Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Pralinenkur - Marian Mudder



Klappentext:
Evas Rezept für ein tolles Leben: Gutes Essen, Champagner, Schokolade, Sex

Eva ist Anfang vierzig und genießt ihr Leben in vollen Zügen: gutes Essen, Champagner, Schokolade, guter Sex und die Liebe an und für sich. Zusammen mit einer Freundin betreibt sie sehr erfolgreich einen Cateringservice. Sie kocht leidenschaftlich gerne und ist eine vollkommene Genießerin. Ihr Herz gehört Damien, Kriegsfotograf und Typ einsamer Wolf, mit dem sie regelmäßig aufregende Stunden verbringt, bis er mal wieder für Wochen ohne ein Lebenszeichen in das nächste Krisengebiet verschwindet. Eva wähnt ihr Leben perfekt, bis Damien sie plötzlich verlässt. Nach anfänglichem Schock beginnt sie mit Hilfe eines unkonventionellen Psychotherapeuten und jeder Menge selbstgemachter Pralinen, sich selbst, den Männern und der Liebe ein Stückchen näher zu kommen … 

„Mit viel Witz und großartigen Situationen, die jede Frau kennt.“ – Esta Magazine

Mein Eindruck:
Wer hier einen fröhlich-frechen Frauenroman erwartet, mit der humorvollen Lösung von eher undramatischen Beziehungsproblemen und einer Bereicherungen der häuslichen Rezeptsammlung, wird eine Überraschung erleben. Ob diese positiv oder negativ ausfällt, liegt wohl im Auge des Betrachters.
Es geht um Eva, die zusammen mit ihrer besten Freundin ein kleines Catering-Unternehmen betreibt. Sie lebt in einer „glücklichen“ Beziehung mit Damien, einem Naturfotografen, der viel unterwegs ist. In der wenigen gemeinsamen Zeit, die dem Paar bleibt, versucht Eva mit allen Mitteln, den Geliebten glücklich zu machen und nach Strich und Faden zu verwöhnen. Als Damien sie verlässt, zum beiderseitigen Wohle, wie er betont, bricht für Eva eine Welt zusammen. Auf Empfehlung ihrer Freundin wendet sie sich an einen Therapeuten. Mit Hilfe des sympathischen älteren Herrn und jeder Menge Süßigkeiten versucht sie, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Sie hält Rückschau und erinnert sich an all ihre verflossenen Liebhaber.
Anfangs konnte ich wenig Verständnis für Eva aufbringen, und so richtig warm geworden bin ich bis zuletzt nicht mit ihr. Sie versucht ständig, es ihrem gerade aktuellen Partner hundertprozentig recht zu machen. Ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle bleiben dabei auf der Strecke. Wenn sie nicht gerade dabei ist, für ein anstehendes Event zu kochen oder ihr Liebesleben zu überdenken, lässt sie sich gerne über ihre Mitmenschen aus, wobei sie auch ihre beste Freundin nicht verschont. Das Verhältnis der beiden Frauen ist von gegenseitigen Neidgefühlen, Rivalität und Kritik überschattet, so habe ich das zumindest empfunden. Viele von Evas Handlungen sind unüberlegt und widersprüchlich. Einerseits tut ihr das Ei leid, aus dem kein Huhn mehr werden kann, wenn man es zum Kochen verwendet, dann schlürft sie wieder mit großem Genuss lebende Austern. Wie man diese mit Sauce Hollandaise zubereitet, wird in einem der wenigen Rezepte beschrieben, die im Buch zu finden sind.
Wenn Eva von Liebe spricht, hat man den Eindruck, dass sie hier eher den körperlichen Aspekt und weniger die Gefühle meint. Sie gibt sich gerne frivol und plaudert ungeniert und offen über ihre Liebesabenteuer, aber Wortwahl und Ausdrucksweise der Ich-Erzählerin sind nicht gerade sehr erfinderisch, sondern eher rustikaler Natur in der Endlosschleife. Geht es um kulinarische Genüsse, wird die Sprache glücklicherweise phantasievoller und hat mich dann doch dazu animiert, das Buch bis zum Schluss zu lesen.
Gemessen an der Zahl der Sexszenen würde ich den Roman schon fast dem Genre „Erotische Literatur“ zuordnen, wenn auch die Erotik hier für meinen Geschmack alles andere als verführerisch oder sinnlich erscheint. Erst sehr spät erfährt der Leser mehr über den wirklichen Ursprung von Evas Problemen. Man begleitet sie auf ihrer Gedankenreise zurück, zu der Zeit, als sie noch eine unerfahrene Siebzehnjährige war. Nach einer erschütternden Erfahrung, von der sie berichtet, wird einem vieles klar, und man kann die Protagonistin ein Stück weit verstehen, was sie mir jedoch nicht unbedingt sympathischer gemacht hat. Meines Erachtens mangelt es ihr kräftig an Selbstwertgefühl, und sie spielt nach wie vor die Angepasste, auch wenn sie innerlich Rachegedanken hegt. Es reicht ihr nicht, dem Alkohol über alle Maßen zuzusprechen, sondern sie lässt sich auch ganz selbstverständlich zum Koksen animieren und das nicht zum ersten Mal, wie es scheint. Mein Eindruck von Eva, ihrer Freundin und all den treulosen Schuften, um die es im Roman geht, ist durchgehend sehr distanziert geblieben, denn Evas Lebenseinstellung unterscheidet sich gewaltig von meiner eigenen.  Vermisst habe ich den auf dem Cover angekündigten „Witz und die großartigen Situationen, die jede Frau kennt“. Der Humor, falls vorhanden, hat leider nicht meinen Nerv getroffen.
In Anbetracht des romantischen Tortendeckchens auf dem Cover und des Titels wird manch einer davon ausgehen, es würde sich hier um heitere Chicklit handeln. Auch ich bin mit einer völlig anderen Vorstellung auf das Buch zugegangen und war dementsprechend enttäuscht.

 bis




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