Dienstag, 16. Oktober 2012

Die Bucht des blauen Feuers - Micaela Jary

Bildquelle: Goldmann-Verlag,
unter Berücksichtigung sämtlicher Nutzungsrechte

Micaela Jary: Die Bucht des blauen Feuers

Taschenbuch, Klappbroschur, 416 Seiten,
Erschienen am 16. Oktober 2012 im Goldmann-Verlag
ISBN-10: 344247714X

Berlin 1909: Im Nachlass ihres Vaters, der bei einem Unfall ums Leben kam, findet Emma Thiele einen ganzen Stapel Briefe, alle abgeschickt in  der Lüderitzbucht, in Deutsch-Südwestafrika, von ihrer seit Jahren tot geglaubten Mutter. In einem der Briefe befinden sich einige Rohdiamanten. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hat, beschließt Emma, ihre Mutter in Afrika aufzusuchen. Eine Fügung bringt sie mit der berühmten Pianistin Dorothee von Hirschberg zusammen. Als sich herausstellt, dass die Künstlerin für ein Gastspiel ausgerechnet nach Deutsch-Südwestafrika reisen wird,  beschließen die beiden jungen Frauen, die lange Schiffsreise gemeinsam anzugehen. Ihre männlichen Begleiter auf der Windhuk sind Dorothees Vater Hugo von Hirschberg und der charmante jedoch etwas undurchsichtige Manfred von Paschen, zu dem sowohl Emma als auch Dorothee schnell Vertrauen fassen und bald sogar eine gewisse Zuneigung zu dem älteren Mann entwickeln. Auf dem Schiff lernen sie Ernst Keller, einen weiteren Passagier kennen, der sich als Reiseschriftsteller vorstellt und sich sehr um Emma bemüht.
Emma und Dorothee treten die lange Reise mit unterschiedlichen Hoffnungen und Gefühlen an. Für Dorothee bedeutet es nicht nur, Konzerte am Zielort zu geben, sondern sie erhofft sich auch Linderung, vielleicht sogar Heilung, für ihr schlimmes Lungenleiden. Emma wird von Zweifeln geplagt, ob ihre Entscheidungen, die sie getroffen hat, richtig waren. Ein wenig fürchtet sie sich auch vor dem Wiedersehen mit ihrer Mutter, nach der langen Zeit. Ob sich all ihre Erwartungen erfüllen werden, ist ungewiss.

Micaela Jary malt mit Worten farbige und lebhafte, sehr intensive Stimmungsbilder. Mit ihren Schilderungen der langen Schiffsreise und der Gegend um die Lüderitzbucht bringt sie den Lesern den Zauber und die Magie des Landes wunderbar nahe. Trotz aller schwärmerischen Betrachtung der vorhandenen Schönheiten sind jedoch auch die negativen Aspekte berücksichtigt, und es wird deutlich, dass das Leben in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika nicht immer eitel Sonnenschein bedeutete. Obwohl es reichlich Diamanten gab, die man leicht finden konnte, war es eher unwahrscheinlich, sich auf legalem Weg großen Reichtum anzueignen, da es strenge gesetzliche Auflagen zu beachten gab. Die Gier auf das „blaue Feuer“ brachte nicht selten Unglück über die Menschen.
Die Charaktere sind alle sehr vielschichtig gezeichnet. Ohne Schwarz-Weiß-Malerei sind sie mit all ihren Ecken und Kanten, mit guten und auch negativen Eigenschaften beschrieben -  eben realistisch und menschlich. Das Schicksal hat zum Teil andere Pläne, als die Betroffenen sich wünschen. Es zeichnet seine eigenen Wege, und die sind nicht immer gerade und glatt. Das bekommen auch Emma und Dorothee bei ihrer Ankunft zu spüren.
Bereits im Prolog und in verschiedenen Episoden lernt man auch Emmas Mutter Constanze kennen und erfährt mehr über ihr Leben, ihre Freunde und ihre Beweggründe für die Entscheidung, in der Kolonie zu leben. Man spürt ihre Hoffnungslosigkeit, denn nach all den Jahren und unbeantworteten Briefen hat sie sicher nicht damit gerechnet, ihre Tochter irgendwann wiederzusehen.
Zwar gibt es auch in diesem neuen Roman der Autorin eine gute Portion Romantik, aber diesmal sind auch kriminalistische Elemente dabei, die der Handlung zusätzlich viel Spannung verleihen. Ein geschickt angelegter Wechsel zwischen den Handlungssträngen bringt weitere Dramatik ins Spiel.
Nebenbei erfährt man noch einige wissenswerte Details über die Entstehung und Entwicklung der Lüderitzbucht. Sehr interessant fand ich die ausführlichen Einblicke in die Technik des Fotografierens zur damaligen Zeit. Man merkt sehr deutlich, dass diesen gründlichen Ausführungen eine umfangreichen Recherchearbeit vorangegangen ist. Für historisch Interessierte gibt es auch noch eine ausführliche Zeittafel im Anhang. „Die Bucht des blauen Feuers“ ist schon vom Cover her sehr einladend und schön gestaltet, und der Roman hat alles, was ich mir von einem guten Buch wünsche.
Im Nachwort schreibt Micaela Jary: „Nach dem Buch ist vor dem Buch!“ Ich nehme sie beim Wort!



Mit diesem wunderbaren Trailer habt ihr schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Roman:


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