Mittwoch, 30. Mai 2012

Oleanderregen - Stefanie Gerstenberger


Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters reist Valentina nach Sizilien, denn sie muss sich um die Überführung des Leichnams kümmern. Enzo Vitale soll seine letzte Ruhestätte im Familiengrab finden. Sie weiß nur wenig von ihrer italienischen Familie, denn sie war bisher nur einmal in Camaro. Nur Irma, ihre zehn Jahre ältere Cousine, kennt sie besser, aus der Zeit, als diese in Deutschland bei ihnen lebte. Bei ihrer Ankunft in Palermo erfährt Valentina, dass Irma überstürzt operiert werden musste und nun im Koma liegt. In der folgenden Zeit, wo es viel zu erledigen und zu organisieren gibt, findet sie bei ihrer Cousine Angelina tatkräftige Unterstützung. Mit ihr führt sie lange Gespräche, während beide in der Klinik darauf warten, die immer noch bewusstlose Irma sehen zu dürfen. Dabei erfährt Valentina viel über die Familiengeschichte, über ihren Vater und über geheimnisvolle Verbindungen, und sie gewinnt überraschende Erkenntnisse. Hier, in der Heimat ihres Vaters, kann sie zu sich selbst finden und erkennt, was ihr wirklich wichtig im Leben ist.

Auch Stefanie Gerstenbergers dritter Roman handelt zu meiner Freude in Italien, genau genommen auf Sizilien. Aus Valentinas Sicht lernt man das Land, die Menschen und ihre Mentalität ganz „privat“ kennen, fernab vom Touristenrummel.
Besonders haben mir Cousine Angelinas Ausführungen zur Familiengeschichte gefallen. Ihren Hang zu einer leichten Dramatik und zu einem gewissen Mystizismus beim Erzählen habe ich mit einem Schmunzeln und Augenzwinkern wahrgenommen. Trotz mancher offensichtlicher Übertreibung ihrer älteren Verwandten ist es für Valentina sehr wichtig, was sie über ihren Vater, dessen Geschwister und das frühere Umfeld der Familie Vitale erfährt. Auch erhält sie hier, im Land, wo ihre Wurzeln liegen, die Möglichkeit, Erlebtes aus ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten und eigene Fehler wieder gut zu machen.
Der Autorin ist eine großartige Familiengeschichte gelungen, die mich mit einigen interessanten und ausdrucksvollen Charakteren fesseln konnte. Die Romanfigur von Valentinas Onkel Pinu basiert auf einem wahren Schicksal, was mich ganz besonders berührt hat. Wer wissen möchte, was der Titel des Romans mit dem Inhalt zu tun hat, dem kann ich nur wärmstens empfehlen, das Buch zu lesen. Gerade wenn man Italien liebt, kann man sich dem Zauber dieser Erzählung nicht entziehen. Dieses Buch hat nicht nur einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal  gefunden, sondern seine Protagonisten, neben Valentina sind das besonders Angelina, Irma und Onkel Pinu, haben sich einen Fleck in meinem Herzen erobert.

Eine besondere Erwähnung verdient auch der sehr gelungene, perfekt abgestimmte Einband. Hier ist das Flair Siziliens ganz bezaubernd eingefangen. Man möchte sich am liebsten auf einem der abgenutzten Stühle niederlassen, den Duft des Oleanders schnuppern und die besondere Stimmung auf sich wirken lassen.

Herzlichen Dank an Stefanie Gerstenberger für dieses wundervolle Buch.



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