Montag, 22. Juli 2013

Die Pilgergräfin - Elizabeth Mittler




Klappentext:
Burg Eschenbronn, 1376: Gräfin Leonor ist verzweifelt. Durch ihre Schuld sind ihr Mann und ihr Sohn gestorben! Mit gebrochenem Herzen begibt sie sich auf eine Wallfahrt, um am Grab des Heiligen Paulus in Rom zu sühnen. Nur die Verkleidung als Knabe bietet der Pilgergräfin Schutz. Und so begegnet sie dem edelmütigen Chevalier Robyn de Trouville, der sie als Knappe in seinen Dienst nimmt. Doch sie darf sich nicht zu erkennen geben, will auch nie wieder lieben – und sieht die Verwirrung in Robyns Blicken. Darüber, dass er in heißem Verlangen zu dem vermeintlichen Jüngling entbrannt ist …

Mein Eindruck:
Gräfin Leonor ist verzweifelt, denn das Schicksal der jungen Witwe ist ungewiss. Ihr Schwager, der mittlerweile das Regiment auf Burg Eschenbronn übernommen hat, möchte sie unbedingt schnell wieder verheiraten. Dabei hat er jedoch nur seinen eigenen Nutzen im Sinn. Leonor will sich keinesfalls seinen Wünschen fügen. Sie wählt die Flucht nach vorn und geht auf eine Pilgerreise, denn sie fühlt sich am Tod ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes schuldig.

Dieser Roman ist der erste Band einer neuen Reihe im Cora-Verlag. Steht normalerweise bei den Historicals eher die Liebesgeschichte im Vordergrund, so liegt hier das hauptsächliche Augenmerk auf Leonors Schicksal. Sie beginnt ihre Pilgerreise, zusammen mit Anna, ihrer Kammerfrau und zugleich Vertrauten. Ihre Erwartungen sind anfangs recht naiv, aber im Lauf ihrer Wallfahrt bekommt sie die Strapazen ihres neuen Lebens schwer zu spüren und gerät in gefährliche Situationen. Ihre unbedarfte Einstellung ist für die damalige Zeit und für Leonors ursprüngliche Stellung in der Gesellschaft sicher nicht außergewöhnlich und wird glaubwürdig dargestellt. Im Verlauf ihrer langen Wanderschaft wächst sie an den Aufgaben, die das Schicksal für sie bereithält. Natürlich kommt auch in diesem Roman die Liebesgeschichte nicht zu kurz, aber sie entwickelt sich langsam und sehr dezent. Chevalier Robyn de Trouville ist ein interessanter Charakter, der sich weniger mit Waffengewalt, sondern lieber mit Verstand durchs Leben schlägt. Seine erste Begegnung mit dem „Knappen Leon“ und seine Gefühle und Gedanken, dem „jungen Mann“ gegenüber, sind gut nachvollziehbar. Dass er von Anfang an berechtigte Zweifel an der Identität des Jungen hegt, wirkt absolut realistisch.
Der Schreibstil der Autorin ist gefällig und einfühlsam und der damaligen Zeit gut angepasst.

Sehr nützlich finde ich das umfangreiche Namensregister, gleich am Beginn des Buches, denn es kommen sehr viele Personen in der Geschichte vor bzw. werden erwähnt. Mit diesem Verzeichnis behält man durchgehend die Übersicht, und ich habe es immer wieder gerne zur Hilfe genommen. Nicht nur alle menschlichen Charaktere sind dort zu finden, sondern es gibt auch einige vierbeinige und sehr liebenswerte Helden im Roman, die ebenfalls einen verdienten Platz dort erhalten haben. Insgesamt gefällt mir der Auftakt zur neuen „Historical Edition“ sehr gut, denn „Die Pilgergräfin“ ist flüssig und unterhaltsam geschrieben. Es bleiben zwar einige Dinge ungeklärt, aber im Profil der Autorin habe ich gelesen, dass sie bereits an ihrem zweiten Roman arbeitet, in dem es um Leonors Cousine geht. Vermutlich werde ich dort meine Fragen zu gegebener Zeit beantwortet bekommen.

Über die Autorin:
Elizabeth Mittler wuchs im Rheinland auf. Sie studierte Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte in Bonn und Hamburg. Nach dem Magisterabschluss beschloss sie, ihr Hobby - Lesen und Schreiben - zum Beruf zu machen, und wurde Lektorin. Nach vielen Jahren der Arbeit mit Fremdtexten hat sie sich ihren Traum erfüllt und angefangen, selbst Romane zu schreiben – in ihrer Wahlheimat Hamburg, wo sie mit ihrem Hund lebt.
Sie ist fasziniert vom Mittelalter, das als dunkle Zeit gilt, aber auch die Fantasie weckt und viel Freiraum für schriftstellerische Kreativität bietet. In ihrem Erstling „Die Pilgergräfin“ hat sie mit der mutigen Gräfin Eleonore von Eschenbronn und dem französischen Ritter Robyn de Trouville, der lieber seinen scharfen Verstand benutzt, bevor er zum Schwert greift, zwei außergewöhnliche Menschen porträtiert, die nach einer langen, abenteuerlichen Reise zueinander finden. Und mit dem klugen, treuen Hund Tarras will sie all seinen Artgenossen ein kleines Denkmal setzen.

Zurzeit arbeitet die Autorin an ihrem zweiten Roman, in dem sie die spannende Geschichte von Mathilde, Eleonores Cousine, schildert.



Herzlichen Dank an den Cora-Verlag für das Rezensionsexemplar.


1 Kommentar:

  1. Ich muss ja immer schmunzeln, wenn ich bei Dir die Historical-Romane seh, aber lesen würd ich sie bestimmt auch :-). Früher hab ich sie verschlungen.

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