Samstag, 12. November 2011

Der Schwur der Jungfrauen - Katerina Timm


Untergrombach 1497: Drei junge Frauen schließen einen Pakt. Sie schwören sich gegenseitig, nie auf die Verführungsversuche von Lukas Simon einzugehen. Der Sohn des reichsten Bauern in der Gegend ist ein wahrer Herzensbrecher, und es wird im Dorf gemunkelt, dass er am  Freitod eines Mädchens schuld ist. Ihm zu widerstehen fällt den Verschwörerinnen gar nicht so leicht. Nur Kathrin Lett, die Tochter eines armen leibeigenen Bauern wähnt sich seinen Verführungsversuchen gegenüber immun. Aber dann fällt sie einer List zum Opfer und muss Lux heiraten.
Das junge Paar ist alles andere als glücklich. Zudem werden für Kathrins Familie die Lebensbedingungen immer schwerer, da ein schlimmer Brand einen großen Teil ihres Besitzes vernichtet hat und Veit Lett die geforderten Abgaben an den Burgherrn nicht leisten kann. Kathrin erfährt von einem geplanten Aufstand der Bauern und schließt sich ihm an, und sie fühlt sich zu einem anderen Mann hingezogen. Mit ihren Entscheidungen bringt sie nicht nur sich selbst in Gefahr!

Mit diesem Roman ist Katerina Timm eine sehr ausgewogene Mischung aus historisch belegten Tatsachen und einem romantischen Verwirrspiel der Gefühle gelungen. Ihre Protagonisten sind Menschen aus dem einfachen Volk. Sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und genau das macht die Geschichte so glaubwürdig und sympathisch. Der Leser erfährt viel über das Elend der leibeigenen Bauern zur damaligen Zeit, über ihre Sorgen und Nöte, im Extremfall auch über die nackte Existenzangst. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bauern aufbegehren und mehr Rechte und Freiheit fordern. Hier kommt die Bundschuhbewegung unter Joss Fritz ins Spiel. Der Bauernaufstand war von langer Hand geplant, wurde aber zuletzt durch einen Verrat vereitelt. Wie die Autorin dieses historische Ereignis in ihre Geschichte einbettet, so könnte es durchaus gewesen sein.
Mit viel Zeitkolorit ist das Leben im Dorf beschrieben, und die Charaktere wirken alle sehr natürlich und unverfälscht. Eine Liebesgeschichte gibt es auch, aber die verläuft ganz und gar nicht geradlinig. Als stiller Beobachter erhält der Leser interessante Einblicke in das Seelenleben der Beteiligten. Bei den Entwicklungen und Verwirrungen hat die Autorin immer noch eine Überraschung im Ärmel, und Langeweile kommt hier ganz gewiss nicht auf.
Dazwischen gibt es mehrere kurze Rückblenden in die Vergangenheit von Kathrins Mutter Anna. Was es mit deren Erlebnissen bei einer Wallfahrt auf sich hat, erfährt man erst nach und nach. Diese Abschnitte bringen zusätzliche Spannung und auch Klarheit in so manche rätselhafte Angelegenheit. Auch stellen sie die Verbindung zu Hans Böhm, dem „Pauker von Niklashausen“ her, der in gewisser Weise als Vorbote der Bundschuhbewegung gesehen wird.
Besonders gut hat mir gefallen, dass die Charaktere dieses Romans weitgehend einfache Bauern sind und man mehr über deren Welt erfährt. Die kernige Sprache wirkt ungekünstelt und verleiht der Geschichte eine sehr ursprüngliche Atmosphäre.

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