Montag, 16. Januar 2012

Herrschaft der Alten - Alfred Bekker



Man schreibt das Jahr 2099. Deutschlands Bevölkerung ist völlig überaltet, genau genommen ist nur noch ein Viertel der Einwohner unter siebzig. Es gelten strenge Auflagen. Um die Staatsflucht zu unterbinden, ist es Bürgern erst ab einem Alter von 75 Jahren gestattet, Auslandsreisen zu unternehmen. Die arbeitende Bevölkerung lebt mit strengen Gesetzen und muss hohe Abgaben leisten, um die Versorgung der Alten und Kranken zu sichern. Schulen wurden aus Kostengründen abgeschafft, die Weiterbildung erfolg über Onlinekurse. Fast alle Lebensbereiche werden stark überwacht und staatlich geregelt. In dieser Zeit lebt Benn. Er hat nur wenige Freunde, denn es gibt kaum noch Jugendliche. Mit seinen 17 Jahren gehört er einer Minderheit an. Zusammen mit drei Gleichaltrigen schmiedet er Fluchtpläne, denn es gibt viele Länder, wo junge Menschen mit offenen Armen aufgenommen würden, wenn es ihnen erst einmal gelänge, ihr Heimatland zu verlassen.


Einen Großteil der Handlung nehmen die Fluchtvorbereitungen der vier Jugendlichen ein. Daneben wird Benns bevorzugter Zeitvertreib sehr ausführlich geschildert. Der Junge gestaltet virtuelle Charaktere für so genannte Holo-Drama-Events. Dies ist sehr umfassend beschrieben was für mich nicht von so großem Interesse war. Aber vermutlich hat der Autor dieses Thema so gründlich erörtert, weil sich dahinter Benns Zukunftstraum verbirgt, denn er möchte gerne irgendwann an einer richtigen „Holowood-Produktion“ beteiligt sein. Um dies verwirklichen zu können, bleibt ihm allerdings nur die Flucht aus Deutschland.
Für alle Bereiche des geschilderten Lebens hat sich der Autor einige phantastische Erfindungen einfallen lassen, wie beispielsweise der Verkehr und die Kommunikation zum Ende des 21. Jahrhunderts geregelt sein könnten.
Manches an dieser Zukunftsvision wirkt erschreckend real, und eine ähnliche Umsetzung in hundert Jahren wäre, zumindest ansatzweise, durchaus denkbar, besser gesagt, man muss vielleicht für die Zukunft befürchten, dass es zu vergleichbaren Problemen kommen kann. Die beschriebene Situation der Jugendlichen bietet jede Menge Denkanstöße und Material für Diskussionen und ist meines Erachtens für gemeinsame Leseprojekte, wie beispielsweise als Schullektüre, bestens geeignet.




Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an Edition Zweihorn.

1 Kommentar:

  1. Ich habe es auch gelesen. Ich fand das Buch stark. Gerade wegen der Nähe zur Realität.

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