Montag, 31. Dezember 2012

Yofi oder die Kunst des Verzeihens - Oliver Bantle




Klappentext:
Yofi ist ein griesgrämiger Nashornbulle. Er verdirbt sich die Freude am Leben, indem er stets zornig ist: mal auf den Mond, mal auf die Sonne, mal aufs Wetter. Am meisten aber auf das Rhinozeros im Nachbarrevier, mit dem er früher eng befreundet war. Eines Tages erscheint Yofis Großvater. Er belebt in ihm einen fast vergessenen Lebenstraum: eine Wanderung ans Meer. Die beiden Kolosse brechen auf. Während sie gemeinsam durch Afrika ziehen, erzählt der Großvater seinem Enkel, was er über das Leben weiß ...

Meine Meinung:
Ich habe mir dieses Buch bewusst bis zum Jahreswechsel aufgehoben, weil ich mir schon dachte, dass es ganz wunderbar in die Zeit passt, und meine Vermutung hat sich bestätigt. Es war sehr schön, im Geiste mit dem (anfangs) griesgrämigen Yofi und seinem Großvater Meru auf die Reise zu gehen. Yofi möchte endlich seinen Herzenswunsch verwirklichen und das Meer kennenlernen. Anfangs gibt es Spannungen zwischen den beiden Wanderern. Der ewig unzufriedene Yofi fühlt sich von seinem Großvater bevormundet. Aber je weiter sie sich ihrem Ziel nähern, umso mehr erkennt Yofi, was wirklich wichtig ist im Leben. Die Geschichte ist liebevoll erzählt und manchmal ein wenig philosophisch. Viele Weisheiten, die der alte Meru von sich gibt, kann man auch gut auf uns Menschen übertragen, und so ist das Lesen dieser schönen Fabel eine gute Gelegenheit, selbst Rückschau zu halten und einmal ganz ehrlich über das vergangene Jahr nachzudenken. Sicher geht es uns allen manchmal ähnlich wie Yofi, dass wir über irgend etwas in unserem Leben unzufrieden oder verärgert sind, obwohl es uns eigentlich gut geht. Diese kleine Lektüre hält dazu an, gelassener zu werden und nicht allzu streng mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen ins Gericht zu gehen. Das wunderschöne, besinnliche Büchlein eignet sich auch sehr gut als kleines Geschenk zum Jahreswechsel, zum Geburtstag oder einfach so, um einem lieben Menschen eine Freude zu machen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für das kommende Jahr, dass wir unsere Herzenswünsche und Ziele im Auge behalten und vielleicht auch zum Teil verwirklichen können. 



Herzlichen Dank an den Tigerbaum-Verlag für das Rezensionsexemplar.


Samstag, 29. Dezember 2012

Das kastilische Erbe - Ulrike Schweikert



Die Münchner Journalistin Isaura Thalheim wird fast jede Nacht von seltsamen Träumen heimgesucht. Darin fühlt sie sich weit in die Vergangenheit versetzt und sieht immer wieder unbekannte, rätselhafte Frauen. Sie kann ihre Träume weder einordnen noch deuten, aber als sie eines Tages in einem alten Buch das Bild einer schönen Spanierin entdeckt, fühlt sie sich magisch von dem Portrait der Frau angezogen. Einen beruflichen Auftrag nimmt sie als willkommenen Vorwand, weiter in diese Richtung zu forschen und sich mit der spanischen Geschichte zu befassen. In einem Antiquariat findet sie ein weiteres Buch, dessen Verfasserin sich „La Caminata“ nennt.  Isaura ist fasziniert von der Geschichte. Kurz darauf erhält sie die Nachricht über eine Erbschaft von einer ihr unbekannten Großtante in Spanien. Gerne möchte sie das Berufliche mit dem Privaten verbinden und gemeinsam mit ihrem Mann nach Kastilien reisen, denn sie sieht hier auch eine Gelegenheit, ihre Ehe  zu retten, die in einer Krise steckt. Ihre Hoffnung wird zerstreut, als sie erfährt, dass ihr Mann eine Geliebte hat. Enttäuscht und verbittert tritt Isaura die Reise nach Tordesillas alleine an. In Spanien erwarten sie ein baufälliges Anwesen, ein herrenloser Kater und der väterliche alte Anwalt ihrer Großtante. Trotz ihrer persönlichen Probleme fühlt sie sich sehr schnell wohl und heimisch in dem geerbten Haus. Sie versucht, zur Ruhe zu kommen und denkt viel über ihre aktuelle Lage nach. Auch den alten Band der Caminata hat sie mitgebracht und taucht nicht nur in ihren Träumen immer wieder in die Vergangenheit, sondern ist bald völlig im Bann der Geschichte, die das Buch erzählt. Bald erkennt sie, dass die Ereignisse der letzten Zeit nicht auf Zufällen beruhen, sondern dass es eine rätselhafte Verbindung zwischen ihr und der Caminata geben muss.
Zusammen mit Isaura unternimmt der Leser eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit. Diese Handlungsabschnitte, die im 15. Jahrhundert in Spanien spielen, nehmen den größeren Teil des Romans ein, und man lernt Jimena, Teresa und Beatriz kennen, die als Hofdamen im Dienst von Isabel von Kastilien stehen und dieser von Jugend an freundschaftlich verbunden sind.

Anfangs ist mir der Wechsel zwischen den Zeiten nicht ganz leicht gefallen.  Jimenas Leben in der Vergangenheit mit Isauras Anteil an der Geschichte in der Gegenwart in Einklang zu bringen, ist mir erst nach und nach gelungen. Der Bezug zu den Protagonisten hat sich langsam aber stetig entwickelt. Bald war ich jedoch von der geheimnisvollen Geschichte der Caminata fasziniert. Man erfährt viel über die damalige Zeit und das Machtgerangel um die Thronfolge. Die historischen Tatsachen sind sehr gründlich recherchiert und detailgetreu wiedergegeben. Ihre erdachten Charaktere hat die Autorin sehr harmonisch und nahtlos in die Geschichte eingebunden und sich dabei reale, manchmal fast unglaubliche Begebenheiten zunutze gemacht, um ihre Helden agieren zu lassen. Dabei ist auch eine große Portion Magie in die Handlung eingeflossen. Das Ende des Romans ist so konzipiert, dass man sich eine Fortsetzung wünscht und die Hoffnung hat, noch offene Fragen dann beantwortet zu bekommen. Fragen hatte ich am Schluss noch einige, und ich denke, man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Geschichte weiterhin entwickelt. Soviel mir bekannt ist, wurde „Das kastilische Erbe“ als erster Teil einer Trilogie angelegt, und so besteht eine berechtigte Hoffnung, demnächst noch weiter am Leben der Protagonisten teilnehmen zu können. Ich freue mich darauf.


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Blanvalet Verlag.

Freitag, 28. Dezember 2012

Drei Wünsche - Petra Oelker

Eine Weihnachtswundergeschichte



Drei Frauen – drei Schicksale – drei Wünsche

Diese schöne kleine Geschichte spielt in Hamburg, im Dezember des Jahres 1773.
Drei Frauen sind in der Vorweihnachtszeit unterwegs, und jede von ihnen hat ein Problem und auch einen damit verbundenen Herzenswunsch. Sie kennen sich anfangs noch nicht, aber das Schicksal führt sie auf wundersame Weise zusammen, und jede von ihnen kann zum Glück einer anderen ein wenig beitragen. Auch ein kleiner Hund spielt eine wesentliche und sehr liebenswerte Rolle. Was es genau mit den Wünschen von Theda, Elsi und Madame Augusta auf sich hat und inwiefern sie sich erfüllen, das sollte jeder selbst herausfinden. 
Die Geschichte ist warmherzig und sehr stimmungsvoll erzählt. Man kann sich gut in die Atmosphäre des Weihnachtsmarktes im Hamburger Dom hineinversetzen. Das ganze Umfeld und die persönlichen Verhältnisse der drei Protagonistinnen werden detailreich und lebendig dargestellt. Sehr schön sind auch die enthaltenen Illustrationen von Andrea Offermann, denn sie unterstreichen den beschriebenen Handlungsrahmen ganz wunderbar und laden immer wieder zum Betrachten ein.
Hinten im Buch findet man noch Wissenswertes zur Geschichte der Hamburger Domkirche. Durch die schöne und hochwertige Aufmachung, mit Lesebändchen und Leinenrücken, ist dieses kleine Buch auch gut als nettes Geschenk oder Mitbringsel in der Weihnachtszeit geeignet. 


Mittwoch, 26. Dezember 2012

Weihnachtspost und Wichteln

Im Dezember gab es überall Wichtelaktionen, und auch ich habe an verschiedenen teilgenommen.
Im Liebesromanforum haben wir gewichtelt, und meine Wichtelmama war Lenya. Sie hat mich mit einem Wunschbuch beschenkt, außerdem noch mit einem Lesezeichen-Block, einem winterlichen Yankee-Candles Tart und einem sehr interessanten Bio-Tee von Tee Gschwendner "Granatapfel-Minze". Den habe ich schon probiert, und er ist super lecker. Das Tart "Snow in Love" duftet auch ganz herrlich.

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 Auch bei Lovelybooks gab es eine Weihnachts-Wichtelaktion. Dieses schöne Paket mit den Engelchen erreichte mit schon Anfang Dezember, und ich wurde ganz schön auf die Folter gespannt, bis ich es an Heiligabend endlich auspacken durfte.
Meine Wichtelmama Kornmuhme hat mich reichlich beschenkt. Gleich zwei Bücher von meiner Wunschliste waren im Paket: "Hexenschwester" von Katerina Timm und "Kälte" von Michael Northrop.
Dazu hat mir meine Wichtelmama noch einen tollen Honig und Schokolade (mit Cranberrys) eingepackt, außerdem noch einen Weihnachtstee von Tee Gschwendner "Weiße Weihnacht", der ist auch unglaublich lecker. Dann gab's noch mein Lieblings-Shortbread und Duschgel sowie Bodylotion von The Body Shop, kleine Schokoladentäfelchen und eine wunderschöne Karte mit einem Motiv von Chagall.

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Bei Facebook hatte die Autorin Annette Eickert zum Lesezeichen-Wichteln aufgerufen, und auch da konnte ich nicht widerstehen und habe teilgenommen. Hier war meine Wichtelmama die Autorin Anja Ollmert, und sie hat mich mit einem selbst geklöppelten Stern-Lesezeichen überrascht, dazu gab es eine Kurzgeschichte von ihr und sehr feine Mini-Pralinen.
Der wunderschöne geklöppelte Stern ziert nun mein Thomas Kinkade Weihnachtsgeschichten-Buch.

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Auch liebe Kartenpost gab es, sowohl von Lovelybooks- als auch von Facebookfreunden.
Vielen Dank dafür an Ella Theiss, die Glimmerfeen, "Federchen", "Favole" und "Wildpony".


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Ertauscht habe ich auch drei Bücher:
Die Schwester des Apachen von Lucia St. Clair Robson,
Tod im Beginenhaus von Petra Schier
 und "Ein Weihnachtsengel auf vier Pfoten", ebenfalls von Petra Schier.

Auch diese beiden Schätze sind neu bei mir eingezogen, denn wie könnte man sein Weihnachtsgeld besser anlegen als in Büchern *ggg*:


 Das nächste Buch "Das Herz des Jägers" von Lara Adrian ist ein Adventskalender-Gewinn.
"Der Thron der Welt" von Robert Lyndon habe ich als Rezensionsexemplar erhalten.

Über Blogg dein Buch konnte man sich für die Christmas Stories bewerben. Auf diese Mischung aus Hörbuch, geschriebenen Geschichten und Lernprogramm "Englisch" bin ich schon sehr gespannt.

Ein weiteres Rezensionsexemplar ist "Das Geheimnis der Maurin", Lea Kortes neuer Roman, den ich zusammen mit einem signierten Lesezeichen erhalten habe.
Ihr seht, es gab viele tolle Bücher und viele andere schöne Sachen für mich. 

Ein weiteres Weihnachtsgeschenk hat zwar eigentlich nichts mit Büchern zu tun, aber in meiner Eigenschaft als "Büchereule" möchte ich es euch trotzdem zeigen ;-)
Diese süße Schürze hat mir meine Tochter geschenkt, und die allerliebste Eulenschar wird mir künftig in der Küche "assistieren" ;-)

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle, die an mich gedacht und mich beschenkt haben. 

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Frostzauber - Tanja Heitmann (Hrsg)



Nach „Stille Nacht“ im letzten Winter ist mit „Frostzauber“ nun die zweite Anthologie dieser Art erschienen.
Sechs bekannte Autorinnen (Tanja Heitmann, Antonia Michaelis, Gesa Schwartz, Lilach Mer, Mechthild Gläser und Jennifer Benkau) haben je eine Kurzgeschichte beigesteuert.
Die geheimnisvolle Stimmung des Umschlagbilds setzt sich in allen Geschichten fort, welche einige Gemeinsamkeiten aufweisen und doch so völlig verschieden sind. Sie spielen alle in der kalten Jahreszeit, sind  rätselhaft, düster-geheimnisvoll, und sie handeln von einsamen Herzen die sich nach Liebe sehnen, welche alle Hindernisse überwindet. Da die Geschichten recht kurz gehalten sind, möchte ich auf den jeweiligen Inhalt nicht näher eingehen, denn die Gefahr wäre groß, dabei zuviel zu verraten.
Jede Erzählung für sich ist faszinierend, sprachlich sehr schön und ausdrucksvoll. Beim Lesen glaubt man fast, den Frost auf der Haut zu spüren, das Knistern des Eises zu hören und die Helligkeit des Schnees zu sehen. Man trifft auf geheimnisvolle Wesen und rätselhafte Ereignisse. Wenn man sich darauf einlässt, nimmt einen die Magie dieser kleinen Episoden gefangen. Dieses Büchlein ist eine zauberhafte Lektüre und perfekt für die Raunächte bzw. die Zeit zwischen den Jahren geeignet.

Folgende Geschichten sind im Buch
Tanja Heitmann: Unter dem Frosthauch
Lilach Mer: Cirque Indigo
Mechthild Gläser: Die gefrorene Zeit
Gesa Schwartz: Jenseits des Lichts
Antoina Michaelis: Preußischblau (mein ganz persönlicher Favorit im Buch – wunderschön und anrührend)
Jennifer Benkau: Das Lied des Eiswolfs



Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Plantage - Catherine Tarley



South Carolina 1781: Antonia Lorimer, die ihren Mann Henry im kürzlich beendeten Unabhängigkeitskrieg verloren hat, ist fest entschlossen, ihre von Engländern zerstörte Plantage wieder aufzubauen. Ihr missgünstiger Schwager versucht mit allen Mitteln, ihren Erfolg zu verhindern und legt ihr Steine in den Weg, wo er kann. Auf dieser Basis fällt es ihr nicht leicht, sich in einem von Männern beherrschten Metier zu behaupten.
Als sie eines Nachts einen schwer verwundeten britischen Soldaten in ihrem Pferdestall vorfindet, will sie dem Mann helfen und beschließt spontan, ihn gesund zu pflegen. Ihre humanistische Gesinnung kann ihr leicht zum Verhängnis werden, wenn öffentlich wird, wen sie in ihrem Haus beherbergt. Auch hat sie nicht mit der Sturheit und Unnachgiebigkeit ihres unfreiwilligen Gastes gerechnet. Obwohl er lebensgefährlich verletzt ist, gelingt es ihm immer wieder, seine Mitmenschen, allen voran Antonia, zu tyrannisieren. Mit der Zeit kommen sich die Protagonisten jedoch näher und spüren beide eine gewisse Anziehungskraft zueinander.
Als Ausgleich für seine Pflege und Genesung hilft William Marshall, wie sich der Engländer nennt, die Plantage wieder in Schwung zu bringen. Dank seiner tatkräftigen Unterstützung wiegt sich Antonia bald in Sicherheit und verlässt sich auf den Mann, den sie mittlerweile liebt. Aber sie hat nicht mit Williams Streben nach Unabhängigkeit gerechnet. Auch weiß sie so gut wie nichts über seine düstere Vergangenheit.

Es fällt mir nicht leicht, ein objektives Urteil für diesen Roman zu verfassen, denn ich muss gestehen, dass ich massive Probleme hatte, mich auf die Geschichte und die Personen einzulassen. Die Plantage Legacy, die dem Roman seinen Namen gab, blieb in meiner Vorstellung eine starre Kulisse. Fast alle Charaktere wirkten auf mich blass und ohne Konturen. Gerade von Antonia und William hätte ich gerne eine ausführlichere Beschreibung gehabt. Nur von wenigen Personen konnte ich mir ein klares Bild machen.
Der historische Hintergrund und die politischen Zusammenhänge im damaligen Unabhängigkeitskrieg sind hervorragend recherchiert, jedoch fast zu ausschweifend dargestellt. Häufig werden Situationen sehr detailliert ausgemalt oder Dialoge in aller Ausführlichkeit wiedergegeben, obwohl sie im weiteren Verlauf keine größere Bedeutung erlangen oder später gar nicht mehr zur Sprache kommen.

Erschreckend fand ich die Häufung abartiger Handlungsweisen im Verlauf der Geschichte. Kindesmissbrauch, Folter und andere Gewalttaten, bis hin zu brutalen Morden, kommen häufig zur Sprache und sind sehr genau beschrieben, so dass sich plötzlich in einem Thriller wieder findet. Dieser Eindruck wird durch die zum Teil sehr moderne Sprache noch verstärkt.
Antonia, eigentlich die Hauptperson des Romans, gerät mehr und mehr in eine Statistenrolle und steht ständig im Schatten der „bösen Buben“ dieser Geschichte. Hat man anfangs noch den Eindruck, sie sei eine starke und mutige Frau, fallen einem schon bald ihre mangelnde Entschlusskraft und ihre Inkonsequenz auf. Mit der Zeit konnte ich viele ihrer Gedankengänge und Handlungen nicht mehr nachvollziehen. William konnte mich leider ebenso wenig überzeugen. Für seine Entschlüsse und Aktionen hat mir oft das tiefere Verständnis gefehlt, denn er ist egoistisch und rücksichtslos und lebt dabei eigentlich nur für seine Rache.
Auch der Bezug zur „Geschichte des Kriegers“, mit der dieser Roman beginnt, ging im Lauf der Handlung für mein Empfinden weitgehend verloren. Zwar ist am Schluss noch einiges dazu geschrieben; auch die alte Indianerin taucht wieder auf, aber eine wirklich sinnvolle Auflösung gibt es nicht, was ich schade finde, denn gerade diese alte Legende hatte mich anfangs auf das Buch neugierig gemacht.

Wenn ich das schöne Cover betrachte und den Klappentext lese, habe ich völlig andere Erwartungen an den Roman. Dies könnte unter Umständen bedenklich werden, beispielsweise wenn jemand auf der Suche nach einem Geschenk, in der Annahme, einen historischen Südstaatenroman in der Art von „Vom Winde verweht“ zu erhalten, zu diesem Buch greift und sich zudem auf den Aufkleber „Tipp des Monats“ verlässt. Auf diese Weise könnte der Roman leicht auch in die Hände Minderjähriger gelangen, was ich in Anbetracht der vielen brutalen und perversen Szenen für problematisch halte.
Ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte, ist der Anhang, in dem viele Begriffe erklärt werden. Leider findet man keine entsprechenden Fußnoten im Text, wo auf diese Möglichkeit der Information verwiesen wird.
Ich finde es schade, dass ich an diesem Buch so viele Kritikpunkte anbringen muss, denn einerseits enthält dieser Roman einen Fundus an Wissen über die Zeit und die Schauplätze. Leider ist es der Autorin für mein Empfinden nicht gelungen, diese solide Basis mit Leben zu füllen. Ich bin auf Grund der Aufmachung von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Hätte ich gewusst, was mich hier teilweise erwartet, wäre das Buch für mich nie in die engere Wahl gekommen.




Dienstag, 11. Dezember 2012

Sternenreiter - Jando

Kleine Sterne leuchten ewig

Der Ich-Erzähler Mats ist in einem großen, erfolgreichen Unternehmen angestellt. Seine Familie und sein Privatleben müssen meist hinter den beruflichen Verpflichtungen zurückstehen. Nur allzu oft kann er das Versprechen, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, nicht einhalten.
Ein schwerer Unfall zwingt ihn zu einer Auszeit. In einer Klinik am Meer, wo Mats auf seine baldige Genesung hofft, lernt er einen außergewöhnlichen kleinen Jungen kennen. Mit ihm führt er tiefgehende, bewegende Gespräche, über die Welt, das Leben, über geheime Wünsche und  Träume. Vieles sieht er von nun an mit anderen Augen. Der Junge öffnet ihm die Sicht für das Wesentliche.

Was auf den ersten Blick real erscheint, entpuppt sich bald als modernes Märchen.  Der kleine Junge wirkt in der sachlichen Umgebung der Klinik eigentümlich fehl am Platz, und doch verzaubert er alle, die ihm begegnen. Vom Stil erinnert das kleine Büchlein ein wenig an Geschichten wie „Der kleine Prinz“ oder „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“.  Auch hier sind sehr gekonnt reale mit phantastischen Elementen kombiniert. Sowohl die Geschichte als auch die Aufmachung des Buches sind sehr schön und stimmungsvoll.
Ein wenig irritiert war ich anfangs, weil viele Passagen im Buch durch kursiven Druck hervorgehoben sind. Schnell habe ich erkannt, dass es sich hierbei um Sätze handelt, die dem Erzähler besonders wichtig sind. Ein wenig schade eigentlich, denn als Leser wurde ich dadurch um das Vergnügen gebracht, unvoreingenommen meine ganz persönlichen Lieblingszitate zu entdecken. Realistisch betrachtet wirken viele Bemerkungen ein wenig altklug für einen kleinen Jungen, von dem man sonst kaum etwas erfährt. Aber es handelt sich ja um ein Märchen, und dem kleinen Sternenreiter ist es gelungen mich nachhaltig zu faszinieren und nachdenklich zurück zu lassen.
Das liebevoll gestaltete Büchlein, mit fünfzehn farbigen Illustrationen von Antjeca, der Schwester des Autors, ist auf jeden Fall eine ganz zauberhafte Geschenkidee.


Vielen Dank an den Verlag KoRos Nord für das Rezensionsexemplar.

Montag, 10. Dezember 2012

Freifahrtschein - Mila Roth

Mila Roth: Freifahrtschein
Fall 3 für Markus Neumann und Janna Berg
ISBN: 1481008714
172 Seiten

Eigentlich hatte Janna Berg vor, gemeinsam mit ihrer Familie einen vergnüglichen Tag auf dem Rummel zu verbringen, aber dann entdeckt sie dort durch Zufall die Geschwister Alim und Abida, von denen sie weiß, dass sie zu einer terroristischen Vereinigung gehören.
Janna wird den Verdacht nicht los, dass die beiden gerade etwas Gefährliches planen. Spontan informiert sie den Geheimdienst, für den sie in der Vergangenheit schon hin und wieder gearbeitet hat. Zusammen mit Markus Neumann erhält sie den Auftrag, auf dem Jahrmarkt, als Meinungsforscher getarnt, eine Umfrage mit den Schaustellern zu machen und dabei unauffällig nach dem verdächtigen Geschwisterpaar Ausschau zu halten. Was anfangs ganz unproblematisch und sicher zu sein scheint, entpuppt sich schnell als gefährliches Abenteuer.

Für Janna ist es auch diesmal wieder ein gewagtes Doppelspiel, denn ihre Familie darf nichts von ihren Aktivitäten für den Geheimdienst wissen. Es ist erstaunlich, wie findig sie darin ist, sich glaubwürdige Ausreden einfallen zu lassen, ohne dabei zu stark von der Wahrheit abzuweichen, denn eigentlich ist sie ein ehrlicher, geradliniger Mensch.
Mit ihrer unkomplizierten, erfrischenden Art gelingt es ihr, immer im besten Moment genau das Richtige zu tun.  Unabsichtlich wickelt sie auch den kaltblütigen Agenten Markus Neumann um den kleinen Finger, und   dieser muss widerstrebend zugeben, dass Janna sich durchaus manchmal als nützliche Partnerin erweist. Auch privat nähern sich Janna und Markus inzwischen etwas an, obwohl sie das natürlich beide nie zugeben würden. Janna ist in einer vermeintlich glücklichen Partnerschaft, und doch fühlt sie sich in gewisser Weise zu Markus hingezogen. Die Kommunikation zwischen den zwei so völlig unterschiedlichen Charakteren verläuft nicht immer einfach, denn der wortkarge Einzelgänger ist völlig überfordert, wenn Janna gerade in aufregenden Momenten einen Wortschwall auf ihn niederprasseln lässt.
Die Erlebnisse dieses ungleichen Agentenpaares sind auch diesmal in gewohnt kurzweiliger Weise erzählt. Von Folge zu Folge lernt man die Protagonisten besser kennen und erfährt weitere Details über sie. Die Autorin hat beim Schreiben dieser Reihe eine Art Vorabendserie in Buchform im Sinn, und ich finde diesen Vergleich sehr zutreffend. Die Geschichten um Markus und Janna sind eine wunderbar (ent)spannende und unterhaltsame Feierabendlektüre.



Herzlichen Dank an Mila Roth für die Überlassung des E-Books zu Rezensionszwecken.

Der Roman ist als E-Book und als Taschenbuch erhältlich:

Samstag, 1. Dezember 2012

November-Rückblick

Der vergangene Monat war, was mein Lese-Pensum betrifft, wieder erfolgreicher. Ich habe insgesamt zehn Bücher gelesen, das waren insgesamt 2834 Seiten, und das sind meine November-Bücher:
 +
http://www.mila-roth.de/html/freifahrtschein.html


Da die Bücher alle aus ganz unterschiedlichen Genres sind und jedes auf seine Art gut war, ist mir ein Vergleich schwer gefallen, und ich konnte mich nicht für einen Favoriten entscheiden. Meine ausführliche Meinung könnt ihr in den entsprechenden Rezensionen nachlesen, die ich beim jeweiligen Titel oben in der Aufstellung nochmal verlinkt habe.

Auch Neuzugänge gab es noch ein paar in der zweiten Monatshälfte, wobei das erste Buch ja nicht so ganz in die Jahreszeit passt ;-).
Aber ich von Nora Roberts' Jahreszeiten-Tetralogie bereits den Band "Herbstmagie" und möchte die Bände natürlich der Reihe nach lesen. Darum habe ich mir nun "Frühlingsträume" schon besorgt, um im neuen Jahr damit anfangen zu können.





In Sachen Raumduft habe ich im November größtenteils meine  Aromalampe genutzt. Ich muss zugeben, dass mir viele Yankee-Tarts zu intensiv duften, obwohl ich schon immer nur ein winziges Stück abbreche. Zwar habe ich auch da einige Lieblingsdüfte, aber so richtig wohl fühle ich mich doch mit natürlichen ätherischen Ölen. So kamen in den vergangenen Wochen verstärkt die ätherischen Ölmischungen "Kaminzauber" und "Entspannung" von Bärbel Drexel zum Einsatz. Da meine Aromalampe über einen großen Wasserbehälter verfügt und einen "Kamin" hat, ist hier die Gefahr nicht gegeben, dass zu viel Wasser verdunstet und die Öle eventuell einbrennen, wenn ich nicht immer gleich nachfülle. Der abgegebene Duft ist angenehm dezent und hält lange an.


Wenn's schon draußen grau und trist ist, soll es doch wenigstens daheim gemütlich sein. Mit den folgenden Tees habe ich mir ein wenig Farbe in den Alltag bzw. in die Teetasse gezaubert. Ich hatte das Glück, die DM Leckerbissen-Box zu ergattern (eine einmalige Aktion, die drei Boxen mit Alnatura-Produkten umfasst). In der ersten Box, die ich Anfang November erhielt, war diese schöne Tee-Auswahl. Solche Misch-Packungen finde ich toll, da man dabei immer neue Sorten entdecken kann. Ich kannte bisher nur den Glückstee, den ich sehr gerne mag, aber auch die anderen vier Sorten sind sehr wohlschmeckend. Besonders gut hat mir der Sweet Chai geschmeckt, der ist schon auf dem Einkaufszettel für Nachschub notiert.


Nun wünsche ich euch allen eine wunderschöne, stimmungsvolle, gemütliche Adventszeit, dabei genügend Zeit zum Lesen und immer eine gute Tasse Tee (oder Kaffee, wenn ihr den lieber mögt)

Freitag, 30. November 2012

Die Auswerterin - Elk von Lyck

Die Auswerterin - Elk von Lyck
BoD
ISBN: 9783844816143
132 Seiten
England 1944. Die Auswerterin Emily Brown begibt sich unter einem Vorwand in das Büro des Oberbefehlshabers der britischen Luftstreitkräfte. Sie hat ein dringendes Anliegen, denn sie möchte erreichen, dass Arthur Harris den Befehl für einen Bombereinsatz ändert. Emily hat bei der Analyse diverser Fotos von Aufklärungsflügen eine Aufnahme von Auschwitz entdeckt. Was sie zuerst für Fabrikschornsteine hielt, entpuppt sich zu ihrem Entsetzen als Krematorium. Emily erkennt, dass hier massenhaft Menschen umgebracht werden, und sie ist der Meinung, man sollte die Bahngleise vor Auschwitz zerstören, um weitere Menschentransporte zum Lager und somit die Massenmorde dort zu verhindern.  Als Emily merkt, dass ihr Gesuch bei Harris auf taube Ohren stößt, bedroht sie ihn mit einer Waffe, bis er aus Angst um sein Leben den Befehl zu einer Änderung der Koordinaten gibt. Emily möchte sicher gehen, dass die Order auch wirklich ausgeführt wird und bleibt deshalb bei Harris. In den folgenden Stunden führen sie ein eindringliches Streitgespräch, bei dem jeder vehement seinen Standpunkt zur Lage vertritt. Wieso sträubt sich Harris so sehr, das Lager zu bombardieren? Ganz sicher nicht aus Sorge um die Gefangenen dort. Während des Wartens stellt sich heraus, dass er letztendlich sehr egoistische Beweggründe hat. Wird es Emily gelingen, etwas Entscheidendes zu erreichen?

Der intensiven Dialog zwischen Emily und Harris nimmt den größten Teil des Buches ein. Dazwischen sind mehrere Szenen eingefügt, die dem Leser die Eindrücke eines Piloten bei seinem Aufklärungsflug vermitteln, und man lernt einen kleinen Jungen kennen, der urplötzlich, zusammen mit der Familie und vielen anderen Menschen, seine Heimat verlassen muss. Nach und nach werden auch die Zusammenhänge klar. Diese weiteren Handlungsstränge erweisen sich als Rückblicke, die zu der speziellen Situation in Harris’ Büro hinführen.
Elk von Lycks detaillierte Ausführungen lassen auf sein fundiertes Wissen und eine sehr intensive Recherche schließen. Viele der Fakten, die Emily im Gespräch mit Harris erwähnt, sind durchaus nicht der Fantasie des Autors entsprungen, sondern es handelt sich um belegte Tatsachen, wie ich sehr bald bei eigenen Nachforschungen erkennen konnte. Das fand ich besonders erschreckend, denn wenn man erfährt, was alles den Alliierten bereits bekannt war, fragt man sich, ob nicht durch früheres Eingreifen viele Menschen hätten gerettet werden können. Man kommt ins Grübeln, was wohl die Beweggründe damals waren, offensichtlich hilfreiche oder sinnvolle Aktionen auf die lange Bank zu schieben oder auch ganz zu unterlassen. Je mehr man über die Hintergründe erfährt, die zu den damaligen Verhältnissen geführt haben, umso sinnloser kommt einem dieser grausame Krieg vor. Dabei ist die Geschichte weit entfernt von Schwarz-Weiß-Malerei, denn sowohl Täter als auch Opfer gab es bei allen beteiligten Nationen.
Das Buch rüttelt auf, und es ist ein starkes Plädoyer für Toleranz und gegenseitiges Verständnis.
Es animiert, nicht alles als gegeben hinzunehmen, sondern die Dinge auch einmal zu hinterfragen. Emilys Sichtweise liefert interessante und wichtige Denkanstöße. Was damals geschehen ist, lässt sich heute nicht mehr ändern, aber man kann neu darüber nachdenken und die Vorgehensweise in Frage stellen. Das Erörtern dieses nach wie vor brisanten Themas ist wichtig, damit wir uns auch heute nicht auf einer vorgefaßten Meinung ausruhen, egal bei welchem Problem. Mutige Menschen wie Emily braucht es zu allen Zeiten, denn sie können die Welt verändern, sei es auch nur in winzigen Etappen, aber viele kleine Schritte führen letztendlich auch zum Ziel. 

* * * * *

Donnerstag, 29. November 2012

Finsternis über Gan - Uwe Buß

Finsternis über Gan - Uwe Buß
SCM Kläxbox
ISBN: 3417285496
240 Seiten
Ein Jahr ist vergangen, seit die vier Träger der Amulette das geheimnisvolle Land Gan gerettet haben. Nun ist dieser wunderschöne „Garten Gottes“, wie die Bewohner ihre Heimat gerne nennen, wieder in Gefahr. Mittlerweile gibt es in Gan einen König, und dieser hat beschlossen, die Grenzen des Landes für Fortschritt und Wirtschaft zu öffnen. Viele Bewohner Gans sind besorgt, denn die Öffnung der Grenzen würde bedeuten, dass verstärkt auch böse Mächte ins Land dringen könnten.  Vier Boten machen sich auf den Weg zu den vier Enden der Erde, um die Träger der Amulette erneut um Hilfe zu bitten.  So staunt Finn am nördlichen Ende der Erde nicht schlecht, als eines Tages ein Erdmännchen vor seinem Haus auftaucht. Seinen drei Gefährten ergeht es nicht anders. Seit ihrem ersten Abenteuer in Gan halten die vier Freunde regelmäßig über das Internet Kontakt und vereinbaren nun, sofort nach Gan aufzubrechen, um den Beschluss über das neue Gesetz zu verhindern. Es steht ihnen eine aufregende Zeit bevor, denn das Böse lauert in Gan mittlerweile an ungeahnten Stellen. Werden die Gefährten den König überzeugen können, das Gesetz nicht zu verabschieden?

Der zweite Teil der Trilogie über das Land Gan ruft erneut die vier Träger der Amulette auf den Plan. Diese sind mittlerweile ein Jahr älter und somit auch reifer und besonnener geworden. Die Bewohner Gans setzen großes Vertrauen in die Jugendlichen. Nach ihrem Eintreffen in Gan stellen Chika, Pendo, Joe und Finn schnell fest, dass sich das Böse unbemerkt im Land ausbreiten konnte. Gemeinsam mit den Lichtalben, den in Gan lebenden Menschen, den sprechenden Tieren und den Bergmännchen machen sie sich auf den Weg, das Schlimmste zu verhüten. Ich habe mich gefreut, auch in diesem Band die vielen liebenswerten kleinen und großen Einwohner wieder zu „treffen“, die mir bereits beim ersten Abenteuer ans Herz gewachsen sind.
Auch diesmal wird es wieder richtig spannend und zum Teil auch ziemlich brenzlig, denn die gefürchteten Schwarzalben machen Gan unsicher, wobei sie nur den offensichtlichen Teil der Gefahr darstellen. Unsere vier sympathischen Helden müssen nach der wahren Ursache der Bedrohung forschen.
Neben einer packenden Abenteuergeschichte kann man aus diesem Buch weitere, tiefer gehende Erkenntnisse schöpfen, wenn man aufmerksam liest. So manches lässt sich bildhaft durchaus mit unserer realen Welt vergleichen, und Ähnlichkeiten mit wahren Fakten sind vielleicht nicht immer rein zufällig ;-) Es wird auch deutlich, wie viel man erreichen kann, wenn man sich gegenseitig hilft und zusammenhält. Somit hat auch dieses Buch wieder vieles zu bieten, was den Geist und das Herz der jungen und durchaus auch der älteren Leser berührt. Die flüssige und eingängige Schreibweise lässt einen fast durch die Seiten „fliegen“. Neben viel Spannung und Dramatik kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. Es sind einige Episoden dabei, über die ich kräftig schmunzeln musste.
Die Geschichte hat ein rundes, zufrieden stellendes Ende und lässt doch viel Raum für eine Fortsetzung, auf die ich mich schon sehr freue.

Die bisher erschienenen Bände der Gan-Trilogie:

2. Finsternis über Gan

 

Vielen Dank an Uwe Buß und den SCM-Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars.

Mittwoch, 28. November 2012

Das Mondgeheimnis - Stefan M. Fischer

Klappentext:
Alena ist eine bildhübsche Studentin, die sich aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses der Liebe und dem Leben verschließt. Sie spinnt als Schutz ein Netz aus Lebenslügen um ihre Seele. Doch als sie den Künstler Ondrej kennenlernt, merkt sie, dass sie mehr vom Leben will. Doch da ist nicht nur ihre emotionslose Beziehung mit Vlado, sondern auch die Sache mit ihrer Mutter - und das Mondgeheimnis.

Mein Eindruck:
Die attraktive Medizinstudentin Alena lebt mit ihrer Freundin Magdalena zusammen in einer Wohnung. Auf den ersten Blick sind es zwei ganz normale junge Frauen, aber in Alenas Vergangenheit hat sich eine Tragödie ereignet, die sie verdrängt und vergessen möchte.
Sie hat mehrere Verehrer. Einer von ihnen ist Vlado, der mit allen Tricks versucht, sie für sich zu gewinnen. Mit ihm geht sie eine oberflächliche Beziehung ein, denn bei ihm wähnt sie sich sicher. Als sie den Maler Ondrej kennenlernt, fühlt sie sich gleich zu dem sensiblen Mann hingezogen, aber sie wehrt sich gegen ihre Emotionen, denn mit ihnen kommt auch die Erinnerung an ihre schlimme Vergangenheit wieder heftig an die Oberfläche.  Alena muss sich entscheiden, soll sie ihr schreckliches Geheimnis bewahren und damit Ondrej verlieren, oder will sie ihm vertrauen, in der Hoffnung auf eine liebevolle Zukunft.

Alenas dramatische Erlebnisse, die zehn Jahre vorher zur Zerstörung ihrer ganzen Familie geführt haben, werden anfangs nur vage angedeutet, aber man hat schon eine gewisse Vermutung darüber, was ihr zugestoßen ist. Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben sie geprägt, und sie verschließt sich Männern gegenüber. Sie führt ein Leben nach der Vogel-Strauß-Taktik und möchte möglichst keine tieferen Gefühle an sich heran lassen. Trost findet sie bei ihrem alten Stoffmond, der sie über die Jahre begleitet hat und ihre Sorgen kennt. Die Männer in ihrem Leben gewinnen einen völlig falschen Eindruck von der jungen Frau, und je mehr sie versucht, sich und ihre Gefühle zu schützen, umso stärker gerät sie in Bedrängnis, bis eines Tages die ganze Sache eskaliert.
Alenas Geschichte ist mit viel Einfühlungsvermögen erzählt. Man kann nur allzu gut verstehen, dass sie mit der Vergangenheit abschließen möchte, aber Tatsache ist, dass sie sich irgendwann stellen muss, um die schlimmen Erlebnisse endgültig zu verarbeiten. Die Handlung baut kontinuierlich Spannung auf und spitzt sich am Ende dramatisch zu. Aber im ganzen Verlauf des Romans gibt es schon vorher viele überraschende Wendungen und Ergebnisse.
„Das Mondgeheimnis“ ist als Liebesdrama deklariert, aber ich zögere, es so eindeutig zuzuordnen. Besonders im letzten Teil entwickelt sich die Handlung sehr packend, und man hat das Gefühl, einen Thriller zu lesen. Mir hat der Roman außerordentlich gut gefallen, wobei mich die Wandlung einiger Protagonisten sehr überrascht hat, weil sie für mich völlig unerwartet kam. Soviel ich weiß, handelt es sich bei diesem Buch um das Erstlingswerk des Autors, und ich muss sagen, er hat mit dem Mondgeheimnis ein sehr beachtliches Debüt vorgelegt, das Lust auf mehr macht.   


 Ich vergebe vier satte Sterne

mit starker Tendenz zu: 

Vielen Dank an Stefan M. Fischer, für die Überlassung des E-Books zur Rezension.


Dienstag, 27. November 2012

Ein Garten mit Elbblick - Petra Oelker

Petra Oelker: Ein Garten mit Elbblick
rororo
ISBN: 978-3-499-25745-2
400 Seiten

Klappentext:
Hamburg im Sommer 1895: Nach dem Tod ihres Vaters kehrt die junge Henrietta Winfield aus Bristol an die Elbe zurück. Der alte Mann hat ihr kaum mehr hinterlassen als eine Sammlung moderner Gemälde; sein Vermögen ist verschwunden. Henrietta glaubt sich durch ihren englischen Ehemann versorgt. Bis dieser eintreffen wird, steht die Familie ihr zur Seite: Die Grootmanns gehören zur Crème der hanseatischen Gesellschaft, sie handeln seit Generationen mit Chile-Salpeter, Kaffee und Kautschuk. Doch dann wird am Rande der Speicherstadt ein Toter gefunden – Thomas Winfield. Henrietta, ganz auf sich gestellt, sucht nach Antworten. Warum war ihr Mann heimlich in Hamburg? Was geschah mit dem Vermögen ihrer Familie? Und wie wird ihre eigene Zukunft aussehen?

Mein Eindruck:
Als im Sommer 1895 die in Bristol verheiratete Henriette Winfield nach Hamburg reist, um ihrem kürzlich verstorbenen Vater die letzte Ehre zu erweisen, ahnt sie nicht, dass sich auch ihr Mann in der Stadt aufhält, den sie eigentlich in geschäftlichen Angelegenheiten in Antwerpen vermutet.
Wenig später wird am Hamburger Messbergbrunnen ein anonymer Toter gefunden. Kommissar Ekhoff nimmt die Ermittlungen auf, da der unbekannte Mann ermordet wurde. Bald stellt sich heraus, dass es sich bei dem Erstochenen um Thomas Winfield handelt, der sich unter falschem Namen in Hamburg einquartiert hatte. Als Ekhoff Winfields Gattin aufsucht, um ihr dies mitzuteilen, ist es ein großer Schock für die junge Frau. Innerhalb kürzester Zeit hat sie nicht nur die beiden Menschen verloren, die ihr besonders nahe standen, sondern es stellt sich heraus, dass sie außerdem völlig mittellos dasteht, denn weder ihr Vater noch ihr Gatte haben ihr etwas hinterlassen, obwohl sie sich bisher gut versorgt geglaubt hatte. Henriette will wissen, was hinter der ganzen Sache steckt, wieso sich ihr Mann anonym in Hamburg aufgehalten hat und wohin das Vermögen ihrer Familie verschwunden ist. Sie beginnt, selbst Nachforschungen anzustellen.

Die Lebensart der besseren Hamburger Gesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts wird sehr treffend und mit großer Sorgfalt geschildert. Alle in die Geschichte eingebundenen Personen sind akribisch genau beschrieben. Leider bleibt die kriminalistische Handlung dabei auf der Strecke, denn immer wenn es interessant wird und die Story gerade an Tempo gewinnt, erfolgt eine ausschweifende und detailgenaue Schilderung des Schauplatzes oder diverser verwandtschaftlicher Beziehungen und nimmt der Spannung wieder den Wind aus den Segeln. Auch werden einige Dinge erwähnt bzw. kleinere Handlungsstränge begonnen, die sich bis zuletzt nicht aufklären. Fesseln konnte mich die Handlung erst im letzten Drittel, dann ist das Umfeld ausführlich beschrieben, der  Erzählstil wird lebhafter, und es ergeben sich neue Aspekte. Mit dem Ende bin ich leider nicht so ganz glücklich, denn viele Details, von denen ich während des Lesens angenommen hatte, sie würden noch geklärt, sind leider im Sande verlaufen.
Der Schreibstil des Romans ist schön und elegant und passt sich somit der beschriebenen Atmosphäre und dem geschilderten Lebensstil gut an. Sprachlich habe ich durchaus Gefallen an diesem Buch gefunden, denn man erfährt viel Wissenswertes über das alte Hamburg und seine Gesellschaft. Insofern sehe ich diese Geschichte eher als Sittengemälde der damaligen Zeit und nicht so sehr unter dem kriminalistischen Aspekt.  

Da dieses Buch der Auftakt zu einer neuen Kaufmanns-Saga ist, kann man in den Folgebänden sicher mit weiteren Klärungen und Auflösungen rechnen.



Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das überlassene Rezensionsexemplar.

Montag, 26. November 2012

Naturkalender 2013 von Marjolein Bastin

Liebhaber ihrer wunderschönen Zeichnungen erwarten ihn alljährlich mit Ungeduld: Den Naturkalender von Marjolein Bastin. 
Für das Jahr 2013 erscheint im Landwirtschaftsverlag bereits die 31. Ausgabe. Der Stil der Illustratorin, die im kommenden Jahr ihren 70. Geburtstag feiert, ist unverwechselbar. Ihre Bilder sind sehr fein und filigran ausgearbeitet und stellen die Natur detailgetreu dar. Auch der Kalender 2013 ist wieder eine Augenweide. Die Blüten und Schmetterlinge auf dem Cover sehen fast aus wie fotografiert, so zart sind sie ausgeführt.


Die inneren Buchdeckel sind mit ganzen Schwärmen von zarten Faltern geschmückt. Der hintere Buchdeckel hat auch diesmal wieder innen eine Tasche, so dass man hier gut kleine Notizzettel, Eintrittskarten oder andere wichtige Papiere unterbringen kann. Der Kalender ist in gewohnt zweckmäßiger und auch schöner Form aufgebaut.


Gleich am Anfang hat man reichlich Platz für persönliche Notizen und Angaben zum Besitzer. Es schließt sich ein jeweils einseitiges Kalendarium für die Jahre 2013 und 2014 an, so dass man alle Monate eines Jahres auf einen Blick überschauen kann. Eine weitere Seite informiert über alle Feiertage und die Termine der Schulferien für das kommende Jahr.



Der ausführliche Jahreskalender ist so aufgebaut, dass man immer auf einer Seite die Übersicht für eine ganze Woche hat, und auf der gegenüberliegenden Seite findet man eine wunderschöne Illustration, die jeweils zur Jahreszeit passt. Besonders übersichtlich und praktisch finde ich, dass es auf jeder Seite noch eine kleine Übersicht gibt, so dass man immer den kompletten Monat im Blick hat. Auch kann man sofort erkennen, in welcher laufenden Kalenderwoche man sich gerade befindet. Neben den Feiertagen sind auch die Mondphasen angegeben, was mir ebenfalls gut gefällt, da ich mich gerne in manchen Lebensbereichen nach dem Mond richte. Der Kalender 2013 beginnt bereits mit der letzten Woche des alten Jahres, und endet mit der ersten Kalenderwoche 2014, so dass man das neue Kalenderbuch schon etwas früher in Besitz nehmen bzw. seine Termine auch schon etwas vorausplanen kann, ohne den Kalender zu wechseln.



Es schließt sich eine Jahresübersicht an, die das komplette Jahr auf vier Seiten, also quartalsmäßig, anzeigt. Dieser Teil eignet sich sehr gut als Geburtstagskalender, in den man alle wichtigen Termine und Familienfeste eintragen und auf einen Blick überschauen kann. Zuletzt gibt es auch noch ein alphabetisches Verzeichnis für Adressen.

Der Kalender mit seiner praktischen Spiralbindung ist nicht nur gut durchdacht, sondern er ist ein wirkliches kleines Schmuckstück, durch die vielen zauberhaften Illustrationen, die mit kleinen Kommentaren von Marjolein Bastin versehen sind, was dem ganzen Büchlein einen besonderen und sehr persönlichen Charakter verleiht. Da sieht man Spatzen beim Nestbau, schöne Schalen voller wilder Stiefmütterchen oder eine Hummel auf leuchtenden Mohnblüten, aber auch Exotisches kann man bewundern, denn Marjolein Bastin hat auf ihren Reisen auch den Blauen Leguan im Bild festgehalten oder eine Mönchsgrasmücke auf einem üppig blühenden Magnolienzweig gezeichnet, um hier nur einen ganz kleinen Einblick in die Vielfalt der Illustrationen zu geben.


Über Marjolein Bastin:
Die bekannte Designerin, Zeichnerin und Autorin Marjolein Bastin wurde 1943 in Loenen geboren. Sobald sie als Kind Pinsel und Stift halten konnte, brachte sie Bäume, Blumen und Felder ihrer Umgebung aufs Papier. Nach dem Studium an der Kunstakademie in Arnheim erschienen Marjolein Bastins Bilder regelmäßig in der niederländischen Zeitschrift „Libelle“. Als 1990 die größte nordamerikanische Grußkartenfirma Bastins Zeichnungen entdeckte, lernte die ganze Welt die Naturzeichnungen Bastins kennen und lieben. Heute leben Marjolein Bastin und ihr Ehemann abwechselnd in den Niederlanden, den USA und auf den karibischen Kaimaninseln. Sie gestaltet Kinderbücher, Naturkalender oder Tassen mit ihren Naturmotiven, besonders Vögel haben es ihr angetan.

Herzlichen Dank an den Landwirtschaftsverlag und an Literaturtest für das Rezensionsexemplar.