Mittwoch, 13. Februar 2013

Was fehlt, bist Du! - Lola Jaye


Lara wurde im Alter von drei Jahren von einem englischen Ehepaar adoptiert. Patricia und Barry Reid hatten die Kleine, die vorher in einem Kinderheim in Nigeria lebte, sofort ins Herz geschlossen und nach London geholt. Dort wächst Lara behütet und in liebevoller Umgebung auf, wären da nicht die Sticheleien der Schulkameraden und manchmal auch wildfremder Leute, die ihr ins Bewusstsein bringen, dass sie anders ist  als die Menschen in ihrem Umfeld. Mittlerweile ist Lara erwachsen und beruflich erfolgreich. Mit der Vergangenheit scheint sie abgeschlossen zu haben, zumindest hat dies äußerlich den Anschein. Aber vieles an ihrem Verhalten lässt darauf schließen, dass ihr etwas im Leben fehlt. Auch fällt es ihr schwer, sich selbst zu akzeptieren; sie kann nicht glauben, dass es wirklich Menschen gibt, denen etwas an ihr liegt. Über ihre Herkunft weiß sie nicht sehr viel, aber lange Zeit war ihr innigster Wunsch, eines Tages ihre leibliche Mutter zu treffen. Als dies dann wirklich geschieht, hat Lara schon nicht mehr damit gerechnet, und die Begegnung wirft sie völlig aus der Bahn. An ihrem dreißigsten Geburtstag holt Lara die Vergangenheit ein, denn plötzlich taucht Yomi auf der Party auf und stellt sich als Laras Mutter vor. Für Lara ändert sich alles; ihr komplettes Leben wird auf den Kopf gestellt, und sowohl sie selbst als auch Yomi und Patricia müssen einen Weg zueinander finden.

Die Situation der drei Frauen in diesem Roman ist nicht einfach. Lara möchte einerseits mehr über ihre Wurzeln erfahren, um ihre eigene Identität vollends entwickeln zu können, aber sie liebt ihre Adoptiveltern und möchte diese nicht verletzen. Patricia, ihre Adoptivmutter, war einst eine gefeierte Sängerin- Ihr wahres Lebensglück erfüllte sich erst mit Laras Adoption. Sie geht völlig in ihrer Aufgabe als Mutter auf und hat Angst, Lara zu verlieren. Aber da ist Yomi, Laras leibliche Mutter, die ihre kleine Tochter aus Sorge und Liebe weggegeben hat. Nach dreißig Jahren ist sie in der Lage, mit  ihr Verbindung aufzunehmen. Einerseits verunsichert es sie, aber sie kann auch gut verstehen, dass Lara sie nicht mit offenen Armen empfängt. Zu viele Fragen sind noch ungeklärt, und alle Beteiligten müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen.
Die Autorin geht in diesem Roman sehr feinfühlig ans Werk. Abwechselnd werden Laras Lebenssituation in der Gegenwart und die Entwicklung in der Vergangenheit beleuchtet, wo man mehr über die beiden Mütter der jungen Frau erfährt. Nach und nach fügt sich alles zu einem Gesamtbild, und sowohl Yomis als auch Patricias Beweggründe werden klar. Jede der drei Protagonistinnen für sich kann man gut verstehen, und auch für Laras Adoptivvater Barry hat man Verständnis, wenn man weiß, welche Gefühle und Gedanken hinter seinen Handlungen stecken.
Dass Lara, die nach außen hin erfolgreiche Geschäftsfrau, insgeheim nicht völlig glücklich ist und von Verlustängsten geplagt wird, spürt man deutlich, wenn man ihr Verhältnis zu ihrem Freund Tyler betrachtet. Lara kann nicht glauben, dass sie geliebt wird und für andere Menschen wichtig ist. Mit ihrem daraus resultierendem Verhalten stößt sie diejenigen, die sie eigentlich liebt, immer wieder vor den Kopf.
Es ist ein sehr emotionaler Roman, und ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin auch Autobiographisches in die Geschichte gepackt hat, denn sie selbst lebt ebenfalls in London und hat auch einige Zeit in Nigeria, dem Land ihrer Vorfahren, verbracht. So gesehen weiß sie, wovon sie spricht und kann Laras Geschichte sensibel und glaubwürdig vermitteln.
Dieser großartige Roman geht einem nahe und zeigt, wie wichtig es für die individuelle Entwicklung eines Menschen ist, die eigenen Wurzeln zu kennen sowie seinen persönlichen Platz in der Familie und im Leben zu finden.


Herzlichen Dank für die Überlassung des Rezensionsexemplars 

1 Kommentar:

  1. Oh...das Buch gibt es schon zu kaufen?....oh weh! Mein SuB steigt ins Gigantische! Das hier habe ich nämlich auch auf meinen Wunschzettel...seufz! Vielleicht hat es ja bald unsere Bücherei...*hoff*
    Liebe Grüße
    Martina

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