Sonntag, 8. Juli 2012

Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen - Aimee Bender



Klappentext:
An einem strahlenden Frühlingstag kurz vor ihrem neunten Geburtstag beißt Rose Edelstein in ein Stück Zitronenkuchen, den ihre Mutter für sie gebacken hat. Und muss feststellen, dass zwischen den frischen Zitronen, dem Zucker und der Butter, nun ja, eindeutig ein Hauch Traurigkeit liegt. Nicht besser ergeht es Rose mit dem Hühnchen und den grünen Bohnen, die die Mutter zum Abendessen reicht - und von nun an mit allen Gerichten. Der Marmeladentoast ihres Bruders Joseph schmeckt seltsam abwesend, das Roastbeef ihres Vaters nach Schuldgefühlen, ein Sandwich nach großer Verliebtheit: Jeder Bissen offenbart mehr, als Rose lieb ist - und erst im Laufe der Jahre lernt sie, mit ihrer Gabe umzugehen, bis diese sie in ein französisches Bistro führt ... Aimee Benders furiose Idee, dem Alltäglichen des Essens eine magische Bedeutung zu geben, ist verführerisch und einnehmend zugleich. Voller leuchtender Sätze stellt ihr Roman die Frage, wieviel wir wirklich von unseren Liebsten wissen.


Mein Eindruck:

Im Alter von neun Jahren entdeckt Rose Edelstein etwas Erschreckendes und zugleich Faszinierendes über sich selbst: Sie kann in den Speisen die Gefühle der Menschen schmecken, die an der Zubereitung beteiligt waren. Dies ist nicht einfach für das kleine Mädchen, denn es sind nicht immer gute Emotionen, die sie auf der Zunge spürt, und manchmal erfährt sie durch diese Fähigkeit mehr über die Menschen, als ihr lieb ist.
Es verstört sie zutiefst, die verborgensten Gefühle der Menschen zu kennen, die sie liebt. Ein einfaches Essen kann von nun an für sie zur Qual werden. Dies ist jedoch nicht ihr einziges Problem, denn sie sorgt sich um ihre Familie. Die Eltern wissen ihren Gemütszustand nach außen hin gut zu verbergen, nicht jedoch vor Rose, und mit ihrem Bruder Joseph scheint etwas Rätselhaftes, Unfassbares vorzugehen.

Dieses Buch ist nichts für Realisten, die alles genau geklärt haben wollen und jedes Phänomen hinterfragen. Die Autorin schildert die Normalität des Alltags, versponnen mit mystischen Phänomenen, die zum Teil bis zuletzt ungeklärt bleiben. Lediglich eine leise Ahnung erhält man, durch ein Gespräch, das Rose mit ihrem Vater führt. Vieles bleibt der Phantasie des Lesers überlassen.
Es ist eine ganz besondere Geschichte, melancholisch, gefühlvoll und nachdenklich. Hingerissen war ich von der Farbenpracht der Sprache, die das Erzählte in ein schillerndes, buntes Bild verwandelt und von dem unerschöpflichen Wortreichtum, der diesen Roman zu einem wahren Leckerbissen macht. 





1 Kommentar:

  1. Danke für die kleine Rezension - mein Interesse ist geweckt und ich versuche die gebundene Ausgabe nun gebraucht zu ergattern. Denn bis Dezember - wenn der Roman als Taschenbuch herauskommt - mag ich nicht warten.
    Liebe Grüße,

    Jimmy

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