Dienstag, 31. Dezember 2013

Der Ruf des Kookaburra - Julie Leuze


Klappentext:
1859: Die junge Süddeutsche Emma Scheerer lebt mit ihrem Mann Carl, einem Forscher, im australischen Regenwald. Als Emmas Freundin Purlimil Zwillinge bekommt, verlangt ihr Clan, dass das Zweitgeborene nach Aborigines-Tradition getötet wird. Purlimil bittet Emma verzweifelt um Hilfe, woraufhin Emma das Baby adoptiert. Dayindi, der law man des Clans, fürchtet jedoch, dass Emma mit ihrer Tat den Zorn der Geister auf sich gezogen hat. Tatsächlich passieren in der Folge seltsame Dinge, schließlich verschwindet Carl spurlos. Ist das die Rache der Geister? Oder steckt vielmehr ein alter Feind aus der Vergangenheit dahinter, der sich an Emma und Carl rächen will?

Mein Eindruck:
Das Forscherehepaar Emma und Carl Scheerer lebt bei einem Clan der Aborigines im australischen Regenwald und betreibt wissenschaftliche Studien. Das Verhältnis zwischen dem Paar und den Eingeborenen ist zum größten Teil sehr herzlich. Als Purlimil, eine junge Frau aus dem Stamm, mit der Emma eng befreundet ist, Zwillinge zur Welt bringt, soll nach dem Gesetz der Ahnen das Zweitgeborene getötet werden. Emma ist entsetzt und kann sich mit dieser brutalen Sitte nicht abfinden. Sie adoptiert das kleine Mädchen, das sonst diesem Gesetz zum Opfer fallen würde.  Dayindi, der Law Man des Stammes, prophezeit Emma, dass sie durch diese Entscheidung den Zorn der Götter auf sich ziehen wird. Als wenig später Carl spurlos verschwindet, ist es für den ganzen Clan klar, dass dies die Strafe der Geister für den begangenen Verstoß ist. Bald wird die Suche nach Carl eingestellt, denn alle sind der Meinung, dass der Forscher nicht mehr lebt. Emma ist verzweifelt und kann sich nicht damit abfinden. Sie begibt sich auf eine lange, verzweifelte Suche nach dem Geliebten. Als die Regierung einen jungen Mann schickt, Emmas Forschungsergebnisse zu überprüfen, sieht sie ihre Zukunft bei den Aborigines gefährdet. John ist ihr zwar in der kommenden Zeit Hilfe und Trost, aber er hat andere Interessen als ihre Forschungsarbeit, denn er möchte sie für sich gewinnen.

Erst lange, nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, ist mir klar geworden, dass dies die Fortsetzung des Romans „Der Duft von Hibiskus“ ist. Wie so oft, finde ich es auch hier sehr schade, dass es weit und breit keinen direkten Hinweis im Buch dazu gibt. Es wäre doch hilfreich, so etwas im Klappentext oder der Kurzbeschreibung anzugeben, damit der Leser eine Geschichte von Anfang an verfolgen kann, ohne vorher umständlich nachforschen zu müssen, ob bereits Bände erschienen sind.
Leider ist der Funke bei mir sehr lange nicht übergesprungen, was sicher auch weitgehend daran lag, dass ich die Vorgeschichte der Protagonisten nicht kannte, denn dadurch ging für mich viel vom Reiz des Romans und vom allgemeinen Verständnis verloren. Zwar ist das Buch insgesamt schön und flüssig geschrieben, auch erhält man Informationen durch kleine Rückblicke, aber irgendwie kam für mich keine rechte Atmosphäre auf. Man erfährt einiges über die Sitten und die Religion der Eingeborenen,  aber deren Sprech- und Handlungsweise wirkte auf mich manchmal zu modern und zu „zivilisiert“, was sich nur schwer mit ihrem Glauben an die guten und bösen Geister in Einklang bringen ließ. Lediglich der alte Schamane Birwain hatte eine wirklich authentische Ausstrahlung.
Die Suche nach Carl nimmt den Hauptteil der Handlung ein. Dabei werden immer wieder Emmas Zweifel an seinem Tod aufgerollt, und ich hatte lange das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Einerseits vermisst sie ihre große Liebe, ist aber für meine Begriffe nur allzu schnell bereit, auf Johns Annäherungsversuche einzugehen, auch wenn sie das meist sehr zurückhaltend tut. John wird als attraktiv und Emma gegenüber verständnisvoll beschrieben, aber die Eingeborenen behandelt er mit einer gewissen Herablassung, was ihn mir anfangs nicht sonderlich sympathisch gemacht hat. Ich habe mich gewundert, dass die sonst so clevere Emma das nicht so wahrgenommen hat. Gemerkt hat sie es sicher, wollte es sich aber wohl nicht eingestehen. Das ständige Hin und Her, ob Carl tot ist oder noch lebt, ob Emma bleiben oder gehen soll, empfand ich etwas langatmig. Eigentlich schade, denn der Klappentext und das wunderschön gestaltete Cover haben mich sehr angesprochen. Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn ich die Bände der Reihe nach gelesen hätte, denn dann wäre mir die Einschätzung der Beteiligten leichter gefallen und ich hätte vielleicht so manche Reaktion der Protagonisten, insbesondere Emmas, anders gesehen und besser verstanden.
Ungefähr auf den letzten fünfzig Seiten nimmt die Story dann richtig Fahrt auf, und die Ereignisse überschlagen sich. Das Ende, wo sich alles zufrieden stellend aufklärt, hat mich letztendlich doch mit den Längen im Buch und auch mit den Protagonisten versöhnt. 

mit Tendenz zu



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