Dienstag, 10. April 2012

Die Tote von Higher Barton - Rebecca Michéle

Nach 40 Jahren Funkstille haben beide Frauen das Bedürfnis danach sich auszusprechen und zu versöhnen, und so nimmt Mabel Clarence die Einladung zur Geburtstagsfeier ihrer Cousine Abigail an und macht sich auf die Reise nach Cornwall. Während der Fahrt gerät Mabel in ein Unwetter und verfährt sich. Sie muss einsehen, dass sie die Geburtstagsfeier nicht rechtzeitig erreichen kann und übernachtet notgedrungen im Auto. Als sie Higher Barton, das Anwesen ihrer Cousine, in den sehr frühen Morgenstunden erreicht, möchte sie die noch schlafenden Bewohner nicht stören und betritt das Herrenhaus durch eine offene Terrassentür. Sie findet sich in der Bibliothek des Hauses wieder und entdeckt dort vor dem Kamin die Leiche einer jungen Frau. Als kurz darauf die Polizei aus Lower Barton eintrifft, ist die Tote spurlos verschwunden, und niemand schenkt Mabels Beteuerung Glauben, diese wirklich gesehen zu haben. Da die pensionierte Krankenschwester mit ihrem Bericht beim Chefinspektor auf taube Ohren stößt, beginnt sie auf eigene Faust mit Nachforschungen. Unerwartete Unterstützung findet sie bei dem Tierarzt Victor Daniels. Er ist ein etwas sonderlicher Eigenbrötler, aber er glaubt Mable und hilft ihr bei den Recherchen. Fast zu spät merkt Mable, dass sie selbst in Gefahr ist…

Mit Mable hat dieser Krimi eine geradlinige, beherzte Heldin, die nicht wegsieht, sondern allem auf den Grund gehen möchte. Die ehemalige Krankenschwester ist, schon bedingt durch ihren früheren Beruf, nicht zimperlich und auch nicht auf den Mund gefallen, was ihr bei ihren Nachforschungen zugute kommt. Mit ihrer direkten Art, auf die Menschen zuzugehen, bekommt sie schnell wertvolle Informationen, schafft sich aber nicht nur Freunde und gerät mit ihrer Neugier wortwörtlich in die Schusslinie. Stellenweise kommt einem wirklich der Vergleich mit Miss Marple in den Sinn, denn wie sie agiert Mable ebenfalls unerschrocken als Amateurdetektivin, stürzt sich in gefährliche Situationen und hat doch zugleich mit den Zipperlein des Alters zu kämpfen. Die Vorgehensweise ist hier aber natürlich sehr viel moderner, denn der vorliegende Krimi spielt ja in der heutigen Zeit, und die Helden können bei ihren Recherchen schon mal auf moderne Technik zurückgreifen, wenn auch für Mable der Umgang mit einem Handy nicht alltäglich ist.
Als sie den etwas verschrobenen Tierarzt der Gegend kennen lernt, sieht das anfangs gar nicht nach einer erfreulichen Begegnung aus. Victor ist ein wortkarger Eigenbrötler, aber schnell gewöhnt sich Mable an seine sonderbare Art und entdeckt, dass er auch seine liebenswerten Seiten hat. Es ist gut, dass in diesem Roman einmal nicht die Jungen und Schönen die Helden sind.
Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, die Handlung bietet kurzweilige und auch spannende Unterhaltung, und das Ambiente ist mit Cornwall perfekt gewählt, denn die Beschreibungen der Gegend unterstreichen die düsteren Aspekte der Story sehr gekonnt.
Der letzte Satz lässt die Vermutung zu, dass es ein Wiedersehen mit Mable und Victor geben wird, und wie ich auf der Homepage von Rebecca Michéle gelesen habe, ist das auch der Fall, und wir dürfen uns auf weitere kriminalistische Abenteuer mit den liebenswerten Hobby-Detektiven im kommenden Herbst freuen.







Herzlichen Dank an den Goldfinch-Verlag und an Blogg-dein-Buch für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. 
Der Kriminalroman ist auch als E-Book erhältlich und kann direkt beim Verlag bestellt werden: 


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