Dienstag, 28. August 2012

Die Seidenbaronin - Martina Rauen


Klappentext:
Krieg und Seide Paulina von Gralitz stammt aus adeligem, aber verarmtem Hause. Ihre große Liebe, Christian von Bahro, darf sie daher nicht heiraten, seine Familie ist gegen die Verbindung. Ihr bleibt keine andere Wahl, als eine Zweckheirat einzugehen: Pierre von Ostry ist der Sohn eines erfolgreichen Crefelder Seidenfabrikanten, das Unternehmertum liegt ihm jedoch nicht im Blut. Und so muss Paulina nach dem Tod des Schwiegervaters die Leitung der Seidenmanufaktur übernehmen. Während um sie herum Napoleons Armeen Europa erobern, kämpft Paulina um die Zukunft des Hauses. Doch in den Kriegswirren begegnet sie dem Mann wieder, den sie nie hat vergessen können…

Mein Eindruck:
Über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren begleitet man die Protagonistin Paulina von Gralitz auf ihrem steinigen Lebensweg. Trotz aller Probleme, die sich ihr in den Weg stellen, lässt sie sich nicht unterkriegen, sondern findet immer wieder einen Weg aus den Miseren, in die sie hineingeschlittert ist. Ihre Heirat aus Vernunftgründen, die ihr im Lauf der Zeit Wohlstand und Erfolg einbringt, war ursprünglich eigentlich nur ein Vertrag, den sie mit ihrem Schwiegervater abgeschlossen hatte, als ihr das Wasser bis zum Hals stand. Obwohl sie sich im Lauf der Zeit mit ihrem Ehemann einigermaßen arrangiert, gehört ihr Herz nur Christian von Bahro. Er ist der Mann, den sie liebt und der doch unerreichbar für sie scheint, denn sein Vater kämpft erbittert gegen diese Verbindung. Doch es gelingt ihm nicht völlig, die beiden voneinander fern zu halten. Mehrfach kreuzen sich ihre Wege. Dabei bleibt jedoch die Liebe auf der Strecke, denn immer wieder legen sich die Schatten der Vergangenheit auf ihr Glück. Das Gerede über Paulinas Eltern und die unsicheren Angaben zu ihrer Herkunft stehen gemeinsamen Plänen im Weg. Dazu kommen noch jede Menge Missverständnisse. Vieles bleibt unausgesprochen, obwohl Paulina aus ihrem Herzen keine Mördergrube macht. Sie sagt, was sie denkt, aber oft hat man das Gefühl, dass Christian unsicher ist, ob er ihr völlig vertrauen und Glauben schenken kann. Er ist ein zurückhaltender Charakter und verhält sich seinem Vater gegenüber absolut loyal.
Paulina dagegen ist das ganze Gegenteil. Ihre forsche Art wird ihr manchmal fast zum Verhängnis. Sie kämpft wie eine Löwin, für ihre Ideale und für ihr Glück und hält auch mit Kritik nicht hinter dem Berg. Die Art, wie sie ihr Leben meistert und die Seidenmanufaktur nach dem Tod des Schwiegervaters weiterführt, ist manchmal recht unkonventionell, aber auch wenn Paulina ziemlich modern erscheint, bleibt sie immer glaubwürdig. 
Besonders im letzten Teil des Romans ist die Handlung etwas gerafft, und es liegen oft mehrere Jahre zwischen den einzelnen Kapiteln. Trotzdem wird alles Wesentliche im Nachhinein erzählt, so dass man nicht das Gefühl hat, dazwischen etwas verpasst zu haben. Alles wird lückenlos geklärt, und jeder Handlungszweig erfährt eine Auflösung.
Das historische Umfeld ist perfekt recherchiert, bleibt aber eher im Hintergrund und bildet eine faszinierende Kulisse für diese spannende Geschichte, über das Leben einer starken, zielstrebigen Frau, die ganz eigene Wege geht. Man kann die Auswirkungen der französischen Revolution und von Napoleons Herrschaft in Deutschland verfolgen und erfährt einiges über den Seidenhandel im damaligen Krefeld (wurde zu der Zeit noch „Crefeld“ geschrieben). Zwar sind die Protagonisten und die Handlung frei erfunden, aber vieles beruht doch auf Tatsachen, denn in Krefeld gab es im 18. Jahrhundert tatsächlich eine starke Seidenweberindustrie.  Die Autorin hat ein tolles Debüt vorgelegt, und ich hoffe sehr, künftig noch mehr von ihr zu lesen.


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