Donnerstag, 25. August 2011

Das Spiel der Könige - Rebecca Gablé


England zur Zeit der Rosenkriege:
Der 18-jährige Julian of Waringham hat sich mit seinem Vater überworfen, denn John of Waringham ist eingeschworener Vasall des gekrönten Königs Henry VI, während sein Sohn den Duke of York bewundert und den schwachen, verwirrten König verachtet.
Als Julian unverhofft den Titel „Earl of Waringham“ erbt, muss er sich endgültig entscheiden, wem seine Loyalität gehört.
So ganz überzeugt und freiwillig fällt er seinen Entschluss nicht, aber er ist erpressbar, denn seiner Zwillingsschwester Blanche droht die Verhaftung. Sie hat sich gegen ihren gewalttätigen, ungeliebten Ehemann zur Wehr gesetzt und ihn dabei schwer verletzt. Seitdem ist sie auf der Flucht.
Als Henry VI entthront wird, schließt sich Julian der entmachteten Königin Marguerite an und zieht gegen Edward IV. in den Kampf. Seine Entscheidung und Gesinnung in diesem zermürbenden Krieg bringt ihn immer wieder zwischen die Fronten, und er muss nicht nur um sein eigenes Leben bangen, sondern seine ganze Familie gerät in Gefahr.
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Die Handlung umfasst einen Zeitraum von 30 Jahren: von 1455 bis 1485.
Als Gerüst des Romans hat Rebecca Gablé auch in diesem dritten Band der Waringham-Saga die weit verzweigten Stammbäume der Königshäuser Lancaster und York zugrunde gelegt. Wie sie selbst erklärt, hat sie die weißen Flecken in den Geschichtsbüchern mit den fiktiven Charakteren der Familie Waringham gefüllt und mit einer absolut mitreißenden und perfekt recherchierten Geschichte ergänzt und umrahmt.
Auch diesmal hat mich wieder ganz besonders die Detailtreue und die große Nähe zur geschichtlichen Realität fasziniert. Die historischen Personen sind allesamt so lebendig beschrieben, dass man beim Lesen ein Gefühl von Vertrautheit zu den Charakteren bekommt.
Besonders erwähnen möchte ich auch den wunderbar passenden Titel, denn bei diesem Kampf um Englands Krone drängt sich wirklich der Vergleich mit einem Schachspiel auf, dem Spiel der Könige.
Absolut erstaunlich finde ich, mit welcher Leichtigkeit die Autorin die verwirrend große Zahl der mitwirkenden Personen beschreibt, so dass man als Leser den Überblick behält und der Handlung unkompliziert folgen kann. Sehr hilfreich sind ergänzend die abgedruckten Stammbäume und das Personenregister.

Die Mitglieder der Familie Waringham entwickeln auch in dieser Generation wieder einen ganz besonderen Charme. Julian und Blanche, ihre Vertrauten und Freunde, später auch ihre Nachkommen, sind allesamt sehr facettenreich dargestellt. Jeder von ihnen hat seine kleinen (oder auch größeren) Fehler, aber man kann ihnen so schnell nichts übel nehmen. Besonders stark zeichnen sich die Hauptpersonen durch ihre Loyalität und Treue aus, denn wenn sich ein echter Waringham einmal für eine Sache entschieden hat, dann steht er voll hinter seinem Entschluss.

Auch dieses Buch aus der Reihe hat wieder meine absolute Leseempfehlung, nicht nur für langjährige Fans, welche die ersten beiden Bände bereits kennen, sondern auch für neue Interessenten. Mit fast 1200 Seiten ist es wieder ein richtiger Wälzer und verspricht so reichlich Lesegenuss. Man kann jedes Buch einzeln für sich stehen lassen und durchaus auch mit diesem Band einsteigen, aber vielen Lesern wird es so gehen wie mir: hat man einmal damit angefangen, möchte man alle historischen Romane von Rebecca Gablé lesen. 



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