Freitag, 28. Januar 2011

Kirmeskronen - Hans-Peter Boer


Es ist der Morgen nach dem Lambertussingen, als Kommissar Kattenstroht und seine Assistentin Kathrin Eilers zu einem Mordfall gerufen werden. Der Kirmesbauer vom Lambertusfest des Vorabends, noch in der typischen Tracht des Kiepenkerls, liegt erschlagen in seinem Vorgarten. In seiner Brust steckt außerdem sein eigener Knotenstock. Bei dem Toten handelt es sich um Dr. Paul Wilhelm Kathmann, von Beruf Steuerfahnder bei den Finanzbehörden in Münster. Nachforschungen über das Mordopfer ergeben schnell, dass es im Lebenslauf des achtbaren Juristen auch ein paar dunkle Flecke gibt.

Auch wenn der Fall an sich ernst ist, gestaltet sich, zumindest für den Leser, die polizeiliche Recherche recht vergnüglich und unterhaltsam. Das Klima seiner Dienststelle wird als sehr familiär beschrieben, und es ist, als würde man dem sympathischen Kommissar bei der Ermittlungsarbeit persönlich über die Schulter schauen. Obwohl er manchmal etwas abwesend wirkt, während er über den Indizien grübelt, wird Kattenstroth doch als ein leutseliger Charakter dargestellt, auch wenn er es den lieben Kollegen nicht immer leicht macht, seinen Gedankenblitzen zu folgen.

Kurzweilig und mit viel Lokalkolorit schildert der ortskundige Autor in diesem Roman Kommissar Kattenstroths fünften Fall. Hans-Peter Boer, selbst ein Kind des Münsterlands, beschreibt neben der Mordtat und den damit verbundenen polizeilichen Untersuchung auch Land und Leute sehr anschaulich und in leuchtenden Farben. Für Münsterländer ist „Kirmeskronen“ daher zugleich ein kleines Stück Heimatkunde, für alle anderen Leser die literarische Erkundung eines interessanten Landstrichs. Vieles ist sicher der Phantasie des Autors entsprungen, und man wird es in der erwähnten Form wohl nicht in Münster und Umgebung finden, und doch bietet das Buch nebenbei sehr charakteristische Beschreibungen von der Landschaft sowie aufschlussreiche Erläuterungen zu Sitten und Gepflogenheiten des Münsterlands.

Insgesamt betrachtet ist es eine schöne und empfehlenswerte Lektüre für alle Fans von Regionalkrimis.

Sonntag, 23. Januar 2011

Oksa Pollock. Die Unverhoffte - Anne Plichota, Cendrine Wolf


Über Nacht gerät das Leben der 13jährigen Oksa aus den Fugen, als sie plötzlich feststellt, dass sie unheimliche Kräfte besitzt. Gerade erst ist sie mit ihrer Familie nach London gezogen, und an ihrer neuen Schule ist nicht alles erfreulich. Da gibt es beispielsweise den unsympathischen Klassenlehrer McGraw, der ihr das Leben schwer macht. Außerdem wird sie noch von einem älteren Jungen belästigt. Zu allem Überfluss entdeckt sie dann noch ein sternförmiges Mal um ihren Bauchnabel. Als sie von ihrer heilkundigen Großmutter eine Salbe für den „blauen Fleck“ haben möchte, reagiert diese ganz aufgeregt. Und dann kommt Oksa Pollock, von Natur aus neugierig, beim Lauschen an der Türe einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Sie erfährt, dass ihre Großmutter, ihr Vater und sie die direkten Nachkommen einer Herrscherin in einem fernen, unbekannten Land, genannt Edefia sind. Das Blaue Zeichen auf ihrem Bauch weist sie als die nächste „Huldvolle“ aus, wie ihre Urgroßmutter in der alten Heimat genannt wurde. Gerade ist Oksa noch dabei, diese Neuigkeiten zu verdauen, da lernt sie die Gefährten ihrer Großmama Dragomira kennen, alles Geschöpfe aus Edefia, welche die Familie bei der Flucht vor vielen Jahren begleitet haben.

Nur ihren besten Freund Gus weiht Oksa in ihr neues Geheimnis ein, und gemeinsam mit ihm und ihrer Familie stellt sie sich den Herausforderungen und Gefahren, die sie in ihrem neuen Leben erwarten.

Oksa Pollock wird gerne mit Harry Potter verglichen, und es gibt sicher auch diverse Ähnlichkeiten, die schon durch das „magische Erbe“ bedingt sind. Aber genauer betrachtet, sind die beiden Geschichten doch ganz verschieden. Das geht bereits mit dem familiären Hintergrund los, denn Oksa wächst in einem starken und liebevollen Familiengefüge auf und verlebte bisher im Kreise ihrer Lieben eine glückliche, behütete Kindheit. Als ihre besonderen Fähigkeiten zu Tage treten, muss sie zwar selbst damit fertig werden, hat aber immer die Unterstützung der ganzen Familie. Die vielen außergewöhnlichen Geschöpfe, die den Wohnbereich ihrer Großmutter bevölkern, sind alle sehr liebevoll und originell beschrieben und liegen der jungen „Huldvollen“ voller Ehrerbietung zu Füßen. Und dann ist da noch ihr bester Freund Gus, auf den sie sich immer verlassen kann. Aus diesem stabilen Hintergrund und der uneingeschränkten Unterstützung, die sie zu Hause erhält, erwächst wohl auch ihre Stärke, mit der sie sich den neuen Problemen und Herausforderungen stellt.

Alle Charaktere sind sehr ausführlich geschildert, und man kann sich gerade die fremdartigen kleinen Wesen sehr gut vorstellen. Bei der Namensgebung hätte ich mir etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht, denn wieso muss beispielsweise Dragomiras liebenswerter kleiner Haus- und Hofmeister ausgerechnet „Plemplem“ heißen? Viele der magischen Geschöpfe haben Namen, die auf …ix enden, was mich unweigerlich an die Comic-Einwohner eines kleinen gallischen Dorfes erinnert. Da ich nur die deutsche Ausgabe der Geschichte kenne, weiß ich nicht, ob diese Namen vom Original übernommen oder bei der Übersetzung geändert wurden.

Die Handlung ist insgesamt spannend, kurzweilig und sehr phantasievoll, wenn es auch die eine oder andere Länge gibt. Am Ende bleiben einige offene Fragen, die auf eine rasche Fortsetzung hoffen lassen. Sprachlich und inhaltlich ist es auf jeden Fall ein lesenswertes Jugendbuch mit einer starken jungen Heldin.

Das Lied der roten Erde - Inez Corbi


Irland an der Schwelle zum 19. Jahrhundert:

Eine lieblose Ehe im fernen Australien erwartet die 19jährige Irin Moira. Sie wird, gegen ihren Willen, mit dem doppelt so alten Doktor Alistair McIntyre verheiratet, der in New South Wales als Arzt in einer Strafkolonie arbeiten möchte. Widerstrebend begleitet sie ihn auf die lange Schiffsreise in das fremde Land, das ihre neue Heimat werden soll. Ihr tyrannischer Ehemann lässt ihr nur wenig Freiheit und bringt ihr keine großen Gefühle entgegen.

Als Moira den irischen Rebellen Duncan kennen lernt und dieser sie eines Tages vor einem tätlichen Überfall rettet, entdeckt sie die Liebe. Duncan und sie treffen sich immer häufiger, aber sie erkennen, dass ihre Gefühle aussichtslos sind und sie keine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft haben können. Als sie entdeckt werden, bleibt ihnen nur die Flucht in diesem wilden, weiten Land.

Starke Gefühle bestimmen diesen Roman von Anfang an. Moira wird als temperamentvolle Frau beschrieben, die mit ihren Emotionen nicht hinter den Berg hält. Nicht nur sie, auch die anderen Haupt-Charaktere im Roman sind vielschichtig ausgearbeitet. Der Spannungsbogen in der Handlung steigert sich stetig und hält bis zum Ende an, auch wenn einiges vorhersehbar ist und manche Zufälle nicht so ganz glaubwürdig erscheinen.

Ich persönlich hätte mir gewünscht, noch mehr über die Ureinwohner zu erfahren, die größtenteils nur am Rande agieren. Auch die Beschreibung des Landes kommt ein wenig zu kurz. Die Autorin hat sich mehr auf die Liebesgeschichte und die zwischenmenschlichen Beziehungen konzentriert, das Ganze in die wunderbare Landschaft Australiens eingebettet und mit realen historischen Details angereichert. Das Resultat ist ein farbenprächtiger, mitreißender Schmöker, der auf jeden Fall hält, was schon das wunderschöne Titelbild verspricht. Soviel ich weiß, schreibt die Autorin bereits an einer Fortsetzung, auf die ich mich jetzt schon freue. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich dann noch offene Fragen und Handlungsstränge der bisherigen Geschichte klären und vervollkommnen.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Gezeichnet - P.C. Cast, Kristin Cast


Zoey Redbirds Leben ändert sich schlagartig, als sie eines Tages von einem sogenannten Späher "gezeichnet" wird. Sie ist auserwählt, das "House of Night" zu besuchen. Dabei handelt es sich um ein Internat für Vampire, welches bei der Bevölkerung bekannt ist und anscheinend als völlig normal angesehen wird. Mit dem auffällig blauen Mal auf der Stirne ist sie eine Auserwählte der Vampirgöttin Nyx, und so bleibt Zoey nichts anderes übrig, als ihr altes Leben aufzugeben und ihre Ausbildung in der neuen Schule bzw. die Wandlung zum Vampir zu beginnen.
Wie ich mittlerweile erfahren habe, wäre es wohl besser gewesen, mich bei Band 1 für das gedruckte Buch und nicht für die Hörbuch-Version zu entscheiden, denn so war für mich der Einstieg in diese Kult-Reihe etwas unglücklich. Vieles ist leider sehr gekürzt. Was ich zu hören bekam, hat in mir den Eindruck hinterlassen, dass es sich bei der Story um eine moderne Internatsgeschichte handelt, die hier zur Abwechslung einmal in der Welt der Vampire spielt, weil das eben gerade Trend ist. Die Konflikte in der neuen Schule, die Machtproben und die Beschreibung der ganzen Atmosphäre wirkten auf mich sehr oberflächlich. Weder mit Zoey noch mit einem ihrer Freunde bin ich im Lauf der Geschichte wirklich warm geworden, und die gesamte Handlung zog sich ziemlich zäh.
Die Sprecherin des Hörbuchs wirkte auch stellenweise zu "brav", was nicht so recht zu Zoey und schon gar nicht zu den mystischen Zeremonien passen will, die beschrieben werden.
Zur Zeit bin ich noch ernsthaft dabei, zu überlegen, ob ich mir Band 2 vornehmen soll, dann aber auf jeden Fall im Buchform!

Freitag, 14. Januar 2011

Lucian - Isabel Abedi


Vorab muss ich gestehen, es ist gar nicht so einfach, die starken Gefühle in Worte zu fassen, die der Roman „Lucian“ in sich birgt und auch jene, die mich beim Lesen bewegt haben. Hier ist mein kläglicher Versuch:

In einer schlaflosen Nacht tritt Rebecca an das Fenster ihres Zimmers und entdeckt auf der Straße einen Jungen, der unverwandt zu ihr herauf blickt. Seltsamerweise macht ihr diese Beobachtung keine Angst, sondern erfüllt sie mit innerer Ruhe. Von diesem Moment an begegnet sie dem rätselhaften Jungen immer wieder, so oft, dass dies einfach kein Zufall mehr sein kann. Sie fühlt sich von ihm angezogen, und ihm scheint es ähnlich zu ergehen. Mit der Zeit erfährt Rebecca, dass er Lucian heißt und nichts über seine Vergangenheit weiß. Es ist, als würde es ihn gar nicht geben – und er hat keine Handlinien. Er hat sein Gedächtnis verloren und kann nicht sagen, woher er sie kennt. In seinen Träumen sieht er Szenen aus ihrer Vergangenheit und über die Zukunft, und auch Rebecca hat einen beängstigenden Traum, der immer wiederkehrt. Sie ist verwirrt über die große Nähe, die sie zu Lucian empfindet; immer wenn sich Rebecca und Lucian begegnen, haben beide ein eigenartiges Gefühl großer Vertrautheit. Es wird ihnen klar, dass sie sich lieben und zusammengehören. Misstrauen und Unverständnis führen dazu, dass das junge Paar getrennt wird, und die Folgen für Rebecca sind furchtbar. Sie erkennt, dass Lucian mehr für sie ist, dass sie ohne ihn nicht sein kann.

In Rebeccas Umfeld gibt es noch viele interessante Charaktere, die alle farbig und lebendig geschildert werden. Da ist ihre beste Freundin Suse, die ihre eigenen Probleme hat und doch immer für Rebecca da ist. Ihr (Ex)Freund Sebastian macht sich nicht nur Sorgen um sie, er ist zerrissen zwischen Zuneigung und Eifersucht. Rebeccas Mutter ist Psychologin und zieht ihre ganz eigenen Schlüsse aus der Verbindung zwischen ihrer Tochter und dem fremden Jungen. Als weitere, starke Persönlichkeit möchte ich den Englischlehrer der Mädchen nennen, der seinen Schülern mit großem Eifer die Liebe zu den Werken eines verstorbenen Schriftstellers nahe bringen möchte. Einblicke in seine Unterrichtsstunden tragen ein wenig zum amüsanten Teil der Geschichte bei.

Isabel Abedi hat mit „Lucian“ einen wunderbaren Roman über die Liebe in all ihren Facetten geschrieben. Die Geschichte handelt von der großen Liebe zwischen Rebecca und Lucian, aber auch von der Liebe zu guten Freunden, die sich Gedanken um einen machen – oder die Liebe der Eltern, welche so unermesslich ist, dass diese aus großer Sorge und Missverständnissen heraus vielleicht manchmal genau das Falsche tun. Die Handlung entwickelt sich in eine Richtung, wo sich ganz neue Dimensionen eröffnen und man über andere, unbekannte Sphären nachzudenken beginnt. Die vermittelte Botschaft finde ich sehr schön und tröstlich: Keiner ist allein.
Das Ende ist außergewöhnlich, traurig und schön zugleich, es ist einfach stimmig.

Julia Nachtmann, die Sprecherin des Hörbuchs, liest die Geschichte sehr gefühlsbetont und ausdrucksvoll und macht das Hören zu einem einzigartigen und intensiven Erlebnis.

Mein SuB hat Zuwachs gekommen

Kürzlich hat Philipp vom Literaturkosmos zu einer netten Aktion aufgerufen. Wer seinen Blog verlinkt hat, durfte sich ein Buch wünschen. Das habe ich gemacht, und heute ist mein Buch angekommen. Vielen Dank Philipp, auch für das beiligende Lesezeichen von Lovelybooks.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Rebellin der Liebe - Theresa Medeiros


Kurzbeschreibung:
Seinen Feinden ist er bekannt als Lord Bannor der Kühne, Stolz der Engländer und Schrecken der Franzosen. Ein Mann, der jeder Gefahr trotzt – bis er sich mit seiner Kinderschar konfrontiert sieht. Da hilft nur eins: eine Ehefrau, die sich sanftmütig um die Erziehung kümmert. Doch die auserwählte, hinreißend schöne Lady Willow mit den funkelnden Augen erweckt in ihm genau jene heißen Gefühle, die er sich strikt verboten hat.

Meine Meinung:
Lord Bannor ist völlig überrascht, als er seiner neuen Gattin gegenübersteht. Er hat ausdrücklich seinen Verwalter gebeten, eine Ehefrau für ihn zu suchen, die nicht attraktiv ist, sich aber gut um seine große Kinderschar kümmert. Durch Enthaltsamkeit hat er gehofft, die Anzahl seiner Nachkommen nicht noch weiter zu vergrößern. Lady Willow stellt seinen eisernen Willen auf eine harte Probe, denn er findet sie von Anfang an unwiderstehlich. Willow ist nicht nur sehr schön, sondern sie hat auch ein großes Herz und ist von ihrem Gemahl hingerissen. Trotz der großen Anziehungskraft beschließt Bannor, seine frisch Angetraute ins Kloster zu schicken, um vor ihr "sicher" zu sein. Aber er hat nicht mit dem eigenwilligen Kopf seiner Herzensdame gerechnet. Es gibt jede Menge Verwirrung, amüsante Wortgefechte und Spannung, aber auch romantische Momente.
Gelesen wird dieses Hörbuch von Daniela Hoffmann, und ich muss sagen, sie macht ihre Sache hervorragend. Stimmungsvolle Hintergrundgeräusche, wie das Prasseln des Kaminfeuers oder das Rattern einer Kutsche sowie schöne, passende musikalische Untermalung bieten zusammen mit Frau Hoffmanns Lesung ein kurzweiliges, erfrischendes und sehr unterhaltsames Hörerlebnis.

Dienstag, 11. Januar 2011

Gewinnspiel - Auflösung


Mein kleines Gewinnspiel zwischen den Jahren ist gestern um Mitternacht ausgelaufen.
Ganz herzlichen Dank an alle Teilnehmer. Es sind sage und schreibe 118 richtige Lösungen eingegangen!
Gefragt hatte ich nach dem Titel von Arno Strobels neuestem Buch.

In dieser Frage war eine kleine Falle versteckt, die aber von den meisten klar erkannt wurde. Die richtige Antwort lautete: Das Wesen.

Und nun zur Ziehung des Gewinners bzw. der Gewinnerin.
Ich habe alle richtigen Antworten in der Reihenfolge des Eingangs nummeriert und dann die Gewinnerzahl über http://www.random.org/ gezogen.
Gewonnen hat die Nummer:

Und der Inhaber dieser Nummer ist Patricia V. aus B./K.
Herzlichen Glückwunsch Patricia, dein Gewinn geht morgen auf die Reise zu dir.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Nachricht von niemand - Silvia Pistotnig


Von: noone@hotmail.com an alleswirdbesser@gmx.at

„Es ist mir egal, wie Sie aussehen, ich beobachte Sie nicht, ich schleiche nicht um Ihr Haus herum, ich weiß nicht, wo Sie wohnen, es spielt keine Rolle, ich will nur schreiben und irgendwann vielleicht von Ihnen lesen, einen Buchstaben, drei Worte, einen Satz. Ich stelle Ihnen keine Fragen, ich will nicht wissen, wie alt Sie sind, was Sie beruflich tun, ich interessiere mich für das, was Sie mir sagen wollen. Nicht mehr und nicht weniger. Und wer immer ich auch bin, für Sie bin ich der, den Sie sich vorstellen. Alles andere kommt mit der Zeit“

Eines Tages findet Luise die Nachricht eines Unbekannten in ihrem Email-Postfach. Es bleibt nicht bei dieser einen Mail, sondern es folgen weitere. Ihr anfängliches Misstrauen weicht bald der Neugierde, und nach längerem Zögern antwortet sie auf eine der Mails, wenn auch sehr zurückhaltend.

Luise ist eine junge Frau, deren reales Leben sich zwischen Jobsuche, ihrer Beziehung zu einem geschiedenen Anwalt und den Problemen mit ihrer Familie bewegt. Ihre Vergangenheit war nicht eben rosig, denn die Mutter wurde seelisch krank, und der Vater hat daraufhin die Familie verlassen. Luise und ihre Schwester Marion mussten in eine betreute Wohngemeinschaft ziehen, denn auch die Großeltern waren nicht in der Lage (oder nicht bereit), ihre beiden Enkeltöchter aufzunehmen.

Während ihre kleine und schüchterne Schwester Marion sich inzwischen zur Globetrotterin gemausert hat und am liebsten immerzu unterwegs ist, um die Welt zu erkunden, liebt es Luise eher häuslich und vertraut. Sie mag keine großen Veränderungen. Ihre Liaison mit Erich verläuft zu ihrem Kummer nicht so geradlinig und unkompliziert, wie sie sich das wünschen würde, denn da gibt es auch noch seine Ex-Ehefrau und den gemeinsamen Sohn aus dieser vergangenen Ehe.

Luise rätselt lange vergeblich, wer sich hinter ihrem geheimen Email-Schreiber verbirgt. Mit der Zeit hat sie fast jeden ihrer Bekannten in Verdacht.

Gleichzeitig werden die Mails, die sie mit Noone austauscht, immer vertrauter und ausführlicher. Noone schildert ihr Erlebnisse aus seiner Vergangenheit, und auch Luise geht mehr und mehr aus sich heraus und vertraut dem Unbekannten sehr persönliche Dinge an. Hinter ihren Worten wird die Einsamkeit spürbar und die Hilflosigkeit, die sie bei ihren privaten Problemen mit der Familie und ihrem Freund hat.

Manch einer wird nun abwinken: „Schon wieder so eine Email-Liebesgeschichte“. Aber dieser Roman ist ganz anders, viel ernsthafter, lange nicht so unbeschwert. Dabei entwickelt er sich spannend und äußerst überraschend. Die Autorin zeigt den Menschen selbst. Sie blickt hinter die Fassaden und spürt mit großer Sensibilität auch die kleinen, geheimen Gefühle in dieser schnelllebigen, technisierten Welt auf.

Nach diesem wundervollen Debütroman möchte man einfach mehr von Silvia Pistotnig lesen!

Herzlichen Dank
an den Skarabaeus-Verlag
und Frau Oberdanner,
die mir das Rezensionsexemplar
zur Verfügung gestellt hat.

Dienstag, 4. Januar 2011

In dein Lächeln verliebt - Nora Roberts


Kurzbeschreibung:
Ein Traum erfüllt sich für das Topmodell Harriet, als der bekannte Verleger Burt Bardoff sie zum Star einer Fotoserie macht. Und je intensiver sie zusammen arbeiten, um so mehr fühlen sie sich zueinander hingezogen. Es kommt zu ersten zärtlichen Küssen. Doch empfindet der unverschämt gut aussehende Geschäftsmann tatsächlich etwas für sie, das junge Modell, oder ist sie nur ein Spielball seiner Gefühle? Noch hofft Harriet, dass sich ihr größter Weihnachtswunsch, ein Liebesgeständnis von Burt, erfüllt. Als er sie zu einem romantischen Wochenende in seine einsam gelegene Hütte in den Bergen einlädt, fühlt sie sich wie im Märchen. Da taucht plötzlich die überaus attraktive Sandra auf und überrascht sie mit einem schockierenden Geständnis...

Meine Meinung:
Eine wunderschöne Frau, ein steinreicher Verleger und dessen eifersüchtige, intrigante Geliebte - diese Dreiecksgeschichte wird in diesem Hörbuch beschrieben. Harriet, das gefragte Topmodell, wird von Burt Bardoff für eine Fotoserie engagiert, und es kommt wie es kommen muss, sie verliebt sich in den angeblich skrupellosen Geschäftsmann, der natürlich ebenfalls blendend aussieht. Und auch Burts Dauerbegleiterin sieht toll aus. Wir befinden uns in der Welt der Reichen und Schönen. In ihrem Herzen ist Harriet jedoch ein einfaches, tierliebes Mädchen vom Land geblieben, und dorthin zieht sie sich auch zurück, wenn sie Kummer hat. Für meinen Geschmack ist dieses Hörbuch einfache Unterhaltung, nicht übermäßig spannend, meist vorhersehbar und dazu ein wenig "betulich" gelesen. Spätestens, wenn der Sprecher versucht, in Harriets Stimmlage zu wechseln, ist auch das bisschen Romantik dahin, denn das wirkt ziemlich komisch.

Montag, 3. Januar 2011

Aus Versehen verliebt - Susan Elizabeth Phillips

Die Schauspielerin Georgie Yorck ist gerade dabei, ihre Scheidung von einem bekannten, begehrten und äußerst attraktiven Schauspieler zu verkraften. Nicht nur die Paparazzi verfolgen sie, um in der Presse immer wieder von ihrem privaten Pech zu berichten, zu allem Überfluss läuft ihr auch immer wieder ihr alter Serienpartner, Bram Shepard, über den Weg. Mit ihm möchte sie eigentlich gar nichts zu tun haben, denn er ist ein typischer "böser Junge", der für Drogen- und Alkoholexzesse sowie für seine Erfolglosigkeit bekannt ist.
Als Georgie nach einer langen Nacht in einem Hotel in Las Vegas erwacht, stellt sie fest, dass sie nicht allein ist, sondern neben Bram im Bett liegt, und dann entdecken beide zu ihrem großen Schrecken, dass sie verheiratet sind...

Bei dieser Story aus der Welt der Schönen und Reichen musste ich unweigerlich immer wieder an den Satz denken "Ähnlichkeiten mit lebenden Personen......." Auch wenn ich in Sachen Prominentenklatsch nicht auf dem aktuellen Stand bin, war es für mich offensichtlich, dass diese Geschichte lebende Vorbilder hat ;-) Dieses Hörbuch war meine erste Begegnung mit den Romanen von SEP, und ich bin mir nicht sicher, ob ich noch einen weiteren Versuch mache, denn ich fand die ganze Handlung und auch die Protagonisten eher farblos und langweilig. Alles wirkt gestellt und unecht, die Personen erscheinen eher fade.
Auch die Sprecherin des Hörbuchs konnte mich nicht überzeugen. Die stellenweise über-betonte Sprechweise hat auf mich sehr gekünstelt gewirkt.
Ich habe das Hörbuch nur bis zu Ende durchgehalten, weil ich nebenbei gearbeitet habe. Als leichte Berieselung war es ganz geeignet, aber auch nicht mehr.

Samstag, 1. Januar 2011

Die Medica von Bologna - Wolf Serno


Carla Maria Castagnolo, geboren im Jahr 1552, hat es von Anfang an schwer im Leben, denn sie ist mit einem, für die damalige Zeit schweren, Makel behaftet. Sie hat ein Feuermal im Gesicht. Aus diesem Grund scheut die Ich-Erzählerin die Öffentlichkeit, seit sie begriffen hat, dass ihr Anblick die meisten Menschen erschreckt. Denn das Mal, das sie trägt, wird als Zeichen der Sünde und des Teufels angesehen und bringt die Trägerin in Gefahr, von der Inquisition verfolgt zu werden. Ihr Zufluchtsort ist das Haus, welches sie von ihrer Mutter geerbt hat, und in ihrer selbst gewählten Isolation wächst ein starker Wunsch in ihr: Sie möchte Medizin studieren und Ärztin werden. Aber das Studium ist Frauen zu dieser Zeit nicht gestattet. Doch findet Wege, sich heimlich das faszinierende Wissen anzueignen, indem sie sich unerkannt in die Vorlesungen an der Universität schleicht. Der Zufall will es, dass Carla eines Tages den Chirurgen Gaspare Tagliagozzi kennen lernt, und die Protagonistin verliebt sich in den charismatischen Mann. Er verfügt über alle Möglichkeiten, von denen Carla nur träumen kann. Seine große medizinische Spezialität ist die plastische Nasenkorrektur nach einer Verletzung oder Verstümmelung. Als Gaspare Carla bittet, seine Assistentin zu werden, kann diese ihr Glück kaum fassen, hat sie sich zu allem Überfluss doch auch noch in Tagliagozzi verliebt. Es scheint so, als würde er ihre Gefühle erwidern, aber dann stellt sich heraus, dass er Carla immer wieder schamlos ausnutzt und hintergeht.

Dieser Roman ist der Rückblick auf das außergewöhnliche und bewegte Schicksal einer Frau, mit großen Wünschen und Träumen, immer auf der Suche nach Anerkennung, die ihr eigentlich zustand aber größtenteils verwehrt wurde. Im Alter von 48 Jahren, an der Schüttellähmung erkrankt, bittet sie ihren treuen Diener Latif, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben.

Der Versuch des Autors, eine weibliche Protagonistin zu Wort kommen zu lassen, ist größtenteils gut gelungen. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert er das Schicksal und die Probleme von Carla und lässt sowohl sie als auch ihre Umgebung sehr lebendig und farbig vor den Augen des Lesers entstehen. Wolf Serno scheint ein großes Interesse an medizinischen Vorgängen des Mittelalters zu haben und sehr ausführlich zu recherchieren, das spürt man hinter jedem Satz. Auch die hochwertige Ausstattung des Buchs, sowie die ausführliche, bebilderte Beschreibung einer Nasenplastik im Anhang, welche original aus Tagliacozzis Werk stammt, sprechen für sich. Ich gebe zu, dass ich die Ausführungen über Nasenoperationen und Herstellung von Theriak zwar sehr interessant, doch stellenweise fast etwas zu ausführlich fand. Auch spielen einige Zufälle in die Handlung hinein, die für mich nicht völlig glaubwürdig waren. Trotz dieser kleinen Kritiken kann ich jedoch sagen, dass mich dieses Buch wunderbar unterhalten hat. Besonders Carla und Latif sind mir mit der Zeit direkt ans Herz gewachsen. Wolf Serno hat einen interessanten und kurzweiligen Roman geschaffen, bei dem ganz besonders Interessierte der Medizin im 16. Jahrhundert auf ihre Kosten kommen.