Montag, 10. September 2012

Die Pestmagd - Brigitte Riebe



Köln, im Jahr 1540: Die erst kürzlich verwitwete Johanna Arnheim muss um ihre Existenz kämpfen. Sie würde gerne den Weinhandel ihres verstorbenen Mannes weiterführen, aber ihr Schwager, der Kürschnermeister Hennes, macht ihr das Leben schwer. Er hat um ihre Hand angehalten, um dadurch an das Erbe seines Bruders zu gelangen, und nach ihrer Ablehnung greift er nun zu unsauberen Methoden, um sein Ziel zu erreichen. Er setzt alles daran, das Haus zur Lilie in seinen Besitz zu bekommen und Johanna loszuwerden. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, ein falsches Gerücht über sie zu verbreiten, und ehe sie sich versieht, wird sie des Mordes am eigenen Ehemann angeklagt.
Zur gleichen Zeit wird Köln von einer Rattenplage heimgesucht, und bald finden sich die ersten Kranken, mit verdächtigen Anzeichen der Pest.
Vincent de Vries, erst kürzlich nach Köln gekommen, um dem Erzbischof Hermann von Wied als Leibarzt zu dienen, muss sich nun um dieses neue Problem in der Stadt kümmern, auch wenn die Obrigkeit die verheerende Krankheit am liebsten totschweigen würde.
Als er eines Tages überraschend Johanna begegnet, erkennt er in ihr seine Liebe aus früheren Tagen. Johanna ist bestürzt, ihn wieder zu treffen, denn er hat sie in der Vergangenheit schwer enttäuscht, und doch ist schnell die alte gegenseitige Anziehungskraft wieder da. Kurz darauf muss Vincent erfahren, dass Johanna verhaftet worden ist. In seinem verzweifelten Bemühen, ihr zu helfen und ihr Leben zu retten, fasst er einen gewagten Plan.

Die Atmosphäre, die Brigitte Riebes neuen Roman bestimmt, ist fast durchweg düster. Das Leben in der Stadt Köln ist geprägt von Angst vor Krankheit, denn nicht nur die Pest hält reiche Ernte, auch weitere Geißeln der Menschheit sind präsent. In diesem Umfeld ist es für den Arzt Vincent de Vries nicht leicht, seinen Beruf zufriedenstellend auszuüben. Vincent hat sich der Erforschung der Franzosenkrankheit verschrieben, aber sein Wissen über die Lustseuche ist noch lückenhaft. Auch über die Pest ist noch viel zu wenig bekannt, um wirkliche Heilerfolge zu erzielen. Nur Wenige können gerettet werden, wenn die Krankheit einen bestimmten Verlauf nimmt. Zudem scheint jemand ein Interesse daran zu haben, den Ursprung der Seuche den Protestanten Kölns zuzuschieben.
In diesen schwierigen Zeiten, wo die Menschen der Stadt von Angst und Zweifeln heimgesucht werden, trifft Vincent nun seine Jugendliebe wieder. Aber er stößt bei Johanna zuerst auf eine Mauer der Ablehnung, denn zu tief hat er sie damals enttäuscht. Johannas Reaktion ist nur allzu verständlich, und die Geheimnisse ihrer Vergangenheit machen sie besonders verletzlich. Aber dann gerät sie in eine Situation, wo sie Vincents Hilfe dringend braucht, um zu überleben. Vincent mutet ihr fast Unmenschliches zu, in der Hoffnung auf eine zweite  gemeinsame Chance. Als wäre die Situation der beiden nicht schon schwer genug, erhält Johanna dann auch noch anonyme Drohungen.

Der Roman hat eine starke Sogwirkung auf mich ausgeübt. Während des Lesens habe ich mich nur ungern von der Handlung gelöst, denn die Schilderung von Johannas Schicksal hatte mich von Anfang an gepackt, und ihre erneute Begegnung mit Vincent ist von starken Gefühlen geprägt. Aber dieser Roman ist viel mehr als eine historische Liebesgeschichte. Er zeigt die angespannte Atmosphäre in der Stadt Köln zur damaligen Zeit, nicht nur durch diverse Seuchen ausgelöst, sondern auch erschüttert von Uneinigkeiten in Glaubensfragen. Anhand der detaillierten Schilderungen der Szenerie kann man sich die Stimmung in der Stadt und das Grauen der Menschen, in Anbetracht der drohenden Gefahren, nur allzu gut vorstellen. Vor dieser Kulisse hat der Roman eine Vielzahl ausgeprägter und zum Teil recht eigenwilliger Charaktere zu bieten, die alle bis ins Detail ausgearbeitet sind. In der Beschreibung ihrer Protagonisten belässt es die Autorin nicht bei Äußerlichkeiten, sondern sie blickt ihnen in die Seele.
Mit einer fesselnden Handlung, die einen starken Spannungsbogen aufweist und mit viel historischem Wissen über das Köln des 16. Jahrhunderts angereichert ist, hat die Autorin ein lebhaftes und intensives Zeitbild geschaffen, das mir während der Lesestunden nicht nur packende Unterhaltung, sondern auch so manche kräftige Gänsehaut beschert hat. Ich gebe diesem Buch meine uneingeschränkte Leseempfehlung und die volle Punktzahl.


Vielen Dank an den Club Bertelsmann, dass ich diese Buch-Premiere bereits vorab lesen durfte.
Das Buch ist ab dem 12. September beim Club/Bertelsmann lieferbar.


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