Dienstag, 24. April 2012

König Arsch, mein Leben als Kunde - Martin Wehrle


Martin Wehrle hat in seinem neuen Buch selbst Erlebtes und Berichte aus dem Bekanntenkreis zusammengetragen, die sich alle um den mangelhaften Service und die Behandlung drehen, die wir in unserer Eigenschaft als Kunde Tag für Tag erhalten. Seine geschilderten Erlebnisse erscheinen kurios, aber sie sind leider nur allzu real. Jeder hat die eine oder andere Situation ganz sicher schon in ähnlicher Form erlebt. Man wird abgekanzelt, versetzt, vertröstet, quält sich mit zermürbenden Telefonaten, hängt in Hotlines mit Computerstimme fest und „darf“ vieles selbst erledigen, was eigentlich zum Kundenservice gehören würde. Alles ist automatisiert, zentralisiert und rationalisiert, und wir Kunden machen immer schön mit, was die Unternehmen von uns verlangen. Defekte Automaten, endlose Warteschlangen, unfreundliches Personal und ärgerliche Verzögerungen sind häufig an der Tagesordnung. Dies hier alles so geballt, auf ca. 250 Seiten gesammelt, zu lesen, ist erschreckend, denn soviel sei schon verraten, es kommt einiges an „Aufregern“ zusammen. Glücklicherweise kommt der Humor nicht zu kurz, und man muss häufig nicken und schmunzeln, wenn man die Ausführungen von Herrn Wehrle liest. Man erkennt sich in vielen der geschilderten Situationen wieder.
Bei einigen Passagen könnte man direkt herzhaft lachen, wenn die Wahrheit nicht so traurig wäre.
Auch wenn ich nicht alles hundertprozentig nachvollziehen kann und auch manches nicht ganz so streng sehe, wie es der Autor beschreibt, trifft er in den meisten Fällen mit seinen Beispielen den Nagel auf den Kopf.
Er prangert Missstände an, und seine offenen Worte über Deutschlands Servicewüste waren längst überfällig.
Das Buch macht deutlich, wie stark man als Kunde manipulierbar ist, wie sehr man nach der Pfeife der Unternehmen tanzt, ohne es zu merken. Es zeigt aber auch auf, dass wir Kunden die Macht haben, etwas zu ändern, wenn wir nicht mehr kritiklos ausführen und akzeptieren, was von uns verlangt wird. Wir sollten öfter aufbegehren, wenn es um unsere Interessen geht.

Im Anhang bietet der Autor noch einen sehr hilfreichen Service. Er hat viele Adressen von Verbraucherzentralen und Interessenverbänden zusammengestellt, die dem Kunden bei Problemen und Ärgernissen hilfreich und informativ zur Seite stehen.



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