Sonntag, 9. Oktober 2011

Die Feengabe - Barbara Schinko


Diese Geschichte hat sich vor langer Zeit zugetragen: Mavie und Stella Bucharon sind die Töchter des Gouverneurs von Dalin. Die großen Ferien haben die beiden Mädchen bei ihrer geliebten Großmutter, einer ehemaligen Piratin, verbracht. Nach dem Sommer als sie wieder zu Hause sind, macht sich Unruhe unter Dalins Inselbewohnern breit. Es wird gemunkelt, dass der Feenbann dünner geworden ist und erneuert werden muss. Bevor das jedoch geschehen kann, verschwindet Stella, und nur Mavie weiß, dass ihre Schwester dem Charme von Cahill, dem Feenprinzen, verfallen und diesem nach Elphame, in das magische Reich der Fey, gefolgt ist. Mavie macht sich auf, ihre Schwester zurück zu holen. In dem rothaarigen Sorley findet sie einen willigen Begleiter, nachdem sie seine Katze davor bewahrt hat, bei einem Ritual getötet zu werden. Es beginnt für alle ein aufregendes Abenteuer mit ungewissem Ausgang.
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Zuerst meine Eindrücke zur optischen Gestaltung des Buches. Die Bilder auf Vorder- und Rückseite wirken, als wären sie aus einem alten Märchenbuch heraus gerissen und gerade noch vor dem Verbrennen gerettet worden. Dargestellt ist vorne der geheimnisvolle Feenturm, umrankt von wilden Farngewächsen. Auf dem hinteren Buchdeckel sind zwei Hände mit einem Flammenherz zu sehen. Beide Bilder passen ganz wunderbar zum Inhalt, und zusammen mit der schönen Schrift des Buchtitels wirkt das Cover sehr passend und stimmungsvoll. Der geflammte, rotbraune Hintergrund erinnert an Feuer, welches im Buch auch eine wesentliche Rolle spielt. Mir persönlich gefällt die Gestaltung sehr gut, und ich habe immer wieder fasziniert die Bilder betrachtet, wenn ich das Buch zur Hand nahm. Lediglich die Schrift auf der Rückseite ist etwas schlecht lesbar. Sie fügt sich zwar farblich wunderbar ins Gesamtbild, aber durch die helle Schattierung verschwimmen die Buchstaben, und man braucht schon sehr gute Augen und beste Lichtverhältnisse, um den Text entziffern zu können.
Und nun zum Inhalt: Barbara Schinko versteht es, zu fabulieren und mit Worten zu spielen. Mit ihrer bildhaften Sprache erweckt sie die Feenwelt zum Leben.
Mavie ist eine sympathische, sehr beherzte Protagonistin. Sie und ihre Schwester sowie Sorley, aber auch die Nebenfiguren der Geschichte, sind alle sehr genau und treffend charakterisiert. Als Mavie und Sorley im Feenreich ankommen und dort der Königin begegnen, sieht man diese förmlich vor sich stehen, so ausdrucksstark ist sie von der Autorin gezeichnet. Überhaupt sind sowohl die Szenerie von Elphame als auch die Bewohner des Feenlandes sehr plastisch und in schillernden Farben beschrieben. In einer Welt der Täuschungen und Trugbilder machen Mavie und Sorley ganz eigentümliche Erfahrungen, teils zauberhaft, aber manchmal auch ein wenig unheimlich. Abrupte Wetterschwankungen und Elphames eigentümliche Gewächse machen Mavie sehr zu schaffen, und nicht nur das, sie muss auch gegen rätselhafte Erscheinungen und phantastische Gestalten kämpfen und läuft dabei Gefahr, sich selbst zu verlieren. Daneben kommt es auch zu Spannungen in ihrem Verhältnis zu Sorley. Nach und nach werden rätselhafte Erinnerungen wach, und Mavie findet Erstaunliches über sich selbst heraus. Ob sie Stella zur Rückkehr überreden kann und was ihr in diesem geheimnisvollen Land der Fey noch alles widerfährt, wird hier nicht verraten. Wer neugierig geworden ist, sollte sich selbst ins Leseabenteuer stürzen.
Jeder, der Märchen und Sagen liebt, wird seine Freude an dieser fantasievollen, fesselnden Geschichte und der spielerischen sprachlichen Gestaltung haben und spannende, kurzweilige Lesestunden genießen.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag Mondwolf.

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