Samstag, 18. Mai 2013

Im Land der Kaffeeblüten - Laura Antoni




Guatemala im Jahr 1902:
Margarete und Elise lernen sich während der Reise nach Guatemala kennen. Für Margarete ist es eine Rückkehr in die Heimat und zu Juan, dem Mann, den sie liebt. Aber bei ihrer Rückkehr zur Finca ihres Vaters erwartet sie eine böse Überraschung. Um den Kaffeehandel vor dem Ruin zu retten, soll sie einen ungeliebten Mann heiraten.
Elise muss ihre Eltern auf einer Expedition begleiten. Für sie ist es eine Reise ins Ungewisse, und sie kann nichts Schönes an dem wilden Land finden, welches ihre Eltern leidenschaftlich nach alten Mayaschätzen durchforsten. Es wird eine lebensgefährliche Exkursion.

Bremen 2011:
Kurz vor dem Abitur steht für Julia ein Schulwechsel an. An der Bremer Schule, die sie von nun an besuchen soll, trifft sie Isabell, die aus Guatemala stammt und ebenfalls erst neu in die Klasse gekommen ist. Gemeinsam bekommen sie von der Geschichtslehrerin den Auftrag, ein Projekt über den Kaffehandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts auszuarbeiten. Anfangs stehen sich die beiden jungen Frauen noch etwas skeptisch und zurückhaltend gegenüber, aber sehr bald erkennen sie, dass es mehr gibt, was sie verbindet. In alten Tagebüchern finden sie Hinweise darauf, dass sich ihre Ururgrossmütter gekannt haben.

Im Roman gibt es zwei große Handlungsstränge, der eine spielt im Jahr 1902 in Guatemala, der andere führt in die Gegenwart, nach Bremen.
Am Beginn eines jeden Kapitels kann man sofort auf Anhieb erkennen, zu welchem der beiden Handlungsstränge es jeweils gehört, denn die Abschnitte aus der Vergangenheit sind mit einem  prächtigen Vogel, dem Quetzal, verziert, während die Kapitel der Gegenwart mit der Zeichnung einer Hibiskusblüte geschmückt sind. Auch sonst ist die Ausstattung dieses Buches sehr liebevoll und hochwertig, denn der Einband, mit dem traumhaften Landschaftsbild, ist komplett matt gehalten und wirkt sehr edel. Das Vorsatzpapier und die Innenseiten der Buchdeckel sind ebenfalls mit zarten Hibiskusblüten bedruckt. Den Buchtitel ziert ein Kaffeezweig, und im Anhang findet man nicht nur eine Übersichtskarte von Guatemala, sondern auch ein Glossar, welches einheimische Redewendungen und außergewöhnliche Begriffe erklärt.

In der Geschichte selbst verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart durch einen verrückten Zufall, wie man ihn sicher nur selten findet. Ausgerechnet Julia und Isabell werden für ein gemeinsames Projekt eingeteilt und entdecken dadurch, dass sie mehr verbindet als sie sich vorstellen können. Die Schicksale ihrer beiden Ururgrossmütter verliefen abenteuerlich und zum Teil tragisch. Was die beiden jungen Frauen bei ihren Recherchen herausfinden, ist berührend, und über die Familiengeheimnisse, die sie aufdecken, sind Julia und Isabell erst einmal fassungslos. Es gibt so vieles, was sie erst verarbeiten müssen, aber je weiter die beiden jungen Frauen in der Gegenwart in die Geschichte ihrer Ahnen vordringen, umso mehr erkennen sie, wo ihre eigenen Ziele für die Zukunft liegen. Die Ereignisse der Vergangenheit sind weitgehend enthüllt, aber das Ende in der Gegenwart ist relativ offen. Vieles wird nicht völlig geklärt. Dieser Umstand wäre eine Option für eine Fortsetzung, denn für mich blieben viele Fragen, für die ich nur allzu gerne eine Lösung hätte.

Die Autorin beschränkt sich nicht nur auf die Schilderung der fiktiven dramatischen Ereignisse, sondern ihr Roman öffnet den Blick, einerseits für die Schönheiten Guatemalas, aber ebenso die Schwierigkeiten der Ureinwohner mit den Einwanderern bleiben nicht unerwähnt, denn auch in diesem Land besteht eine gewaltige Kluft zwischen den Völkern. Die Diskrepanz zwischen den Ausländern, die sich überall niedergelassen haben und den Nachfahren der Mayas ist ein großes Thema, damals wie heute. Das musste besonders Margarete erfahren, die einen Indio liebte und sich öffentlich nicht zu ihm bekennen durfte. Der Schreibstil ist sehr einfühlsam  und klar, so dass man sich gut in die verschiedenen Schicksale hineinversetzen kann. Da es sich um ein Jugendbuch handelt, das ab einem Alter von 13 Jahren empfohlen wird, ist natürlich das Handlungsgeflecht nicht so komplex, wie bei so mancher Familiensaga für Erwachsene. Ich denke, der Ton wurde hier gut getroffen, so dass das Buch Jugendliche anspricht, aber auch für Erwachsene einiges an Faszination und Spannung zu bieten hat. Man kann bei diesem Buch durchaus von einem sehr schönen „All Ager“ sprechen.


Herzlichen Dank für das wunderschöne Rezensionsexemplar an den Thienemann Verlag 
Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden: Klick hier


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