Dienstag, 5. November 2013

Kraut und Rübchen - Elke Pistor

Klappentext:
Was macht man, wenn sich herausstellt, dass die eigene Urahnin eine Serienmörderin war? Noch dazu eine, die sich aufgrund der sorgsamen Auswahl ihrer Opfer allergrößter Beliebtheit erfreute? Als Journalistin Katharina Rübchen auf dem geerbten Familienbauernhof in Kleinhaulmbach alte Aufzeichnungen findet, stellen sich einige Probleme: Die Dörfler bangen um lange gewahrte Geheimnisse, ihr Chefredakteur drängt auf die große Story, und die hofeigene anarchistische Ziegenherde macht, was sie will. Und dann ist da noch dieser Tierarzt, der deutlich mehr Interesse an Katharina als an ihren vierbeinigen Mitbewohnern hat.

Mein Eindruck:
Es ist nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, was Katharina Rübchen empfindet, als sie den Bauernhof in Kleinhaulmbach besucht, den sie von ihrer Tante geerbt hat. Am liebsten würde sie den Hof gleich veräußern und wieder in ihr gewohntes Stadtleben zurückkehren, denn mit den romantischen Bildern, wie sie die Journalistin aus dem Hochglanzmagazin kennt, für das sie arbeitet, hat die Wirklichkeit rein gar nichts gemein. Aber da gibt es auch eine kleine, jedoch recht eigenwillige Ziegenherde, die versorgt werden muss, und ihr Kater, Herr Hoppenstedt, verschwindet plötzlich spurlos, so dass sie sich vorerst zum Bleiben entschließt. Je mehr Katharina über die Dorfgemeinschaft erfährt, je besser sie ihre Nachbarn kennenlernt, umso mehr nimmt sie Anteil und umso stärker wird das Gefühl, in KLeinhaulmbach doch nicht so ganz fehl am Platz zu sein. Auch gibt es da noch den attraktiven jungen Tierarzt, der nicht nur ihren Vierbeinern gefährlich nahe kommt. Allerdings beschleicht sie mit der Zeit das ungute Gefühl, dass die Dorfbewohner etwas Bestimmtes von ihr erwarten.
Im Haus ihrer Tante findet sie ein altes Tagebuch aus dem 19. Jahrhundert, das scheinbar einer Vorfahrin von ihr gehörte. Mit Schrecken muss sie feststellen, dass die damalige Schreiberin mehrere Giftmorde auf dem Gewissen hatte, zugleich jedoch bei ihren Mitmenschen beliebt und wegen ihrer Heilkünste hoch geschätzt war.

Obwohl die Handlung in der Gegenwart spielt, bekommt man, durch die alten Tagebuchaufzeichnungen, ein lebendigen Eindruck davon, wie es früher in Dörfern wie Kleinhaulmbach zugegangen ist. Stimmt die aktuelle Realität schon nicht mit dem verklärten Bild des Landlebens überein, das uns die Medien zeigen, so war es damals noch viel härter. Das Schicksal ging früher nicht gerade zart mit der Landbevölkerung um, was besonders die Frauen zu spüren bekamen.
Gut gefällt mir der stete Wechsel zwischen den Geschehnissen in der Gegenwart und dem schriftlichen Zeugnis aus der Vergangenheit, denn durch diese Brücke zwischen den Zeiten wird enorm Spannung aufgebaut. Während die aktuelle Handlung durchaus zum Teil humorvoll betrachtet werden kann, kommt der Bericht von damals, den dramatischen Ereignissen entsprechend, eher ernst, fast schwermütig, daher. Man wird hin und her gerissen, zwischen ungläubigem, leicht entsetztem Staunen und wohlwollendem Schmunzeln. Auch hat die Autorin zwischendurch noch so einige Überraschungen für ihre Leser parat.

Die schöne Aufmachung und die liebevolle Gestaltung machen das Buch zu einem kleinen Schmuckstück. Schon der Titel gefällt mir sehr, denn er beinhaltet ein originelles Wortspiel. Sehr passend zur Geschichte ist auch die Abbildung des roten Fingerhuts, einer gefährlichen Giftpflanze, auf dem Cover. Jedes Kapitel wird von einer alten Zeichnung eingeleitet, die entweder ein Heil- oder auch ein Giftkraut zeigt. Dazu gibt es immer Erläuterungen zur jeweiligen Wirkungsweise.
Zur Abrundung warten im Anhang noch eine Menge interessanter Rezepte darauf, ausprobiert zu werden. Von Aprikosen-Streuselkuchen mit Schmandcreme bis hin zu Hustensaft aus Kräutern findet man hier Spezialitäten, die es in sich haben. Sogar das „Teufelszeug“ aus Kapitel 8 ist ausführlich beschrieben. Was es damit auf sich hat, erfährt man in diesem hinreißenden Landkrimi, der das Farbspektrum des Landlebens, zwischen grünem Daumen und schwarzem Humor, in allen Facetten auslotet.



Bei diesem Buch war mir das Glück hold, denn ich habe, im Zuge einer Blogger-Aktion, ein Landpaket (siehe Foto oben) von Elke Pistor gewonnen. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an die Autorin, zu dieser schönen und originellen Aktion.

1 Kommentar:

  1. Das hört sich sehr unterhaltend an!! =) Muss ich mir merken...
    Bezüglich Holunderliebe bin ich dann mal auf deine Rezi gespannt!!
    LG
    Martina

    AntwortenLöschen