Samstag, 30. Juni 2012

Die Niemalsbraut - Angeline Bauer


Als jüngste von sechs Töchtern des Niedermoosbacher Bauern hat es Karoline nicht leicht, noch dazu, weil die Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Der Bauer hat auf einen männlichen Erben gehofft, aber der einzige Junge der Familie hat das frühe Kindesalter nicht überlebt. Dazu kommt, dass der Niedermoosbacher seiner Frau in ihrer letzten Stunde ein Versprechen gegeben hat. Die Töchter dürfen nur der Reihe nach heiraten, angefangen bei der Ältesten.
Die Familie sieht in Karoline den Sündenbock und macht sie für den Tod der Mutter verantwortlich. Als die älteste Tochter, Johanna, eines Tages tödlich verunglückt, fällt sofort der Verdacht auf die Jüngste. Für Karoline stehen die Chancen auf eine Ehe schlecht. Aber sie ist verliebt und verzweifelt. Es bleibt nicht bei dem einen Unfall in der Familie, und inzwischen steht für fast alle fest, dass Karoline ihren Schwestern nach dem Leben trachtet. Nur ihre Amme und Patin Thekla hält zu ihr und ist von der Unschuld des Mädchens überzeugt.

Der Roman beschreibt einerseits die Suche eines jungen Mädchens nach ihrem Lebensglück, aber er schildert auch die Verhältnisse in der Familie und ihrem Umfeld, wie sie wohl in der damaligen Zeit häufig an der Tagesordnung waren. Im 19. Jahrhundert, als jüngste Tochter eines Bauern, wird Karoline nicht gerade mit Liebe und Fürsorge überhäuft, ganz im Gegenteil, denn alle sehen in ihr die Schuldige für die Misere, in der die Familie steckt. In der Reihenfolge für eine Heirat käme sie erst an sechster Stelle, und Johanna, die Älteste, hat nach einer Enttäuschung geäußert, nie heiraten zu wollen. Damit wären die Aussichten, eine Familie zu gründen, für die jüngeren Schwestern gleich Null.
Ein starkes Motiv gäbe es für Karoline, die Schwestern aus dem Weg haben zu wollen, aber andererseits wird die junge Frau so geradlinig, offen und liebenswert dargestellt, dass man ihr eine schlimme Tat gar nicht zutraut. In einem Umfeld, geprägt von Misstrauen, Vorurteilen und Neid muss Karoline nicht nur für ihr Glück kämpfen und ihre Liebe retten, sondern sich auch gegen ihre Mitmenschen zur Wehr setzen, die nur das sehen, was sie sehen wollen.
Die Autorin trifft mit ihrem Schreibstil den Ton der damaligen Zeit sehr gut. Schonungslos und dabei glaubwürdig und einfühlsam erzählt sie, wie es früher war, denn dramatische Umstände, ähnlich wie in Karolines Fall, waren sicher nicht selten. Dass sich hier, zum normalen Leben einer Bauernfamilie, noch mehrere Kriminalfälle gesellen, macht die Geschichte äußerst spannend.  Bis zuletzt ist unklar, was es mit den mysteriösen Todesfällen auf sich hat.
Ein fesselndes und zugleich berührendes Buch, das nur einen Fehler hat: Es ist viel zu schnell gelesen! Dafür ist es prall mit packender Handlung angefüllt, die keine Längen aufweist, sondern den Leser durchgehend in Atem hält.




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