Donnerstag, 5. Juli 2012

Pinguinwetter - Britta Sabbag



Für die Lektorin Charlotte (Anfang 30)  kommt es knüppeldick. Statt der erhofften Beförderung erhält sie die Kündigung vom Verlag. Zu allem Überfluss gesteht ihr unkomplizierter Teilzeit-Lover Marc, dass er die „Sauberfrau“ fürs Leben gefunden hat und sich mit Heiratsabsichten trägt.
Von allen Seiten, sei es im Freundes- und Familienkreis oder sogar bei der Agentur für Arbeit gibt es gut gemeinte Ratschläge für sie, allen voran den Tipp, doch einfach schwanger zu werden. Leicht gesagt, wenn man keinen Partner hat.
Charlotte versinkt in Selbstmitleid und stellt fest, dass anscheinend alle in ihrem Umfeld eine glückliche Beziehung pflegen, nur sie ist allein. Sogar ihre Mutter, die nach Grönland ausgewandert ist, hat die Absicht, ihren jugendlichen Freund zu heiraten.
Bei einem Zoobesuch mit ihrem Patenkind Finn geschieht fast ein Unfall, und der sympathische Eric kommt ihr zur Hilfe. Er ist mit seiner kleinen Tochter unterwegs und hält Charlotte für Finns Mutter. Das führt zu ungeahnten Missverständnissen und Turbulenzen, und Charlotte hat ein großes Talent, in jedes sich bietende Fettnäpfchen mit beiden Beinen hineinzuhüpfen.

Man kann gut verstehen, dass es der Ich-Erzählerin, nach einer Anhäufung von negativen Ereignissen, quasi den Boden unter den Füßen wegzieht. Am liebsten würde sie sich verkriechen und nach Vogel-Strauß-Manier den Kopf in den Sand stecken. Aber da hat sie nicht mit ihren Freundinnen gerechnet. Die schwangere Trine packt die Gelegenheit beim Schopf und bittet Charlotte ihren Sohn zur betreuen, der ja sowieso ihr Patenkind ist. Der quirlige Drei- bis Fünfjährige (der Grund für die ungenaue Altersangabe erschließt sich erst beim Lesen des Romans :-D), hält seine Patin ganz schön auf Trab und bringt sie in ungeahnte Schwierigkeiten.
Allgemein kommen Kinder unter Charlottes Urteil nicht allzu gut weg, aber man liest zwischen den Zeilen, dass sich hinter dem Unmut der Protagonistin eigentlich doch liebevolle Gedanken für die kleinen Racker verbergen. Teilweise hat man auch das Gefühl, dass Charlotte sich geradezu in ihrem Unglück sonnt, denn ihre Lage bietet auch die Möglichkeit, sich mal so richtig hängen zu lassen. Dass ihr plötzlich dauernd der attraktive Eric über den Weg läuft, ist schon ein erstaunlicher Zufall, der im richtigen Leben wohl eher selten anzutreffen ist. Man sollte die Story insgesamt wohl auch nicht allzu ernst sehen und keine absolute Realitätsbezogenheit erwarten. Eigentlich will der Roman ja in erster Linie gute Unterhaltung bieten, und die hat man auf jeden Fall. Die Geschichte hat mir gut gefallen und erhält vier Sterne von mir. Den fünften Stern lege ich für das wunderschöne Cover noch obendrauf, denn der kleine Pinguin auf dem Einband, mit dem man sogar im Buch noch ein allerliebstes Daumenkino spielen kann, hat mein Herz im Sturm erobert.


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