Dienstag, 12. März 2013

In dieser ganz besonderen Nacht - Nicole C. Vosseler


Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 16-jährige Amber zu ihrem Vater nach San Francisco. Zu ihrer tiefen Trauer kommt die Wut, dass sie ihre gewohnte Umgebung und ihren Freundeskreis in Deutschland verlassen muss. Ted, ihren Vater, kennt sie nur von kurzen Besuchen. Obwohl er sich alle Mühe gibt, ein guter Vater zu sein und ihr mit viel Verständnis entgegenkommt, ihr aber gleichzeitig auch den nötigen Freiraum lässt, fällt es Amber schwer, ihm völlig zu vertrauen und sich in der neuen und fremden Umgebung einzugewöhnen.
Nur langsam findet sie neue Freunde. Auf der Flucht vor ein paar zwielichtigen Gestalten versteckt sie sich eines Tages in einem leer stehenden alten Haus. Dort begegnet sie einem ungewöhnlichen jungen Mann. Bei Nathaniel findet sie Verständnis für ihren Kummer und ihre Einsamkeit. Geistig und seelisch kommen sich die Beiden bald sehr nahe, aber selbst kleinsten Berührungen weicht Nathaniel aus. Als Amber den Grund erfährt, erkennt sie, dass es für sie und Nathaniel keine normale Freundschaft geben kann, denn ihr Geliebter hat in einer anderen Zeit gelebt und existiert nun als Geist. Obwohl er für Amber real und greifbar erscheint, ist nur seine Aura spürbar. Die Erkenntnis, dass sie nie zueinander kommen können, belastet beide sehr, aber es gibt eine einzige Nacht, in der alles anders ist und das Unmögliche wahr werden kann. Doch nach dieser Nacht müssen sie feststellen, dass der Preis für ihr Glück unmenschlich hoch ist.


Mit ihrem aktuellen Buch beschreitet Nicole C. Vosseler ganz neue Pfade, was das Genre betrifft; bisher kannte ich nur ihre historischen Romane.
Im Mittelpunkt dieses Romans steht die Geschichte von Amber und Nathaniel. Mag man dem Prolog glauben, nimmt sie einen tragischen Verlauf, denn gleich im ersten Absatz spricht Amber über ihren eigenen Tod. Mehr möchte ich zum Handlungsverlauf gar nicht sagen, denn darauf sollte sich jeder selbst einlassen.
Man lernt San Francisco durch Ambers Augen kennen und begleitet sie bei ihren ersten Streifzügen. Mir haben die lebendigen, brillanten Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze sehr gefallen, und man spürt in jedem Satz den Enthusiasmus der Autorin für diese schöne und auch ein wenig geheimnisvolle Stadt. Die alten Gebäude, die sie beschreibt, sind die idealen Schauplätze für diesen Roman.
Bald findet Amber neue Freunde, die alle auf ihre Art etwas Besonderes darstellen und alle sehr intensiv und liebenswert charakterisiert sind. Mit Einfühlungsvermögen und Sympathie können sie Amber helfen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, und auch bei ihrer Trauerbewältigung und Neuorientierung geben sie ihr Halt, denn Ted gegenüber kann sie sich noch nicht öffnen, obwohl sie deutlich spürt, dass ihr Vater sie liebt und sich um sie sorgt.
Als Amber in dem alten Haus Nathaniel kennen lernt, ist es um sie geschehen. Die starke Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Ihre tragisch-schöne Liebesgeschichte ist eingebettet in die bildreichen und ausdrucksstarken Beschreibungen San Franciscos. Die Autorin vermittelt sehr eindrucksvoll die Atmosphäre, Stimmungen und jede Menge Lokalkolorit. Zusammen ergibt alles ein vielschichtiges Potpourri, in das man nur allzu gerne eintauchen möchte. Ich liebe den Schreibstil und die Schilderungen der Autorin, die in ihrer Detailgenauigkeit einen umfassenden und lebendigen Eindruck der Schauplätze vermitteln.  Nicole C. Vosseler hat ein perfektes Gespür dafür, alles so zu beschreiben, dass sich der Leser einbezogen fühlt und fast den Eindruck hat, selbst mitten im Geschehen zu sein.
Hier ist ihr wieder ein phantastischer, packender Roman gelungen, der zum Mitfiebern, Mitfühlen und Weiterspinnen einlädt und deutliche Langzeitspuren im Gedächtnis hinterlässt.
Dabei ist er nicht nur für die jugendliche Zielgruppe interessant, sondern wird sicher auch ältere Leser in seinen Bann ziehen.


Kommentare:

  1. Auf dieses Buch freue ich mich auch schon sehr. Tolle Rezi, liebe Susanne!

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    1. Liebe Nina, ich wünsche dir schon mal vorab ganz viel Freude mit dem Buch.

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  2. Sooo, ich hab mir jetzt die drei Bücher angeschaut, die du noch rezensiert hattest - und ich muss gestehen, dass mich keins so wirklich anspricht *lach*

    Aber von der Handlung her hatte mich ja "Der englische Botaniker" auch nicht angesprochen, aber das klingt alles so toll nach deinen Rezis! Und wenn ich mir den Schreibstil vorstelle ... also da könnte mir wahrscheinlich alles gefallen :D

    Ich muss mir noch überlegen, welches ich da als nächstes lese!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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