Donnerstag, 2. August 2012

Was im Schatten blieb - Amanda Eyre Ward


Die Nacht, in der ihre Mutter umgebracht wurde, verbrachten die sechsjährige Lauren und ihr Bruder Alex in ihrem Baumhaus. Erst am Morgen erfuhren sie von der schrecklichen Tat, als ihr Vater verhaftet wurde, denn auf ihn fiel der Verdacht, den Mord begangen zu haben.
Das liegt nun über zwanzig Jahre zurück, und Izaan sitzt nach wie vor im Gefängnis. Lauren hat nie bezweifelt, dass ihr Vater der Mörder war, aber  Alex glaubt fest an seine Unschuld. Als ihr Bruder sich für einen Einsatz beim Projekt „Ärzte ohne Grenzen“ meldet, in den Irak versetzt wird und Lauren kurz darauf die Meldung erhält, dass er seit einem Bombenattentat vermisst wird, muss sie sich um die Auflösung seines Haushalts kümmern und stößt dabei auf die gesammelten Unterlagen zum damaligen Mordfall. Dabei taucht auch ein einzelner Ohrring auf, der am Tatort gefunden wurde. Seltsam daran ist, dass ihre Mutter nie solche Ohrringe getragen hat. Eigentlich will Lauren nur das Werk ihres Bruders abschließen, aber bei ihrer Recherche kommen ihr Zweifel. Vielleicht ist ihr Vater ja doch unschuldig und damit das Opfer eines Justizirrtums?

Langsam und zuerst zaghaft gewinnt man einen Einblick in Laurens Welt. Sie war erst sechs Jahre alt, als sie die Eltern verlor, die Mutter ist tot und der Vater im Gefängnis. Diese schreckliche Situation wirft auch nach all den Jahren noch einen dunklen Schatten auf das Leben der Geschwister Mahdian. Lauren wird immer noch regelmäßig von Alpträumen und Panikattacken heimgesucht, was in Anbetracht der Lage nur allzu verständlich ist. Sie klammert sich an ihren Bruder, und als er für vermisst erklärt wird, hat sie das Gefühl, den letzten Halt im Leben verloren zu haben. Aber gerade die Liebe zu ihrem Bruder veranlasst sie, seine Nachforschungen im Bezug auf die Mordtat noch einmal zur Hand zu nehmen. Sie muss sich den Schatten der Vergangenheit stellen und Erinnerungen aufarbeiten.
Ein zweiter Handlungsstrang des Romans dreht sich um zwei ungleiche Freundinnen. In mehreren Rückblicken stellt sich bald heraus, dass deren Geschichte in gewisser Weise mit dem Schicksal der Familie Mahdian verbunden ist.

Trotz des Mordfalls in der Vergangenheit ist dieser Roman eigentlich kein Krimi im klassischen Sinn. Die Handlung in der Gegenwart konzentriert sich mehr auf die Folgen, die aus den damaligen Geschehnissen resultieren. Man erhält Einblicke in Laurens Lebenssituation und erfährt einiges über ihre psychischen Probleme, die sie seit ihrer Kindheit hat. Auch das Verhalten ihres Bruders hat seinen Ursprung in der Vergangenheit. Viele kleine Details fügen sich nach und nach zusammen und bringen letztendlich die Wahrheit zutage. Die Autorin legt hiermit einen packenden, sehr realistisch wirkenden Roman vor, dessen Ansatz sich an einer wahren Begebenheit orientiert und der mich außerordentlich gefesselt hat. 



Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Rowohlt Verlag

1 Kommentar:

  1. Das Buch hört sich interessant an und könnte was für mich sein. Danke für die tolle Rezi!

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