder was die Kirche sagt.
Manches war mir fast zu ausgiebig behandelt, einige Themen für mein Empfinden regelrecht zerpflückt, und die Gedanken drehen sich im Kreis. Aber auch dieses „Umkreisen“ eines Themas sagt mir letztendlich, dass der Geist nicht zur Ruhe kommt, weil es eben auf viele menschliche Fragen keine erschöpfende Antwort geben kann.
Für mich persönlich war das Buch eine Bereicherung. Ich habe neue Erkenntnisse für mich gewonnen und andere bestätigt gefunden. Auch wenn ich während des Lesens im Geist häufig widersprochen habe, so konnte ich doch einige Gedankenwege mit der Autorin gemeinsam gehen. Sinn des Buches ist ja nicht, zu allem „Ja und Amen“ zu sagen, sondern es sollte jeden aufrütteln und dazu anregen, sich selbst Gedanken zu machen und einen eigenen Weg im „Religionsdschungel“ oder „Glaubenslabyrinth“ zu finden.



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