Samstag, 4. August 2012

Das Herz der Feuerinsel - Nicole C. Vosseler



Zwei Frauen lernen sich im Jahr 1882 auf der Schiffsreise von Amsterdam nach Batavia kennen. Sie sind von sehr unterschiedlicher Natur. Die ernste, unscheinbare Jacobina, wohlerzogene Tochter aus gutem Hause, die ihrer Heimat entfliehen möchte, weil sich kein geeigneter Ehemann für sie findet und Floortje, ein hübsches Mädchen aus einfachen Verhältnissen, fröhlich und aufgeweckt und immer für einen kleinen Flirt mit den männlichen Passagieren zu haben. Eines haben sie gemeinsam. Sie wollen sich auf Java eine neue Existenz aufbauen. Während Floortje jedoch dort auf eine reiche Partie hofft und ihr Glück in der Ehe finden möchte, sucht Jacobina die Freiheit und Ungebundenheit.  Alles beginnt wie ein schöner Traum. Jacobina findet eine gute Anstellung als Kindermädchen, und Floortje verdreht einigen reichen Männern den Kopf. Aber es ist die Ruhe vor dem Sturm. Beide Frauen erleben kurz darauf, dass es in diesem tropischen Paradies auch dunkle Seiten gibt, und während jede ihren ganz persönlichen Lebenskampf ausfechten muss, erwacht der Vulkan Krakatau zum Leben und hinterlässt in der ganzen Region eine Schneise der Zerstörung.

Man sollte sich von der luftig-leichten, exotischen Covergestaltung nicht täuschen lassen, denn beim Anblick der zarten Frangipaniblüten und des von der Sonne beschienenen Holzstegs, der ins Meer hinaus führt, erwartet man eine romantische Liebesgeschichte in schöner Umgebung. Dieser Roman aber ist viel mehr. Die Insel und ihre Menschen, die Landschaft und die Stimmungen, alles ist wunderbar üppig geschildert und in blumiger Sprache so fein beschrieben, dass beim Lesen plastische, farbenprächtige Bilder im Kopf entstehen.
Auch die verschiedenen Charaktere sind detailliert und komplex gezeichnet. Anfangs wirkt alles sorgenlos und beschwingt, so dass auch die ernste Jacobina ihre verkrampfte Zurückhaltung ablegt und dadurch an Charme gewinnt. Ihre Freundin Floortje nimmt das Leben teilweise fast zu leicht, und schon bald stellen sich die ersten Probleme ein. Die Autorin hat die Höhen und Tiefen menschlicher Schicksale sehr gründlich beleuchtet, und die intimen Einblicke, die man in das Leben der Protagonisten gewinnt, sind zum Teil sehr unbequem. Dabei ist keiner der beschriebenen Charaktere einfach und geradlinig, sondern alle haben ihre Ecken und Kanten, ihre Stärken und Schwächen. Als dann auch noch die Erde bebt und der Vulkan Krakatau Tod und Verderben über das Land bringt, wendet sich alles noch einmal grundlegend. Es ist für die Betroffenen wie die Vertreibung aus dem Paradies, und auch diese dunkle Tragödie, dieses dramatische Bild der Zerstörung, hat die Autorin mit der gleichen Detailtreue beschrieben, wie vorher die Schönheit der Inselwelt.
Auf über 600 Seiten wird man förmlich mitgerissen und dabei sinnbildlich in luftige Höhen katapultiert, aber auch in dunkle Schluchten geschleudert. Am Schluss konnte ich gar nicht loslassen, sondern musste noch lange über die tragischen Ereignisse nachdenken und habe mich auch noch weiter mit der Katastrophe rund um den Krakatau beschäftigt. Dieser packende Roman, der von wahrer Freundschaft, vielschichtigen Helden und gigantischen Naturgewalten berichtet, hat meinen Gedanken sozusagen noch einige heftige „Nachbeben“ beschert.




Kommentare:

  1. Guten Morgen und vielen Dank für die tolle Rezi. Jezt freue ich mich noch mehr auf die Leserunde mit der Autorin!
    Liebe Grüße
    Nina

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  2. Und bei mir liegt das Buch seit letzter Woche auf eminen SuB! Im Moment bin ich voll im "Auswanderer-/Familiengeschichten-Fieber"! =)
    Danke für die schöne Rezi! Habe shcon bemerkt, dass du ziemlich denselben Buchgeschmack wie ich hast! ;)
    Liebe Grüße
    Martina

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  3. Das habe ich auch schon festgestellt, liebe Martina. Es gibt viele Bücher, die wir beide mögen :-) Mit der Feuerinsel wünsche ich dir schöne Lesestunden.
    Liebe Grüße
    Susanne

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  4. Hallo Klusi,
    ich habe auch gerade dieses Buch gelesen und bin total begeistert. Mich hat es wirklich mit auch die reise genommen. Nun liest es meine Tochter und ihr geht es nicht anders.
    Liebe Grüße
    Emm
    http://meine-wechseljahre.blogspot.de/

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