Montag, 16. September 2013

Orangenmond - Stefanie Gerstenberger


Eva lebt und arbeitet in Hamburg. Man könnte sagen, sie lebt für ihre Arbeit, im Labor des Landeskriminalamts, denn in der Liebe hatte sie bisher kein Glück. Ihr früherer Nachbar Georg, in den sie schwer verliebt war und immer noch ist, heiratete ihre Schwester Milena, nicht ahnend, was das für Eva bedeutete. Doch nach der Geburt von Emil währte das Glück der kleinen Familie nicht lange, denn bald darauf erkrankte Milena schwer und starb. In der folgenden Zeit versuchte Eva, Georg und ihrem kleinen Neffen Stütze und Trost zu sein, immer auch ein wenig mit dem geheimen Wunsch, Georg möge die Frau in ihr sehen, nicht nur die hilfsbereite Schwägerin.
Fünf Jahre nach Milenas Tod erfährt Georg zufällig, dass er nicht der leibliche Vater von Emil sein kann. In seiner Verunsicherung bittet er Eva um Hilfe. Er möchte nach Italien reisen, um den wahren Vater ausfindig zu machen, denn dort war Milena für Filmaufnahmen, kurz bevor sie ihren Mann kennenlernte.
Eva ist skeptisch, ob sich nach der langen Zeit wirklich noch etwas über Emils Herkunft herausfinden lässt, aber sie willigt ein, ihren Schwager zu begleiten, und so brechen sie nach Italien auf, zusammen mit Emil und Georgs Mutter Helga.
Die kleine Reisegruppe hat einen langen Weg vor sich, der sie bis nach Apulien führt. Bis sie dort ankommen, geschieht sehr viel, und die Sichtweise aller Beteiligten verändert sich stark. Sie entdecken ganz neue Seiten aneinander, um am Zielort dann noch so manche Überraschung zu erleben.

Während der Reise durch ganz Italien, die ich im Geiste mitgefahren bin, habe ich die Protagonisten lieb gewonnen.
Da ist zuerst einmal Eva, die ewig Verzichtende, hoffnungslos Verliebte, die sich immer für alles und jeden verantwortlich fühlt, sich aber im Lauf der Fahrt nach und nach dem Leben öffnet und erkennt, was sie wirklich will.
Georg kann nicht aus seiner Haut. Man merkt auch fünf Jahre nach ihrem Tod, dass Milena, die er sehr geliebt, ja vergöttert hat, immer noch sehr viel Raum in seinem Herzen einnimmt. Daneben ist dort nicht mehr viel Platz, aber Emil liebt er ebenfalls sehr, auch nachdem er erfahren musste, dass der Junge nicht sein leiblicher Sohn ist. In dem Bestreben, ihm gleichzeitig Vater zu sein und die Mutter zu ersetzen, übertreibt er es oft ein wenig mit seiner Fürsorge. Aber nach allen, was er erlebt und erfahren hat, man kann ihn gut verstehen.
Emil wird als sehr hübscher Junge beschrieben, der seiner Mutter anscheinend wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Anfangs wirkt er verschlossen und in sich gekehrt, und Eva gegenüber gibt er sich gerne ein wenig ablehnend. Aber auch ihn verändert diese Reise, bei deren Verlauf er Tag für Tag auf den Spuren seiner geliebten Mama wandeln kann und bald erkennt, dass auch seine Tante eigentlich gar nicht so übel ist. Im Lauf der zwei Wochen, die sie miteinander unterwegs sind, verändern sich Verhältnis und das Verständnis zueinander total.
Georgs Mutter, die exzentrische Helga, die selbstbewusste Frau mit der bewegten Vergangenheit, die auf keinen Fall mit „Oma“ angesprochen werden möchte, ist immer wieder für Überraschungen gut. Evas gibt das distanzierte Verhalten ihr gegenüber mit der Zeit auf, und einige gemeinsame Erfahrungen lassen die ältere Frau für sie in einem neuen Licht erscheinen.
Während ihrer Suche treffen die Vier alte Freunde und Kollegen von Milena wieder, und sie lernen neue Leute kennen, allesamt interessante Charaktere, manche mehr, manche aber auch weniger sympathisch.

Man kann sich in diesen Roman fallen lassen, kann mit den Protagonisten hoffen und bangen, lachen und weinen. Es ist eine Geschichte der Selbstfindung, der komplizierten Gefühle, der Offenbarungen, der Trauerbewältigung und des sich bewusst Werdens. Daneben aber ist es auch eine Hommage an Italien, dieses wunderbare Land, das so reizvolle Plätze und ganz viel Atmosphäre besitzt.
Nur allzu gerne lässt man sich davon verzaubern und gerät beim Lesen immer wieder ins Träumen.

Schon das Bild auf dem Umschlag ist die pure Verlockung, der man nur allzu gerne erliegt. Stefanie Gerstenberger ist es mit ihrem vierten Roman wieder hervorragend gelungen, mich zu begeistern und zu fesseln und mir die Schönheit weiterer italienischer Orte nahe zu bringen.  

Wer auf den Geschmack gekommen ist, mehr über die besuchten Orte und die italienischen Gerichte erfahren möchte, sollte unbedingt auf der Homepage von Stefanie Gerstenberger vorbeischauen. Dort gibt es einen Reisebericht zu "Orangenmond", mit vielen ergänzenden Fotos, Tipps und leckeren Rezepten.

Herzlichen Dank an den Diana Verlag und die Autorin für das Rezensionsexemplar.



Kommentare:

  1. Oh das hört sich toll an und da könnte man den Sommer glatt ein bisschen zurückholen bei diesem miesen Wetter!!!
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Ich habe mir am Samstag das Hörbuch runtergeladen und freue mich schon tierisch darauf. Auch wenn die Geschichte sich immer relativ ähneln, ich habe bisher jedoch Buch sehr genossen.
    Ich mag einfach den Bezug zu Italien, den bildhaften Schreibstil und auch die Charaktere haben meist ihre Ecken und Kanten. Leichte, aber immer sehr schöne Unterhaltung.

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